Von B-Boying bis Experimental

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Breakdance ist wohl selbst Tanzmuffeln ein Begriff. Doch die anderen Stil im Urban Dance sind meist nur Tänzern bekannt, dabei w
Breakdance ist wohl selbst Tanzmuffeln ein Begriff. Doch die anderen Stil im Urban Dance sind meist nur Tänzern bekannt, dabei wird Urban Dance immer beliebter. (Foto: Jacqueline Traub)

Roman Proskurin spricht über die Anfänge des Breakdance, als hätte er in den 70er Jahren selbst auf den Block Partys in den Ghettos von New York getanzt. Dabei war der 31-Jährige damals noch nicht einmal geboren. Seine Tanzgruppe Keraamika hat den Urban Dance auf der Ostalb salonfähig gemacht. Beim Tanzwettbewerb The Guardians am 24. September messen sich Talente aus der Region und Dance Crews aus ganz Europa in Ellwangen. Doch was weiß der durchschnittliche Bewohner auf der Ost-alb schon über Urban Dance? Ganz zu schweigen von den unterschiedlichen Stilen im Urban Dance. Wenig, da ist sich Roman Proskurin sicher.

Breakdance, das ist den meisten Menschen wohl noch ein Begriff, aber bei Popping, Locking oder Housing ist dann auch schon Schluss. Roman Proskurin findet, es ist Zeit, das zu ändern. Schließlich wird Urban Dance vor allem bei jungen Menschen immer beliebter. „Zum Ballett sagt ja auch niemand, dass ist doch die Sportart, bei der man seine Füße streckt“, gibt Proskurin zu bedenken.

Athletische Höchstleistung

Tänzer, die sich drehen wie Kreisel, den Kopf auf dem Boden, die Beine in der Luft: Allein schon vom Zuschauen bekommt man beim Breakdance Schweißausbrüche. „Das fordert auf jeden Fall akrobatische Höchstleistung von den Tänzern“, sagt Proskurin, „wer ein guter Breaker werden will, muss locker zwei Stunden am Tag trainieren.“ Breakdance – in der Szene B-Boying genannt – entstand in den 70er Jahren in den Ghettos von New York und bildet die Grundlage für viele andere Tanzarten.

„Die Afroamerikaner und Latinos hatten damals sehr wenige Rechte. Das B-Boying war ihre Art, sich gegen diese Unterdrückung aufzulehnen“, erklärt Proskurin. Außerdem war der Tanz vor allem für die Jugend oft die einzige Alternative zur Kriminalität der Straßengangs. Weil die Afroamerikaner nicht in die Tanzclubs kamen, entwickelte sich eine Kultur der Block Partys – Feste in den Straßenvierteln, die meistens draußen gefeiert wurden. Die heute gängigen Battles, bei denen Breakdancer gegeneinander antreten, kamen erst später auf.

Zeitgleich zum B-Boying entwickeln sich auf der anderen Seite der USA in Los Angeles und San Francisco die Funk-Styles Locking und Popping. Kurze, impulsive Bewegungen lassen den Tänzer beim Popping mechanisch erscheinen, fast wie einen ferngesteuerten Roboter. Berühmt wurde der Tanzstil durch Michael Jacksons Moonwalk. „Im Gegensatz dazu enthält Locking viele Comic-Elemente“, sagt Proskurin. Es wird wie wild gestikuliert, die Bewegungen sind ausladend und übertrieben.

Housing entsteht

Als sich die Tanzszene der Afroamerikaner in den späten 80er Jahren von der Straße immer mehr in die Clubs verlagerte, entstanden zwangsläufig auch andere Tanzstile. Denn Breakdance war in den Diskotheken verboten. „Du wurdest sofort rausgeschmissen, das war viel zu aggressiv“, erklärt Proskurin. House Dance entsteht. Weil in den Clubs wenig Platz ist, konzentrieren sich die Bewegungen zunächst auf den Oberkörper, charakteristisch sind auch schnelle, komplexe Fußbewegungen.

Experimental ist wohl die modernste Form im Urban Dance. Wie der Name schon verrät, hat der Künstler dabei viel gestalterische Freiheit. „Die Inspiration ist immer etwas sehr Authentisches, Alltägliches“, so Proskurin, „Experimental ist auch kein Hip Hop mehr, im Prinzip kann hier jeder Stil interpretiert werden.“

Sein Wissen über die Geschichte der Hip-Hop-Kultur und über die Tanzrichtungen hat sich Proskurin in Workshops auf der ganzen Welt angeeignet. Jetzt gibt er es in der Tanzschule von Keraamika „House of Dance“ in Aalen weiter. Letztendlich verbinde aber alle Stile ein ganz entscheidender Punkt: „Tanzen bricht Barrieren und lässt dich selbstbewusster werden.“ Diese Erfahrung macht Proskurin immer wieder.

Wie die unterschiedlichen Stile getanzt werden, zeigt Roman Proskurin im Video auf www.schwaebische.de/UrbanDance. Vom 7. bis 11. September bietet Keraamika ein kostenloses Ferienprogramm mit Tanzkursen an, bei dem Anfänger und Fortgeschrittene mitmachen können. Informationen gibt es unter www.keraamika.de

Karten für den Urban Dance Wettbewerb The Guardians am 24. September im Schafstall in Ellwangen gibt es in der Tourist-Info im Rathaus und unter reservix.de

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