Naturtheater blickt auf 100 Jahre zurück

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1965 stand „Faust“ auf dem Spielplan.
1965 stand „Faust“ auf dem Spielplan. (Foto: naturtheater)
Aalener Nachrichten

Karten (ab 1. Dezember): Naturtheater Heidenheim, Telefon 07321 / 925555, oder online unter www.naturtheater.de

„Wenn ich hier lebend rauskomme“, schwor sich einst Gustav Müller im Schützengraben während des Ersten Weltkrieges, „dann will ich mich für etwas einsetzen, das die Menschen verbindet: die Kunst“. Er überlebte – und hielt Wort: Im Jahr 1919 gründete er die „Heidenheimer Volkskunstvereinigung“. Der Name hat sich geändert, doch nun feiert das Naturtheater sein 100-jähriges Bestehen.

Mit 100 Veranstaltungen sollen diese 100 Jahre im Jubiläumsjahr gefeiert werden. Das klingt zwar viel, wenn man aber bedenkt, dass der Verein bereits in gewöhnlichen Jahren auf rund 80 Veranstaltungen kommt, dann relativiert sich die Zahl. Dennoch: Das Jubiläums-Organisationsteam hat ein vielseitiges Programm zusammengestellt, das viele Besucher zum Mitfeiern einladen soll.

Festwoche im Sommer

So wird es mitten in der Sommerspielzeit eine Festwoche auf der Freilichtbühne geben. Erstmals wird Poetry-Slam zu erleben sein. Mit dabei: Das Lumpenpack, David Friedrich, Sandra Da Vina, Jean-Philippe Kindler, Jule Weber, Andy Strauß und Nektarios Vlachopoulos. Für die kleinen Zuschauer gibt es einen Kindertag.

Musik gibt es mit Viera Blech und den Lokalmatadoren von Erpfenbrass, die beide bereits beim „Woodstock der Blasmusik“ aufgetreten sind. Herrn Stumpfes Zieh und Zupf Kapelle war bereits bei der Einweihung der neuen Zuschauerhalle 1995 zu Gast. Auch im Jubiläumsjahr werden sie mit von der Partie sein, und das unter dem „Zitronenbaum“, denn das Fools Garden Trio bringen sie gleich mit.

Dazu gibt es die „Musical Night“. Auch der Kleinkunst wird wieder ein Abend gewidmet: Philipp Weber, das Liedermacher-Duo Suchtpotenzial und Beatboxer Robeat.

Und natürlich gibt es in der Festwoche auch eigene Produktionen des Naturtheaters: „Du bist in Ordnung, Charlie Brown“ in der Regie von Oliver von Fürich.

Von Fürich ist auch zuständig für den besonderen Rückblick auf 100 Jahre Naturtheater, der unter dem Titel „… und einig wollen wir handeln“ in Zusammenarbeit mit dem Theater der Stadt Aalen gezeigt wird. Dabei werden viele Zeitzeugen zu Wort kommen, und viele Bilder aus vergangenen Tagen gibt es zu sehen in diesem Stück, das sich an Schillers „Wilhelm Tell“ orientiert.

Mit „Wilhelm Tell“ wurde 1924 die Freilichtbühne eröffnet. Sechs Mal wurde er bereits aufgeführt. Das meistgespielte Stück allerdings ist „Im weißen Rößl“, das zwischen 1920 und 2012 sieben Mal zur Aufführung kam. Rund 400 Inszenierungen bei geschätzten drei Millionen Zuschauern hat das Naturtheater in seiner 100-jährigen Geschichte gestemmt. Eine Ausstellung ab 1. April im Schloss Hellenstein unter dem Titel „100 Jahre in 100 Exponaten“ gibt Einblicke mit Requisiten, Fotos, Plakaten und Kostümen. Und das Naturtheater geht ins Kino: Die alten Filme über das Naturtheater – der älteste von 1924 – wurden digitalisiert und werden im Capitol Heidenheim zu sehen sein. Einen großen Festakt gibt es auch – Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat bereits Interesse bekundet.

Natürlich fehlen auch im Jubiläumsjahr nicht die liebgewordenen Veranstaltungen wie Kultur im Café, Schlossbergtafel und Tag der offenen Tür. Und natürlich die Sommerinszenierungen: Die Proben für „West Side Story“ und „Herr der Diebe“ haben bereits begonnen …

Der Auftakt zum 100. Geburtstag findet bereits am 3. Januar statt: Im Café Swing wird mit Schwung ins Jubiläumsjahr gestartet. Und das kommt nicht von ungefähr, stand doch dort einst das Volkskunsthaus, das dem Verein als Heimstatt diente, bevor es die Räume rund um die Bühne auf dem Schlossberg gab. Daran soll mit einer Inschrift gedacht und gefeiert werden.

Karten (ab 1. Dezember): Naturtheater Heidenheim, Telefon 07321 / 925555, oder online unter www.naturtheater.de

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