Vom Vorwurf des Computerbetrugs freigesprochen

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Vor dem Amtsgericht Ellwangen ist eine 19-Jährige vom Vorwurf des Computerbetrugs freigesprochen worden. Der Geschädigte, gleic
Vor dem Amtsgericht Ellwangen ist eine 19-Jährige vom Vorwurf des Computerbetrugs freigesprochen worden. Der Geschädigte, gleichzeitig, Ex-Freund der Angeklagten, verwickelte sich so sehr in Widersprüche, dass selbst er Staatsanwalt am Ende Freispruc (Foto: Archiv: dpa)
Josef Schneider

Im Zweifel für die Angeklagte: Jugendrichter Malte Becker vom Amtsgericht Ellwangen hat am Montag eine 19-jährige Frau aus dem Altkreis Aalen vom Vorwurf des Computerbetrugs freigesprochen. Einer der beiden Zeugen, der ehemalige Lebensgefährte der jungen Frau und zugleich der Geschädigte, hat sich sich vor Gericht derart in Widersprüche verstrickt, dass dem Richter nichts anderes übrig blieb, als die Angeklagte freizusprechen.

Der Angeklagten waren zwölf Fälle des Computerbetrugs zur Last gelegt worden. Die 19-Jährige soll von 9. September bis 7. November 2017 mit der EC-Karte ihres damaligen Lebensgefährten bei Bankautomaten in Aalen, Ellwangen und Jagstzell für eigene Zwecke insgesamt 1270,10 Euro abgehoben haben. Der niedrigste Einzelbetrag war 20 Euro, der höchste 500 Euro.

Sie habe damals bei ihrem ehemaligen Freund gewohnt, sagte die junge Frau aus, und dieser sei bei jeder Geldabhebung dabei gewesen: „Er wusste über jeden Geldbetrag Bescheid.“ Seit ihrem Auszug am 7. Dezember 2017 habe sie keinen Kontakt mehr zu ihrem damaligen Lebensgefährten. Die Anzeige bei der Polizei erfolgte erst vier Monate nach den Taten.

Dass seine EC-Karte fehle, habe er erst beim Einkaufen wahrgenommen, sagte der junge Mann aus. Dann habe er sich einen Kontoauszug geholt und gemerkt, dass Geld abgehoben worden sei. Zu den Zeiten der Abhebung habe er gar nicht an den Schaltern sein können, so der 20-Jährige: „Ich war im Betrieb.“ Er habe die Karte schließlich sperren lassen und bei der Bank eine neue beantragt. Bei einem Gespräch unter vier Augen habe seine Ex-Freundin die Taten eingeräumt und bedauert.

Richter Malte Becker warf dem Zeugen vor, bei seiner polizeilichen Vernehmung etwas anderes als im Gerichtssaal gesagt zu haben: „Das passt nicht so ganz zusammen. Das kommt alles nicht so richtig hin.“ Er lüge nicht und habe nichts zu verbergen, erklärte der Zeuge. Er habe deshalb erst so spät Anzeige erstattet, weil man die Angelegenheit zuerst ohne Polizei habe regeln wollen: „Unsere Anwältin hat uns so beraten.“ Mit seiner Ex-Freundin habe er Schluss gemacht, nachdem er den Verlust des Geldes bemerkt habe: „Ist ja logisch, wenn man beklaut wird.“

Zwei der angeklagten Taten fielen weg, weil der Zeuge einräumte, in diesen Fällen selber tätig gewesen zu sein. In einer zehnminütigen Sitzungspause erkundigte sich der Richter bei der Bank nach der erfolgten Sperrung der EC-Karte. Die Antwort: Sie wurde erst am 13. November 2017 gesperrt. Die Karte habe immer mal wieder gefehlt, entgegnete der Zeuge. „Sie reden sich hier um Kopf und Kragen“, sagte Richter Becker mit Blick auf eine eventuelle Falschaussage: „Ich finde das alles ein bisschen verwirrend. Welche Variante sollen wir glauben?“

Da die Anzeige so spät erfolgt sei, seien die Videoaufzeichnungen an den Bankautomaten als Beweismittel nicht mehr vorhanden, erklärte Erster Staatsanwalt Jürgen Herrmann. Denn die seien inzwischen gelöscht. Herrmann forderte Freispruch, allerdings nicht, weil er die Angeklagte für unschuldig hielt. Bei der Vernehmung ihres Ex-Freundes habe sie sogar geschmunzelt, sagte er. Doch die Erinnerungen des Zeugen seien eher bruchstückhaft und lückenhaft. Und: „Er hat des Öfteren seine Aussagen geändert.“ Bei dem 20-Jährigen vermutete er „enttäuschte Liebe“. Das Gericht folgte dem Antrag des Staatsanwaltes und sprach die Angeklagte frei.

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