Zwischen Niedrigzins und Corona - VR-Banken ziehen Bilanz

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Stellv. Redaktionsleiter / Redakteur

Dass die Corona-Pandemie wirtschaftliche Folgen hat, liegt auf der Hand. Wie heftig es wird, das vermögen die Bosse der hiesigen Banken nicht zu sagen. Die Volks- und Raiffeisenbanken seien aber nicht diejenigen, betont Jürgen Hornung, „die, wenn die ersten Regentropfen fallen, den Regenschirm zusammenklappen“.

Hornung ist Vorstandssprecher der Ellwanger VR-Bank und Vorsitzender der Bezirksvereinigung der Volksbanken und Raiffeisenbanken Ostalb. Mit den stellvertretenden Vorsitzenden, dem Aalener VR-Bank-Chef Kurt Abele, und dem Vorstand der Raiffeisenbank Rosenstein in Heubach, Matthias Hillenbrand, hat er am Donnerstag das Jahresergebnis der Bezirksvereinigung vorgestellt.

Freilich ist Corona das Thema, das alles überlagert. Wie gehen die Banken damit um? „Wir sehen im Moment davon ab, Hände zu schütteln“, sagt Hornung.

Zinssenkungen helfen nicht während Corona-Krise

Mitgliederforen und Kundenveranstaltungen wurden abgesagt oder auf Herbst verschoben. Ebenso Schulungen und Fortbildungen sowie die für den 1. April geplante gemeinsame Lossprechungsfeier der Auszubildenden in den insgesamt sieben Banken der Bezirksvereinigung. Darüber hinaus ist Hygiene oberstes Gebot, wie die Bankvorstände sagen.

Weitere Zinssenkungen helfen nach ihrer Meinung nicht in der Coronakrise. Das schade nur den Genossenschaftsbanken und Sparkassen, den Kunden und der Volkswirtschaft insgesamt, betont Hillenbrand. Er wünscht sich, dass die Banken jetzt möglichst ohne neue regulatorische Maßnahmen Überbrückungskredite gewähren dürfen.

Was also hilft in der Krise? Für Kurt Abele sind jetzt vor allem politische Maßnahmen notwendig. Heißt: Unternehmen sollen leichter Kurzarbeitergeld beantragen und Steuerschulden stunden können. Abele spricht sich für ein staatliches Konjunkturprogramm aus. Man müsse gemeinschaftlich und solidarisch mit dem Thema Corona umgehen, sagt er.

Die Solidarität zählt zu den Werten der Genossenschaftsbanken. Ebenso wie die Nachhaltigkeit. Und die Regionalität. Dass diese Werte wieder mehr Beachtung finden – darin sehen die Bankvorstände jetzt in der Krise eine Chance.

Hillenbrand verweist auf den neuen Slogan der Genossenschaftsbanken: „Morgen kann kommen.“ Abele sieht im Optimismus und in der Zuversicht das „richtige Motto für schwierige Phasen“.

Baubranche boomt

Für solch schwierige Phasen scheinen die Volks- und Raiffeisenbanken der Ostalb gerüstet. Das betreute Kundenvolumen ist um acht Prozent auf 9,2 Milliarden Euro gestiegen, das betreute Kundenanlagevermögen um 8,1 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Die Sparneigung der Mitglieder und Kunden sei ungebrochen, heißt es – obwohl es fürs Sparen so gut wie keine Zinsen gibt.

Das betreute Kundenkreditvolumen ist ebenfalls gewachsen – um 7,7 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Die Vereinigung der sieben Volks- und Raiffeisenbanken hat im vergangenen Jahr rund 4000 Kredite neu vergeben – vor allem im Bereich Neu- und Umbau. Abele spricht von „tollen Wachstumsraten“ in der nach wie vor boomenden Baubranche.

3,25 Millionen Euro werden an Dividende ausgeschüttet. Das sind 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Hauptgrund: Der Zinsüberschuss ist wegen der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank um vier Prozent gesunken – auf rund 70 Millionen Euro. Der auf 33,6 Millionen Euro gestiegene Provisionsüberschuss konnte die Verluste nicht ausgleichen.

Unterm Strich steht ein Betriebsergebnis in Höhe von 32,6 Millionen Euro. Zehn Millionen Euro führen die Genossenschaftsbanken als Gewerbesteuer ab.

Weitere Kennzahlen der Bezirksvereinigung der sieben Volksbanken und Raiffeisenbanken Ostalb: 75 Filialen, 710 Mitarbeiter (62 Auszubildende), 113313 Mitglieder, 256 Millionen Euro Eigenkapitalquote und mehr als vier Milliarden Euro Bilanzsumme.

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