Virtuos, feinfühlig und faszinierend

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Konzertgitarrist Lothar Theissmann spielte spanische Musik.
Konzertgitarrist Lothar Theissmann spielte spanische Musik. (Foto: Rapp-Neumann)
Schwäbische Zeitung
Petra Rapp-Neumann

In der Reihe „Jumping Fingers“ hat Lothar Theissmann ein inspirierendes Konzert der leisen, transparenten Töne gegeben. In seinem Programm „Faszination Gitarre“ wob er mit Werken von der Renaissance bis in unsere Tage ein hauchzartes Gespinst subtiler Nuancen und emotionaler Tiefe. Für den Musiker und Musiklehrer aus Oberursel bei Frankfurt war es zugleich eine Art Abschied. Im Palais Adelmann stellte er das anspruchsvolle Programm zum letzten Mal vor.

So dezent sein Auftreten ist, so verinnerlicht ist seine Musik im konzentrierten Dialog mit dem Instrument. Lothar Theissmann ist ein Meister hauchzarter impressionistischer und wohltuend harmonischer Klänge ohne jegliche Effekthascherei. Behutsam lotete er die Feinheiten der „Intavolatura de la Cancion“ des Vihuela-Spielers Luys de Narvaez aus. Die Vihuela ist eine Kastenhalslaute, die im 16. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte. Auch der Katalane Luis de Milán spielte sie. Theissmann stellte sechs der 44 Fantasien von Milán vor, eine delikater und raffinierter als die andere, „aus dem Morgengrauen der Mehrstimmigkeit“, wie er sagte.

Lebhafter, aber nicht übermütig wurde es mit „La Folia“ von Gaspar Sanz, einem melodischen Satzmodell, das Theissmann um exquisite eigene Variationen ergänzte. Zum Hochgenuss machten Theissmanns „springende Finger“ die Granadina „Morente“ von Vicente Amigo im Stil des traditionellen Flamencos. Mit seiner eigenen Komposition „Road to Yecla“ entführte er die Zuhörer in die weiten, von sengender Hitze ausgedörrten Ebenen Spaniens. Der sogenannte Generalife an den Hängen des Cerro del Sol war der Sommerpalast der Sultane von Granada. Ihm setzte Joaquín Rodrigo, der Komponist des berühmten „Concierto de Aranjuez“, mit „Junto al Generalife“ ein klangvolles Denkmal, dessen Eleganz der Musiker meditativ nachspürte.

Von klassischer Schönheit ist „Asturias“ aus der „Suite Espanol“, einer Hommage von Isaac Albéniz an Regionen und Städte seiner spanischen Heimat. Wunderbar und in handwerklicher Perfektion trotz eines lädierten Daumens entwickelte Lothar Theissmann den Klangreichtum und die diffizilen Facetten des Allegros g-Moll, das teilweise an eine Toccata erinnert. Cancion y Danza von Antonio Ruiz-Pipó und die Zugabe, das Largo aus Bachs Violinsonate C-Dur, vollendeten einen außergewöhnlichen Konzertabend.

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