Xaver Lipp feiert seinen 85. Geburtstag

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 Die Anfänge einer Erfinderkarriere: Xaver Lipp (am Lenkrad) mit einem Mitarbeiter im Jahr 1959.
Die Anfänge einer Erfinderkarriere: Xaver Lipp (am Lenkrad) mit einem Mitarbeiter im Jahr 1959. (Foto: Archiv: Fa. Lipp)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Er ist ein begnadeter Tüftler und vielfach ausgezeichneter Erfinder: Xaver Lipp aus Tannhausen. Am Freitag, 5. Oktober, kann der Unternehmer seinen 85. Geburtstag feiern.

Lipp wurde am 5. Oktober 1933 in dem kleinen Tannhäuser Weiler Stillau als Sohn eines Flaschners geboren. Er arbeitete bereits in jungen Jahren in der Werkstatt des Vaters mit und erlernte nach seiner Schulausbildung den Beruf des Flaschners. Als junger Meister übernahm er im Alter von nur 25 Jahren die Werkstatt und legte damit den Grundstein für seine eigene Firma. Gemeinsam mit seiner Frau Irene baute Lipp den Betrieb, der anfangs Gebläse- und Lüftungsrohre produzierte, dann kontinuierlich aus – was ihm vor allem durch seine zahllosen innovativen technischen Ideen gelingt.

Spezialmaschine für Hochsilos konstruiert

Ohne Ingenieursstudium entwickelte Lipp neue Konstruktionen am Fließband. Unzählige Patente sind ihm seither erteilt worden. Seine erste erfolgreiche Erfindung war der sogenannte Dachrinnenboden. Über 30 Millionen Mal wurde das Produkt verkauft. Der umtriebige Tannhäuser Blechverformungsspezialist tüftelte unermüdlich weiter, konstruierte in der Folge unter anderem Wannenfüße für Öltanks, Ölwannen oder auch neuartige Lüftungsschächte und -rohre. Sein wohl größter Coup gelang Lipp Anfang der 70er Jahre, als er eine Spiral-Doppelfalzmaschine entwickelte zum Bau von Behältern und Tanks, vor allem von runden Hochsilos in der Landwirtschaft.

Bereits 1970 begann Lipp mit Biogas zu experimentieren. Von 1971 an wurden von Lipp die ersten 40 Anlagen mit liegendem Fermenter und zentralem Paddelrührwerk verkauft. Als viele Jahre später das Geschäft mit den Biogasanlagen in Deutschland zu boomen begann, hatte das Unternehmen Lipp bereits 20 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet.

Lipps Innovationskraft wird gewürdigt. 1982 bekommt er für seine bahnbrechenden Ideen die Rudolf-Diesel-Medaille verliehen, eine Auszeichnung, die tatsächlich nur die Besten im Land erhalten. Zu den Preisträgern zählen unter anderem Carl Benz, Gottlob Bauknecht und Artur Fischer.

Mitte der 90er Jahre übergibt Lipp die Leitung seines Unternehmens schließlich an seinen Sohn Roland – allerdings nur um mehr Zeit für seine eigentliche Leidenschaft, das Tüfteln, zu haben. Mit der Erfindung des zweilagigen Metallbandes gelingt Lipp nur wenige Jahre später ein Durchbruch in Form eines neuen Werkstoffs für den Behälterbau: Edelstahl kann mit Hilfe eines Verbindungsmaterials mit verzinktem Blech verbunden werden. Der benötigte Anteil an Edelstahl wird dadurch wesentlich verringert, die Kosten sinken. Für diese Erfindung bekommt Xaver Lipp mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Innovationspreis Ostwürttemberg im Jahr 2005.

Getüftelt wird im Haus am Ellwanger Marktplatz

Seit einigen Jahren beschäftigt sich Lipp intensiv mit seiner neusten Idee, geschweißte Lagertanks in einem automatisierten Verfahren vor Ort herzustellen. Dies stellt die innovative Weiterentwicklung des Doppelfalz-Systems dar. Auch hier ist Lipp erfolgreich und kann Patente anmelden.

Und auch als Unternehmer ist Lipp zwischenzeitlich wieder aktiv. Nachdem er sich 2016, fünf Jahre nach dem Unfalltod seines Sohnes Rolands, komplett aus seinem Tannhäuser Unternehmen zurückgezogen hat, gründete er gemeinsam mit seiner Tochter Karin Lipp-Mayer eine neue Firma in Heilbronn (Lipp & Mayer Technologie GmbH), in die er seither seine neuesten Erfindungen einbringt, an dener er in seinem Haus am Ellwanger Marktplatz tüftelt.

Seinen Geburtstag wird Lipp übrigens dazu nutzen, auch anderen eine Freude zu machen. Er wird für die anstehende Renovierung der kleinen Stillauer Kapelle 20 000 Euro spenden.

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