Wikimedia macht Station in Ellwangen

Lesedauer: 5 Min

15 Wikimedianer haben Ellwangen besucht. Museumsleiter Andreas Gut (links) führte sie durch das Alamannenmuseum. Ergebnis: 2019
15 Wikimedianer haben Ellwangen besucht. Museumsleiter Andreas Gut (links) führte sie durch das Alamannenmuseum. Ergebnis: 2019 wollen die Autoren wieder kommen. (Foto: Rapp-Neumann)
Schwäbische Zeitung
Petra Rapp-Neumann

Wikipedia ist eine der zehn beliebtesten Webseiten weltweit und die wohl umfangreichste gemeinschaftlich erstellte Sammlung freien Wissens in rund 300 Sprachen. Das „Wikiversum“ umfasst 16 Projekte. Wikimedia Deutschland, 2004 gegründet, unterstützt dieses Engagement im kulturellen Bereich. Aber wer steckt eigentlich dahinter, wer schreibt die Lexikonartikel, die jedem Nutzer kostenlos zur Verfügung stehen? Es sind freiwillige Autoren, die sich als digitale Ehrenamtliche verstehen. Mit Leidenschaft tragen sie in ihrer Freizeit Inhalte zusammen und bereiten sie neutral auf. 15 ehrenamtliche Wikimedia-Autoren haben am Wochenende im Rahmen einer Glam-on-Tour-Veranstaltung das Ellwanger Alamannenmuseum besucht. (Glam ist die englische Abkürzung für Gallery, Library, Archive und Museum). Museumsleiter Andreas Gut führte die Wikimedianer durch das Haus. Die waren vom Museum und der Stadt begeistert und möchten wiederkommen.

„Seit 2011 haben wir 25 Museen und kulturelle Einrichtungen besucht“, sagt Martin Rulsch im Gespräch mit der „Ipf- und Jagst-Zeitung“. Rulsch ist Projektmanager Digitales Ehrenamt bei Wikimedia Deutschland in Berlin. Der klassische Philologe mit dem vielsagenden Online-Pseudonym „DerHexer“ koordiniert die Glam-Seminare. Die Treffen dienen der stärkeren Vernetzung kultureller Einrichtungen mit aktiven Wikipedianern auf lokaler Ebene, bringen langfristige Kooperationen auf den Weg und machen Museen und Wikimedia-Projekte bekannter. Aus sorgfältig nachbereiteten Glam-Treffen sind Fachkongresse und Bücher wie „Wiki goes MEK“ entstanden. Das Berliner Museum Europäischer Kulturen besuchten Wikimedia-Ehrenamtliche 2017.

„Man spricht bei Wikipedia gerne von ‚Schwarm-Intelligenz‘“, so Rulsch. „In Wahrheit stagniert die Zahl aktiver Autoren oder geht sogar zurück. Im Bereich Altertum schreiben maximal 20 Aktive. In allen Bereichen sind es bundesweit rund 6000.“ Die Wikipedia-Community ist keine verschworene Gemeinschaft. Grundsätzlich kann jeder dafür schreiben und anderen sein Wissen vermitteln. Auch an der Mediensammlung Wikimedia Commons kann sich jeder beteiligen: „Doch wir haben einen Qualitätsanspruch“, erläutert Holger Plickert, Wikimedia-Projektmanager Kultur, Community, Bildung und Wissenschaft. Wer einen Beitrag veröffentlichen will, muss seine Kompetenz nachweisen. „Ein Mentorenprogramm und Workshops erleichtern Neulingen den Einstieg“, so Plickert. „Es ist schon vieles geschrieben worden, aber längst nicht alles. Und nicht alles so, dass wir damit zufrieden wären.“ Bei Glam-Treffen können Freiwillige ihr Wissen vertiefen: „Es geht bei Wikimedia nicht um eigene Forschung, sondern um Zusammenfassung von Inhalten“, erklärt „DerHexer.“ Das allerdings hat Suchtcharakter, wie Holger Plickert verrät: „Man hangelt sich immer weiter und vergisst darüber die Zeit.“

Gemeinsames Engagement für kulturelles Erbe

Wikimedia ist ein klassischer Verein und finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Betreiberin ist die Wikimedia Foundation mit Sitz in San Francisco. Es gibt über 40 Ländervertretungen. Gemeinsames Engagement für kulturelles Erbe im digitalen Raum ist die erklärte Devise. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, so Plickert. „Wir möchten 2019 gerne wieder nach Ellwangen kommen, einen Workshop veranstalten, Ellwanger Schulen besuchen und Wikimedia vorstellen. Denn hinter dem, was online zu lesen ist, stecken Menschen, die gepackt sind von dem, was sie tun. Und Feedback ist uns wichtig.“ Übrigens: auch Wikimedia-Autoren blättern hin und wieder gerne im altehrwürdigen Brockhaus.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen