KfW-55-Standard erfüllt: Pilotprojekt strahlt über Landesgrenzen hinaus

Haben alles einmal genauer unter die Lupe genommen (von links): Martin Grath (MdL), Gabriel Fuchs Bauleitung, Thomas Müller, Mar
Haben alles einmal genauer unter die Lupe genommen (von links): Martin Grath (MdL), Gabriel Fuchs Bauleitung, Thomas Müller, Margit Stumpp (MdB), Renate Müller und Erwin Taglieber, Zimmermeister, Präsident des Deutscher Holzfertigbau-Verband (DHV) (Foto: privat)
Aalener Nachrichten

Die Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp (Grüne) und der Landtagsabgeordnete Martin Grath (Grüne) begleiteten auf Einladung des Bauherrn den Baufortschritt des Pilotprojekts in Heidenheim. Mit seriell vorgefertigten Dach- und Fassadenelementen können Gebäude schnell und klimafreundlich modernisiert werden.

Klimafreundlich

Der innovative Bauprozess hat das Heidenheimer Wohnhaus von Renate und Thomas Müller auf den klimafreundlichen KfW-55 Standard gebracht. Aus einem sanierbedürftigen Haus wird ein bezahlbares, klimafreundliches und hochwertiges Zuhause. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) betreut im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) die Markteinführung für serielle Sanierungen in Baden-Württemberg und begleitet die sanierungswilligen Bauherren beim Planen sowie der Umsetzung dieser ersten Pilotprojekte. Rechne man den Energiestandard in Heizöl, so benötigte man im ursprünglichen Zustand pro Quadratmete rund 20 Liter Heizöl, nach der Sanierung liege man weit unter einem Liter“, erklärt Erwin Taglieber, Zimmermeister, Präsident des Deutscher Holzfertigbau-Verband (DHV) und Geschäftsführer eines Holzbau-Unternehmens in Oettingen/Bayern.

Spezielle Form der Sanierung

Der Holzbaubetrieb gehört zu den wenigen Unternehmen in Deutschland, die sich auf diese spezielle Form der Sanierung spezialisiert haben. Das Besondere: stark verkürzte Sanierungszeiten und der natürliche Rohstoff Holz. „Die Holzständerwände sowie die Putzträgerplatte werden aus Restholz, das zerkleinert und dann gepresst wird, hergestellt“, so Taglieber. Was durch diese Bauweise an Ökoleistung erbracht werde, sei enorm. Die Alternative dazu wären Styropor oder Mineralwolle. Die bisherigen konventionellen Bauweisen nutzen hauptsächlich mineralische Baustoffe, die im Vergleich zu Holz im Normalfall mehr Energie verbrauchen. Dadurch gewinne Holz, als nachwachsender Rohstoff, dessen Verarbeitung energiearm ist, zunehmend an Bedeutung. Die beiden Vertreter von Bund und Land bittet der Unternehmer die positive Ökobilanz zur Verpflichtung zu machen. Durch eine Ökobilanzierung erfahre der Bauherr, wie er mit seiner Sanierung die Umwelt entlasten könne. Gebe es auch hier eine Förderung und nicht wie bisher nur für die Energieberatung, würden mehr Bürger die Möglichkeit der Ökobilanzierung in Anspruch nehmen, da ist sich Taglieber sicher.

Für die Zukunft gerüstet

„Das Bauen der Zukunft ist umweltbewusst und klimafreundlich“, betont der Landtagsabgeordnete Martin Grath (Grüne). Um das zu erreichen, wollen wir ökologisch nachhaltige, innovative Baustoffe wie Holz erhöht zum Einsatz bringen. Sie serielle Sanierung zeige, wie wichtig die Digitalisierung auch in der Baubranche sei, betont die Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp (Grüne). Denn nur durch die exakte 3-D Vermessung des Hauses können die Elemente für die Gebäudehülle millimetergenau an das Objekt angepasst werden. Die vorab gefertigten und gelieferten Fassadenelemente werden mit einem Kran in Position gebracht. Innerhalb weniger Tage ist die Baumaßnahme abgeschlossen. Beim Heidenheimer Pilot kommt Photovoltaik auf das Dach. Auch mit der richtigen Heizung könne man aktiven Umweltschutz betreiben, so Bauherr Thomas Müller. Er entschied sich für eine Deckenheizung anstelle der Fußbodenheizung. Er erreiche eine solare Deckung von Warmwasser und Heizung von rund 70 Prozent, die verbleibenden 30 Prozent liefere die Wärmepumpe.

3000-Liter-Speicher

Im Haus wurde ein 3000-Liter-Speicher installiert. Rund ein Viertel des gesamten End-Energieverbrauchs in Baden-Württemberg wird von privaten Haushalten für Raumwärme und Warmwasserbereitung beansprucht. Bestandsgebäude verbrauchen das Drei- bis Fünffache dessen, was bereits heute technisch machbar ist. Bisher fand die energetische Sanierung mit enormem handwerklichem Einsatz auf der Baustelle statt. Bedingt durch den Fachkräftemangel und viele manuelle Tätigkeiten betrug die Bauzeit oft mehrere Monate. Ziel des Förderprogramms ist es, die industrielle Vorfertigung von Fassaden und Dachelementen mit damit verbundener Anlagentechnik sowie deren Montage an Wohngebäuden zu unterstützen. Privatpersonen können die Fördermittel des Landes beantragen. Die Höhe des Zuschusses ist abhängig vom erreichten Energiestandard und wird je Quadratmeter Gebäudenutzfläche berechnet, ergänzt Müller. Der Antrag muss vor Beginn der Maßnahme beim Projektträger Karlsruhe (PTKA-BWP) gestellt werden. Mit Maßnahmen wie dieser komme man dem Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050 näher, konstatiert MdL Martin Grath zuversichtlich. Margit Stumpp, freut sich, dass Heidenheim hier abermals eine Vorreiterrolle einnimmt: „Solche Projekte passen zu unserer Biomusterregion.“

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