Vier Frauen wollen die Stadt verbessern

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 Frauen, die für den Ellwanger Gemeinderat kandidieren, haben sich bei einer Podiumsdiskussion in Sankt Loreto vorgestellt. Von
Frauen, die für den Ellwanger Gemeinderat kandidieren, haben sich bei einer Podiumsdiskussion in Sankt Loreto vorgestellt. Von links: Ariane Bergerhoff (SPD), Ann-Marie Schöppner (Freie Bürger), Moderatorin Utta Hahn, Bettina Vierkorn-Mack (CDU) und Claudia Wagner (Grüne). (Foto: Halbig)
Dorothea Halbig

Vier Frauen, die in den Gemeinderat wollen, haben sich und ihre Pläne im Institut Sankt Loreto vorgestellt. Zu Gast waren Ariane Bergerhoff (SPD), Ann-Marie Schöppner (Freie Wähler), Bettina Vierkorn-Mack (CDU) und Claudia Wagner (Grüne). Utta Hahn, Seelsorgerin in der Landpastoral Schönenberg, moderierte den Abend.

In einem Punkt waren sich die Politikerinnen einig: Es müssen mehr Frauen in die Politik. Nur sechs der 35 Mitglieder im Ellwanger Gemeinderat sind Frauen. Politik sei immer noch männlich konnotiert, sagte Bergerhoff. Frauen wollten schneller Ziele erreichen und streben ein effektiveres Arbeiten an. Vierkorn-Mack setzt sich für eine stärkere Aufteilung der Familienarbeit ein. Außerdem müsse die ärztliche Versorgung gewährleistet sein und die Pflege ausgebaut werden. Die Virngrund-Klinik müsse unbedingt bleiben. Während Schöppner gegen eine Quote plädierte, war Wagner dafür. Man dürfe sich nichts vormachen, die Männer würden die Plätze nicht freiwillig frei machen.

Ein weiteres Thema waren die Jugendlichen. Der Jugendrat sei eine gute Einrichtung, um zu hören, welche Bedürfnisse Jugendliche haben, fand Vierkorn-Mack. Im Jugendrat sind die Mädchen übrigens sogar knapp in der Überzahl. Bergerhoff möchte einen Kinder- und Jugendgipfel, bei dem Mitglieder aus dem Gemeinderat Patenschaften für Projekte übernehmen. Schöppner rief die Jugendlichen auf, selbst Ideen zu entwickeln und verwies auf das Luftschloss-Festival. Der Jugendrat solle ein Budget bekommen. Wagner ermutigte die Jugend, am Ball zu bleiben. Mit langem Atem lasse sich oft ein Wunschprojekt verwirklichen.

Was soll besser werden? Schöppner will beim Verkehr ansetzen. Die Radwege seien nicht gut ausgebaut. Der Stadtbus solle gratis sein und alle Teilorte mit attraktiver Taktung anfahren. Das belebe die Innenstadt und helfe dem Einzelhandel. Die Kandidatin der Freien Bürger will sich zudem für den Ausbau bezahlbaren Wohnraums einsetzen. Im Kasernengelände könnte ein Mehrgenerationen-Wohnviertel entstehen.

Kindergartenplätze sind ein heißes Eisen

Natürlich wäre ein kostenloser Stadtbus schön, sagte Vierkorn-Mack. Nur müsse dieser bezahlt werden. Ihre wichtigsten Anliegen sind die Verbesserung der Pflegesituation, die Landesgartenschau, die nachhaltig an die Innenstadt angeschlossen werden soll, und fehlende Kitaplätze. Diese müssten mit Rücksicht auf die Eltern und ihre Arbeitszeiten individuell gestaltet werden können.

Ariane Bergerhoff möchte eine moderne und gerechte Familienpolitik. Sie forderte die Wohnungsbaugenossenschaft auf, sich auch dem Bedarf an Kindergärten anzunehmen. Außerdem setzt sie sich für kostenlose Kindergartenplätze ein und fordert trotzdem eine anständige Bezahlung für Erzieherinnen. Den Familienpass würde sie gerne umstrukturieren und an das Einkommen statt die Kinderzahl knüpfen.

Claudia Wagner setzt sich für ein interkommunales Gewerbegebiet ein, um den Ausbau des Industriegebiets anzuhalten. Auch sie sieht in der Landesgartenschau trotz hoher Verschuldung einen Mehrwert für alle. Deshalb sollten sich möglichst viele Ellwanger an den Arbeitsgruppen beteiligen. Außerdem möchte die Gemeinderätin der Grünen den fairen Handel vorantreiben.

Weitere Ideen wurden im Dialog mit dem Publikum angesprochen. Leer stehende Läden könnten für Pop-Up-Geschäfte genutzt werden, schlug Schöppner vor. Claudia Wagner möchte den Marktplatz autofrei gestalten und fände eine Art Markthalle schön, die zusätzlich zum Markt täglich frische und regionale Lebensmittel anbietet. Bergerhoff sähe gern einen Unverpackt-Laden.

Sabine Heidrich, die als Oberbürgermeisterin kandidiert, wurde spontan gebeten, sich auch kurz vorzustellen. Sie wolle alle Gruppierungen einbinden, für junge Leute mehr Alternativen und Impulse bieten und sähe auch gerne eine Hochschule in Ellwangen. Diese würde das Stadtbild beleben und verjüngen, Fachkräfte hervorbringen und den Einzelhandel ankurbeln.

Vorbereitet hatten die Diskussion die angehenden Erzieherinnen und Erzieher des Instituts. Auf Plakaten hatten sie die Ergebnisse einer Passantenbefragung zusammengefasst. Danach sollte die Stadt attraktiver gestaltet, mehr Räume für Jugendliche geschaffen werden und ein vielfältigerer Einzelhandel entstehen.

Begrüßt hatten Dorothee Irion-Ulmer, Vorsitzende des Vereins Frauen helfen Frauen, und Angelika Kessler, Leiterin des Instituts.

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