Der Wirtschaft fehlen nicht nur Fachkräfte

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 Bei der Sitzung der IHK-Vollversammlung, von links: die Vizepräsidenten Brigitte Wagenblast und Rudi Feil, IHK-Hauptgeschäftsfü
Bei der Sitzung der IHK-Vollversammlung, von links: die Vizepräsidenten Brigitte Wagenblast und Rudi Feil, IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaele Eberle, IHK-Präsident Markus Maier sowie die Vizepräsidenten Dr. Jörg S. Rieger und Ulrich Betzold. (Foto: IHK)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

In ihrer Herbstsitzung hat die IHK-Vollversammlung über die derzeitigen Entwicklungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sowie aktuelle Maßnahmen der Wirtschaftsförderung beraten. Und es gab eine Änderung im IHK-Präsidium: Aus dem Zeiss-Vorstand folgt Dr. Matthias Metz auf Thomas Spitzenpfeil.

Ein bedenkliches Stimmungsbild ergab die Aussprache über die aktuelle Situation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Branchenübergreifend fehlten nicht nur Fachkräfte, auch Hilfsarbeier seien mittlerweile Mangelware, so der übereinstimmende Tenor. Insbesondere die Dienstleistungsbranchen täten sich schwer ausreichend Personal zu finden, hier vor allem in den Bereichen Logistik und Gastronomie. Dringend benötigte Berufskraftfahrer würden mittlerweile vor allem aus Osteuropa rekrutiert. Der Bedarf könne so zwar gedeckt werden, allerdings erschwere der angespannte Wohnungsmarkt die Mitarbeitersuche. Angesichts der unverändert guten Konjunktur und der demografischen Entwicklung werde sich die Problematik weiter verschärfen, war man sich einig

Einwanderungsgesetz und Spurwechsel werden begrüßt

IHK-Präsident Markus Maier: „Aus dem Fachkräftemangel ist ein Arbeitskräftemangel geworden. Es geht um jede helfende Hand.“ Vor diesem Hintergrund begrüßte die Vollversammlung die Pläne der Koalitionsregierung für eine konkrete Ausgestaltung eines Einwanderungsgesetzes sowie eines Spurwechsels für geduldete Flüchtlinge. Es sollten mehrere Regelungen gelockert werden, um den Fachkräftemangel einzudämmen. So sollte künftig zum Beispiel jeder mit „anerkannter Qualifikation“ und Arbeitsvertrag in Deutschland arbeiten dürfen. Auch sollen Asylbewerber, die sich in Ausbildung befinden, in dieser Zeit nicht abgeschoben werden. Mit dem Spurwechsel sollen Flüchtlinge mit einem Arbeitsplatz auch bei einem negativen Asylbescheid in Deutschland bleiben können.

Über aktuelle Themen der Wirtschaftsförderung informierte IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle das Gremium. Hierzu zählen unter anderem die erfolgreiche Premiere der Mitmachausstellung Make Ostwürttemberg mit über 9000 Besuchern und die Delegationsreise „Ostwürttemberg meets Austria“ nach Wien mit zahlreichen Folgekontakten. Erfolgreich entwickelt hat sich auch das Projekt Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg. Die Fördergelder seien geflossen; das Konzept befände sich jetzt in der Umsetzung und die drei Standorte in der Region werden aufgebaut.

In den Haushaltsberatungen verabschiedete die IHK-Vollversammlung den geprüften Jahresabschluss 2017. Nach Jahren geprägt von einem deutlichen Abbau der Rücklagen endete das Finanzjahr 2017 mit einem Ertrag von null Euro bei einer Entnahme aus den Rücklagen von knapp 1,1 Millionen Euro. Zudem wurde der Wirtschaftsplan 2019 verabschiedet, der weiterhin stark durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld bestimmt ist. Um die künftige Handlungsfähigkeit der IHK Ostwürttemberg sicherzustellen, folgte die IHK Vollversammlung mit großer Mehrheit dem Vorschlag des Präsidiums und verabschiedete eine Anpassung der gewinnabhängigen Umlage von derzeit 0,17 auf 0,26 Prozent des Gewerbeertrags der Mitgliedsunternehmen. Die Grundbeiträge werden beibehalten. „Das Präsidium ist der Auffassung, dass dieser Vorschlag eine ausgewogene Balance herstellt zwischen der notwendigen finanziellen Grundlage für die IHK Ostwürttemberg und dem berechtigten Interesse aller IHK-Mitglieder auf niedrige Beiträge bei gleichzeitig voller Leistungsfähigkeit“, erklärt IHK-Präsident Markus Maier.

Personelle Wechsel im Präsidium

Nach dem Ausscheiden von Stephan Schaller, ehemals Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung von Voith, und dem bisherigen IHK-Vizepräsidenten Thomas Spitzenpfeil, bis 30. September dieses Jahres Mitglied des Konzernvorstands der Carl Zeiss AG Oberkochen, sind gleich zwei für Ostwürttemberg besonders prägende Unternehmen nicht mehr in der Vollversammlung vertreten. Um die Industrie dennoch angemessen in der Vollversammlung zu repräsentieren, folgte das Gremium dem Vorschlag des Präsidiums und wählte Dr. Matthias Metz, Mitglied des Zeiss-Konzernvorstands in die Vollversammlung. Metz wurde auch in das Präsidium der IHK gewählt. Nachgerückt in die Vollversammlung sind Axel Lang, Geschäftsführer der WKS GmbH in Aalen, und Dr. Claus Biechele, Inhaber der Apotheke am Prediger in Schwäbisch Gmünd.

Abgeschlossen wurde die Vollversammlung mit einem Gastvortrag von Andreas Joehle, Vorstandsvorsitzender der Paul Hartmann AG, der die Entwicklung seines Unternehmens von den Ursprüngen vor 200 Jahren bis zur heutigen Position als einer der weltweit führenden Hersteller von Medizin- und Pflegeprodukten nachzeichnete.

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