Wenn das Handy zur Sucht wird

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 Vorsicht Sucht! Die Suchtexperten Nikolas Danzinger (links) von der Diakonie Aalen und Alexander Weller (rechts) von der Landes
Vorsicht Sucht! Die Suchtexperten Nikolas Danzinger (links) von der Diakonie Aalen und Alexander Weller (rechts) von der Landesmedienanstalt wollen die Jugend vor den digitalen Gefahren schützen. Die beiden Azubis durften ihre Smartphones behalten. (Foto: Oliver Bayer / AOK)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Der ständige Blick aufs Smartphone ist bei den meisten Jugendlichen Normalität. 88 Mal am Tag, sprich alle 18 Minuten schaut der Durchschnitts-Smartphonebesitzer auf sein Gerät, sagt eine Studie der Universität Bonn. Dass ein solches Verhalten auf Dauer nicht gesund sein kann, ist auch den jungen Menschen klar, die zum Feuerwehrhaus in Ellwangen gekommen sind. Dorthin hatte sich das Unternehmensnetzwerk Bündnis Gesundheit Ellwangen zum Workshop „Gefahren und Umgang mit digitalen Medien“ eingeladen.

Über zwei Tage verteilt wurden mehr als 200 Azubis von den Suchtexperten der Diakonie Aalen und der Landesmedienanstalt unterrichtet.

Die ständige Ablenkung geht einher mit geringe Konzentrationsbereitschaft und einer sinkenden Aufmerksamkeitsspanne, sagt Anja Mäurer, Koordinatorin bei der AOK Ostwürttemberg für betriebliches Gesundheitsmanagement. Der Workshop solle das Bewusstsein schärfen. „Der Umgang mit den digitalen Medien wird in den Familien noch viel zu selten diskutiert“, sagt Referent Nicolas Danzinger von der Diakonie Ostalb. Er will die Auszubildenden zum Nachdenken bringen: Was wäre eine normale Mediennutzung und ab wann ist es Sucht? Nach jüngsten Studien sind in Deutschland rund 10 bis 13 Prozent der Bevölkerung gefährdet, internetsüchtig zu werden. Zirka drei Prozent sind es schon.

Es ist wie bei einem Alkoholiker auf Entzug

Nicolas Danzinger, Referent

„Wenn jemand schlechte Laune bekommt, wenn der Zugriff auf das Internet gestört ist, zeigt erste Entzugserscheinungen“, sagt Danzinger. Auch Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen oder Schweißausbrüche seien Signale für eine Sucht. „Es ist wie bei einem Alkoholiker auf Entzug.“

In dem Workshop ging es auch um Möglichkeiten, wie man sich gegen Daten- und Identitätsklau schützten kann. „Der durchschnittliche Nutzer ist bei 50 Diensten angemeldet. So gesehen, bräuchte man auch 50 unterschiedliche Passwörter“, erklärte Alexander Weller, Medienpädagoge beim Landesmedienzentrum. Da man sich keine 50 verschiedneen Passwörter merken kann, sollte man auf sogenannte Passwort-Tresor-Software zurückgreifen. Hier werden alle Passwörter hinterlegt und können genutzt werden. Man braucht nur noch ein Passwort für den Tresor.

Die Workshops wurde von Anja Mäurer gemeinsam mit der Suchtberatungsstelle des Landratsamtes organisiert, die Stadt Ellwangen stellte die zur Verfügung und die AOK Ostwürttemberg übernahm die Kosten für die Referenten.

Tipps für mehr Internetsicherheit

  • E-Mail-Konto doppelt absichern. Nach Eingabe des Passworts schickt der E-Mail-Anbieter eine SMS mit einem Zufallscode auf das Handy.
  • Passwort-Safe-Software nutzen, um verschiedene Passwörter nutzen zu können, ohne diese sich merken zu müssen.
  • Bei Sicherheitsfragen, um das Passwort zurücksetzen, falsche Angaben machen, also bei der Frage „Wie hieß dein erstes Haustier?“ kein Tier nennen, sondern am besten Zufallscodes angeben.
  • Zehn-Minuten-Mails-Dienste nutzen, wenn eine E-Mail-Eingabe verlangt wird, aber man seine eigene nicht angeben möchte und danach keine weiteren Nachrichten kommen sollen.
  • Aktueller Virenschutz auf allen Geräten, mit denen man online ist.
  • Keine Links oder Anhänge in Mails anklicken oder öffnen, wenn der Adressat unbekannt ist oder man keine Nachricht von dem Adressaten verlangt.
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