Mit bissiger Ironie und scharfer Zunge

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Gerhard Krehlik

Der Münchner Kabarettist Christian Springer hat am Samstagabend in der einmal mehr ausverkauften Schloss-Scheune das Publikum mit seinem neuen Programm „Alle machen. Keiner tut was!“ begeistert.

Es sind goldene Zeiten für Kabarettisten – in Bayern herrscht Wahlkampf, in den USA regiert Donald Trump, damit sind jede Menge humoristische Steilvorlagen garantiert und kabarettistische Inspirationen reichlich vorhanden. Springer schöpft aus diesen munter sprudelnden Quellen mit bissiger Ironie und scharfer Zunge. Dass die CSU in den Umfragen zur bayerischen Landtagswahl gerade mal knapp über 30 Prozent dümpelt, darüber freut sich Springer, dessen Herz bekanntermaßen politisch links schlägt, natürlich besonders. Und Markus Söders „Kreuzerlass“ und seine Fantasien über eine bayerische Weltraumagentur liefern Springer Munition für seine sarkastischen Kommentare.

In der Flüchtlingsdebatte liegen Springer die viel zitierten deutschen Werte sehr am Herzen. Er hat allerdings noch nicht herausgefunden, welches diese Werte sind. Er vermutet Blutdruck, Cholesterin und Abgaswert. Überhaupt dieses „G’schieß“ ums Stickoxid. „Ein Stück Ingwer rein, dann geht des scho“, würde Starkoch Schuhbeck sagen.

Sehr amüsiert hat ihn auch, als die Fraktionsvorsitzenden Kauder – damals noch in Amt und Würden –, Nahles und Dobrindt zum Gipfeltreffen auf die Zugspitze gefahren sind, wie weiland Moses auf den Berg Sinai. Aber, so vermutet Springer, während Moses die Gesetzestafeln vom lieben Gott abgeholt hat, wollten die drei Politiker wahrscheinlich diesem sagen, wo‘s langgeht.

Im zweiten Programmteil berichtete Springer über sein Engagement für die syrischen Flüchtlinge im Libanon und machte seine politischen Standpunkte klar. Das hatte mit politischem Kabarett nun eher weniger zu tun, sondern fiel – mit Verlaub – eher unter die Kategorie „Das Wort zum Sonntag“. Solidarität, Zivilcourage, Mut, Freiheit und Aufrichtigkeit sind ihm wichtig. Und er ist froh darüber, dass die bayerische Staatsregierung seine Organisation „Orienthilfe“ finanziell unterstützt, obwohl er die CSU öfters heftig durch den Kakao zieht. Das wäre in bestimmten anderen Staaten wahrscheinlich nicht möglich, so Springer. Die Zuhörer, die im ersten Teil aus dem Schmunzeln nicht herauskamen, würdigten den zweiten Teil mit anerkennendem Beifall.

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