Von der Gaststätte zum Museum

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 Das Bild zeigt die Vorstandsmitglieder des Vereins Dorfmuseum Essingen, Dieter Bolten (links) und Rudolf Fallack, in der neu ei
Das Bild zeigt die Vorstandsmitglieder des Vereins Dorfmuseum Essingen, Dieter Bolten (links) und Rudolf Fallack, in der neu eingerichteten Molkerei des Dorfmuseums. (Foto: Edwin Hügler)
Edwin Hügler

Eine bewegte Geschichte hat das über 300 Jahre alte Gebäude in der Rathausgasse 1 in Essingen hinter sich. Aus der ehemaligen Gaststätte „Zum Grünen Baum“ ist Anfang des 19. Jahrhunderts das Essinger Rathaus geworden und seit zehn Jahren hat hier das Dorfmuseum eine Heimat gefunden. Mit einem Festakt und ab 12 Uhr mit einem „Tag der offen Tür“ wird am Ostermontag, 22. April, dieses Jubiläum gefeiert.

1823 hat die Gemeinde Essingen das ehemalige Wirtshaus für 1200 Gulden erworben und hier das Rathaus mit Arrestzelle und Mädchenschule eingerichtet. 1864 ist die Mädchenschule ausgezogen und im Laufe der Jahre wurden zusätzlich zum Rathaus ein Postamt und ein Polizeiposten eingerichtet. Mit dem Umzug der Gemeindeverwaltung und der Polizei 1989 ins neue Rathaus stellte sich die Frage, was aus dem historischen Gebäude werden sollte.

Lange stand das Gebäude leer

„Es begann eine 20-jährige Odyssee“ erzählt Dieter Bolten im Gespräch mit den „ Aalener Nachrichten“. Schon 1989 hatte der Heimat- und Geschichtsverein die Idee, hier alte historische Gegenstände auszustellen. Doch daraus wurde zunächst nichts. Auch die angedachte Nutzung als Haus der Vereine kam nicht zustande. Weitere Überlegungen waren hier Wohnungen zu bauen oder eine Ortsbücherei einzurichten. Das Resultat: Man konnte sich auf kein Konzept einigen und das Gebäude stand weiterhin leer.

1994 ergriff der Heimat- und Geschichtsverein Essingen mit seinem Vorsitzenden Horst Wormser erneut die Initiative und entwickelte ein Museumskonzept. Doch die hohen Sanierungskosten von einer Million Mark machten einen Strich durch die Rechnung. Drei Jahre später wurden von der Essinger Wohnungsbau die Sanierungskosten nach einem Gutachten sogar auf 1,7 Millionen Mark geschätzt, da sich inzwischen Salz- und Wurmbefall ausgebreitet hatten.

Als Notbehelf wurden einzelne Räume des Gebäudes von den Haugga-Narra, vom Liederkranz und von der Künstlergruppe genutzt. Nachdem Bürgermeister Wolfgang Hofer „Grünes Licht“ gegeben hatte, begann 2006 eine Sanierung und Renovierung des Gebäudes durch eine private Initiative in Eigenleistung. Es wurden immerhin zehn Tonnen Dreck entfernt.

2009 am Ostermontag eröffnet

Die Gründung des Vereins Dorfmuseum Essingen 2008 machte dann den Weg endgültig frei für die Nutzung des Gebäudes als Dorfmuseum. Die offizielle Eröffnung war am Ostermontag 2009. Gerade recht kam das Landessanierungsprogramm „Unteres Dorf“, so dass 2016 und 2017 der Dachstuhl, die Fenster und die Fassade saniert werden konnten.

Das Dorfmuseum hat heute 15 Räume in drei Geschossen. Die Exponate spiegeln Essinger Heimatgeschichte wider und sind sehr vielfältig. Rechtzeitig zum zehnjährigen Bestehen haben die Verantwortlichen des Dorfmuseumsvereins, allen voran der zweite Vorsitzende und Bauleiter Rudolf Fallack, im ersten Obergeschoss den Raum mit Erinnerungsstücken an die beiden Weltkriege neu gestaltet. Eine weitere neue Attraktion wartet auf die Besucher im zweiten Obergeschoss, wo die Themen Molkerei und Gartenbau jetzt dargestellt sind.

Beim „Tag der offenen Tür“ am Ostermontag ab 12 Uhr wird Rudolf Fallack rote Osterhasen aus Zucker gießen.

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