Wende im Prozess gegen mutmaßliche Dealer bahnt sich an

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 Einer der Angeklagten hat sein Schweigen gebrochen.
Einer der Angeklagten hat sein Schweigen gebrochen. (Foto: Arne Dedert)
Petra Rapp-Neumann

Die Erste Große Strafkammer des Ellwanger Landgerichts verhandelt zurzeit gegen fünf mutmaßliche Drogendealer, die zwischen Aalen und Nürtingen ihr Unwesen trieben und am 6. Februar verhaftet wurden. Bisher gestaltete sich die Beweisaufnahme zäh, zumal die Angeklagten, vier Männer und eine Frau, hartnäckig schwiegen. Einer der beiden Hauptangeklagten hat sein Schweigen jetzt gebrochen. Das bringt Bewegung in den Prozess und beschleunigt womöglich die Urteilsfindung der Kammer. Bisher wurde ein Urteil erst Anfang Dezember erwartet.

Im Anschluss an den letzten Prozesstag hatte der Vorsitzende Richter Gerhard Ilg den Verteidigern gestattet, sich im Beisein der Dolmetscher mit ihren Mandanten zu besprechen. Wie Ilg bei der Fortsetzung der Verhandlung am Montag bekanntgab, brach einer der beiden Hauptangeklagten daraufhin sein Schweigen. Seit 25. September liegt der Kammer das rund 35 Seiten umfassende Geständnis des 36-Jährigen vor: „Mein Mandant ist vom Saulus zum Paulus geworden und wird voll umfänglich kooperieren“, sagte sein Verteidiger, der Stuttgarter Rechtsanwalt Jörg Ahrens. Das werde sich, so Ilg, auf die Strafzumessung auswirken, wenn auch nicht mit dem gleichen Gewicht wie ein Geständnis zu einem früheren Zeitpunkt.

Dealer als Konkurrenten

Das Geständnis belastet vor allem den 45-jährigen Angeklagten, der als einer der Haupträdelsführer gilt. Er habe, so die Behauptung seines Landsmanns, in Aalen mit Marihuana und Kokain gehandelt und sei Mieter der „Bunkerwohnung“ gewesen, in der ein Rauschgiftvorrat gelagert wurde. Dann habe ihm ein Dritter den Drogenhandel „verboten“ und ihm „den Hahn zugedreht.“ Wie Staatsanwalt Jens Weise erklärte, ist dieser Dritte aufgrund dieser Aussage am Sonntag verhaftet worden. Gegen ihn wird gesondert verhandelt. Wegen des „Verbots“ habe die mitangeklagte 31-jährige Frau den 45-Jährigen mit einem weiteren Landsmann bekanntgemacht. Sie seien Partner im Drogengeschäft geworden, das die unheilvolle Gang spätestens seit November 2017 bandenmäßig betrieben haben soll.

„Die Verteidiger müssen Gelegenheit zur Rücksprache mit ihren Mandanten haben, bevor sie dazu Stellung nehmen“, so der Stuttgarter Anwalt Hans-Christian Arnsperger. Für seinen Mandanten, der Kurierfahrer der Bande gewesen sein soll, kündigte er eine Erklärung an. Die Kammer entsprach dem Wunsch der Verteidiger und vertagte sich auf Freitag, 12. Oktober. Dann wird sich weisen, was das Geständnis wert ist und ob es kritischer Überprüfung standhält.

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