Alles andere als hölzern

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 Wildes Holz bezirzen das Publikum mit ihrem ganz eigenen Charme und Tobias Reisige bezeugt, dass man gleichzeitig Trommel und B
Wildes Holz bezirzen das Publikum mit ihrem ganz eigenen Charme und Tobias Reisige bezeugt, dass man gleichzeitig Trommel und Blockflöte spielen kann. (Foto: Dorothea Halbig)
Dorothea Halbig

„Freiheit für die Blockflöte!“, fordert die Band Wildes Holz, die seit über 20 Jahren unkonventionelle Musik mit konventionellen Instrumenten macht. Dass die Blockflöte nicht das langweilige Instrument ist, das jeder in der Grundschule spielte, beweist Tobias Reisige. Er war der erste Jazz-Blockflöten-Absolvent an der Folkwang-Hochschule in Essen.

Nachdem im Sommer letzten Jahres ganz plötzlich der langjährige Freund und Mitmusiker Anto Karaula starb, war es eine Zeit lang nicht ganz sicher, wie es mit Wildes Holz weitergeht. Doch sie sind froh, dass sie weiter machen können. Dazu trägt Djamel Laroussi bei, der nun seit diesem Jahr Tobias Reisige und Markus Conrads auf der Gitarre begleitet.

Der gebürtige Algerier versprüht am Samstagabend in der Schloss-Scheune eine Menge Witz und Charme mit seinem virtuosen Gitarrenspiel. Zum ersten Mal sind sie zu Gast in Essingen. „Sie sehen toll aus!“, lobt Conrads das Publikum.

Die musikalische Reise beginnt mit einem Andenken an Karaula. Das Lied sei bei der Straßenmusik in Italien entstanden. Das offizielle Begrüßungsküsschen „Kiss“ von Prince stimmt den Abend mit der perfekten Energie an.

Hypnotisierendes Spiel

Die neu eingebrachten Einflüsse von Laroussi zwischen algerischer Volksmusik und dem „Ruf des Muezzin“ bringen in Kombination mit Conrads Kontrabass und Reisiges Blockflöte ein kraftvolles, rhythmisches Stück an den Tag. Laroussis feinfühliges, präzises Gitarrenspiel ist hypnotisierend.

Die drei Musiker bespielen ihre Instrumente mit so viel Leidenschaft und mit dem ganzen Körper und mit ihrer Seele. Kebop, ein Song von Conrads, der sich zwischen arabischer und türkischer Musik sowie Jazz bewegt, wäre auch super zum Tanzen. Doch die Schloss-Scheune ist voll ausverkauft, da gibt es keinen Platz dafür.

Eine innovative Version

Ein besonderes Bonbon ist Reisiges Interpretation des Coldplay-Klassikers „Viva la Vida“. Mit der Hilfe einer Loop Machine, seinem trockenen Humor, einigen Flöten und einer Trommel schafft er eine Version des Songs, die innovativer gar nicht sein könnte. Und als Conrads und Laroussi noch mit einsteigen, gibt es einen riesigen Applaus für die hölzernen Männer. „Sie haben Ihre Sache bis jetzt sehr gut gemacht“, lobt Conrads das aufmerksame Publikum, bevor die Band das Publikum mit dem A-ha-Hit „Take on me“ in die Pause verabschiedet.

Reisige legt nach der Pause noch eins drauf und zeigt, dass er auch gleichzeitig Flöte und Trommel spielen kann. Wer sagt denn, dass man eine Blockflöte nicht als Drumstick verwenden darf? Gonna Fly Now, dem Titeltrack von Rocky, kommen die Einhandflöte und die Einhandtrommel jedenfalls zugute.

Egal ob beim klassischen Kanon oder bei Madonnas „Like a Virgin“ – die Band zieht das Publikum in ihren humorvollen Bann. Die professionellen Musiker kennen ihre Instrumente in- und auswendig und das Wichtigste ist ihnen die Freude an der Musik.

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