Viele Störche kommen aus Mittelfranken und Baden

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Helmut Vaas kümmert sich beim Nabu Ellwangen um die Weißstorchbetreuung.
Helmut Vaas kümmert sich beim Nabu Ellwangen um die Weißstorchbetreuung. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung

In der Vergangenheit waren Störche auf der Ostalb eine Seltenheit. Mittlerweile sieht man die Vögel wieder öfter. Helmut Vaas, beim Nabu Ellwangen für die Weißstorchbetreuung zuständig, betreut aktuell sieben Weißstorch-Horste in Ostwürttemberg, zwei davon im Ellwanger Raum. Mittlerweile finden die Tiere immer häufiger ein Zuhause in der Region, vor allem durch von Menschenhand installierte Nisthilfen. Woher dieser verstärkte Zuzug kommt und wie die Bedingungen für die Störche, deren Brut und die Nahrungssuche in der Region sind, darüber hat unser Redaktionsmitglied Michael Häußler mit Helmut Vaas gesprochen.

Herr Vaas, wie viele Störche gibt es zurzeit in der Gegend?

Schwer zu sagen. Zurzeit ist eine größere Anzahl von jungen Nichtbrütern unterwegs, die man zahlenmäßig nur schwer erfassen kann. Man sieht es daran, dass sich im Ellwanger Nest in den letzten Wochen eine ganze Reihe von verschiedenen beringten Störchen aufgehalten haben. Im Raum Ellwangen haben wir zwei Nester, eines auf der Gewässerdirektion in Ellwangen und eines in Schwabsberg auf dem alten Schulhaus. Bei diesem Paar läuft gerade die Endphase der Brut. In Ellwangen sieht es anders aus. Da wurde kurz vor dem Schlüpfen offensichtlich das Nest durch Fremdstörche angegriffen und wahrscheinlich das Gelege zerstört. Das Weibchen ist seitdem verschwunden. Drei andere Paare, die sich danach gerne angesiedelt hätten, hat das Ellwanger Männchen mit Sturzflügen verjagt. Der verteidigt seinen Horst gnadenlos. Im Moment geht es da ziemlich rund, weil viele Nichtbrüter unterwegs sind, die immer wieder die bestehenden Nester angreifen. Die Brutstörche können die Angreifer meistens abwehren. Aber es klappt eben nicht immer, deshalb gibt es dieses Jahr in Ellwangen auch keinen Nachwuchs.

Woher kommen die Tiere?

Ganz unterschiedlich. In Schwabsberg weiß ich es nicht. Das sind unberingte Tiere. Viele Störche, die bei uns auftauchen, kommen aber aus Mittelfranken. Die Population wächst sozusagen zu uns rüber. Das Ellwanger Männchen wurde 2012 in Oettingen bei Nördlingen beringt.

Wie sind die Bedingungen auf der Ostalb. Finden die Tiere hier genügend Nahrung?

Die Population in Baden-Württemberg ist buchstäblich explodiert. Die Ursachen sind unter anderem Nachzucht und Zuwanderungen aus dem Elsass und der Schweiz. Die Störche bei uns kommen vorwiegend aus Mittelfranken, aber teilweise auch aus Baden zu uns. Die große Frage ist, ob sie in unserer Gegend wirklich genügend Nahrung finden, um sich dauerhaft anzusiedeln. Unsere Landwirtschaft hat die feuchten Wiesen ja längst trocken gelegt, Amphibien sind selten geworden und der Storch muss sich vorwiegend von Mäusen und Regenwürmern ernähren. Ein wichtiger Nahrungsbestandteil sind zudem Insekten, aber die werden ja auch immer seltener. Das Nahrungsangebot ist immer auch sehr von der Witterung abhängig. Wirklich optimal sind die Bedingungen bei uns sicherlich nicht.

Zurzeit brüten ja einige Störche. Wie bewerten Sie da die Erfolgsaussichten?

Das kann man schwer voraussagen. Bis jetzt sieht es in Schwabsberg noch ganz gut aus. In Ellwangen haben wir dagegen den Totalausfall. Im vergangenen Jahr war es fast ein wenig grausam. In den meisten Nestern war nur noch ein Junges, obwohl bis zu fünf ausgebrütet wurden. Das lag daran, dass es bis in den Juni kalt und nass war. Bei dem Wetter gab es zu wenig Nahrung. Die Störche legen fast immer mehr Eier, als sie Küken aufziehen können. Das ist eine Überlebensstrategie. Die Anzahl wird von ihnen immer dem Nahrungsangebot angepasst. Wie viele Jungstörche sie in unserer Region aufziehen können ist allein vom Nahrungsangebot abhängig. Unter optimalen Bedingungen, wenn Wetter und Nahrungsangebot stimmen, können durchaus auch einmal vier Jungstörche zum Ausfliegen kommen. Leider greifen manche der allein umherziehenden Jungstörche die Nester an. Da kann es vorkommen, dass das Gelege zerstört wird oder auch bereits geschlüpfte Küken dabei umkommen.

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