Vermisstes Mädchen: Polizei äußert sich

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Symbolbild (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
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Redakteurin Ellwangen/stellv. Redaktionsleitung

„Vermisst in Ellwangen – Laura B.“, so lautet der Titel einer Facebook-Seite, die seit Donnerstag im Netz existiert. Ihr Cousin hat die Seite angelegt, nachdem die 15-Jährige verschwunden war. Die Eltern sind verzweifelt und machen sich große Sorgen.

Um 6.40 Uhr hat Laura am Donnerstag das Haus verlassen. In der Schule kam sie aber nie an. Ihr Rucksack wurde schließlich am Bahnhof Ellwangen gefunden. Laura trug bei ihrem Verschwinden eine rot-schwarz karierte Bluse, braune Stiefeletten mit Absatz. Sie ist 1,78 Meter groß und hat braune Haare. „Laura ist 15 Jahre alt, wirkt aber älter“, schreibt ihr Cousin. Fotos zeigen ein hübschen Mädchen mit halblangen Haaren.

Inzwischen ist die Vermissten-Meldung auf Facebook schon rund 1800 geteilt worden: In Gmünd, Ravensburg, Bad Urach, Reutlingen, sogar in Schleswig-Holstein bewegt die Geschichte des verschwundenen Mädchens die Menschen. Viele hoffen, dass sie bald gesund wieder zurückkommt.

Weniger begeistert von der öffentlichen Suche ist der Sprecher der Polizeidirektion Aalen, Bernhard Kohn: „Wir wären beim jetzigen Stand der Dinge nicht an die Öffentlichkeit gegangen.“ Die Polizei hat inzwischen mit der Familie, mit Freunden und Schulkameraden gesprochen. Sie sammelt Erkenntnisse, überprüft Informationen und sucht an den Orten, wo das Mädchen sein könnte. Und sie hat die Beschreibung der 15-Jährigen ins Suchnetz der Polizei eingegeben.

„Die öffentliche Fahndung setzt man obendrauf, wenn alles andere nicht zum Erfolg führt“, sagt Kohn. Oder wenn es Anzeichen gibt, Gesundheit oder gar das Leben der verschwundenen Person könnten in Gefahr sein. Solche Anzeichen gebe es in diesem Fall nicht.

400 bis 600 Vermisstenfälle bearbeitet die Polizei im Ostalbkreis jedes Jahr. Darunter sind Jugendliche, die aus Heimen weggelaufen sind, altersverwirrte Senioren, Menschen, die mit Selbstmord drohen. Die allermeisten tauchen innerhalb kürzester Zeit unversehrt wieder auf. Zwei, drei Vermisstenfälle pro Jahr blieben ungeklärt, sagt Kohn und erinnert an einen Mann aus Dewangen, der seit den 60er Jahren vermisst wird und von dem man nie wieder gehört hat. Doch die Regel ist das nicht.

Nicht nur, weil sich die allermeisten Vermisstenfälle über die ganz normale Polizeiarbeit mit Befragungen und gezieltem Suchen aufklären lassen, gehen die Beamten vorsichtig mit öffentlichen Aufrufen um. Es geht ihnen auch um den Persönlichkeitsschutz: „Der Vermisste erleidet den Verlust seiner Privatsphäre“, sagt Kohn: „Das sind Dinge, die wir sehr eng sehen.“ Die Öffentlichkeit ist deshalb nie der erste Schritt. Erst, wenn sich Hinweise auf eine Gefährdung ergäben, werde neu bewertet. „Man muss schauen, ob das was bringt“, sagt Kohn. Da müsse man jeden Fall individuell bewerten. Im Fall von Laura B. hat sich die Polizei dagegen entschieden, um das Mädchen zu schützen.

Hinweise zu der Vermissten an Polizei Ellwangen, Telefon 07961/9300.

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