Vergewaltiger muss für drei Jahre ins Gefängnis

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 Ein 41-jähriger Mann muss für drei Jahre ins Gefängnis.
Ein 41-jähriger Mann muss für drei Jahre ins Gefängnis. (Foto: Peter Steffen)

Es ist keine leichte Entscheidung gewesen, die das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Ellwangen am Montagnachmittag zu treffen hatte. Das Gericht war als Jugendschutzgericht zuständig für eine Straftat, die der 41-jährige Angeklagte an einer 15-Jährigen verübt haben soll. Es ging um eine mutmaßliche Vergewaltigung am 12. August 2018 in einem Betrieb im Altkreis Aalen. Am Ende fand nicht einmal Verteidiger Joachim Ebert überzeugende Argumente für die Unschuld seines Mandanten. Das Gericht sah den Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt.

Der Angeklagte soll die 15-Jährige, die in dem Betrieb ausgeholfen hat, an Kopf und Nacken festgehalten, sie geküsst und zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. So sei es nicht gewesen, erklärte der vierfache Familienvater. Die Initiative sei vielmehr von ihr ausgegangen: „Ich möchte dich anfassen“, habe sie gesagt und ihm in den Schritt gefasst. Zunächst sei er perplex gewesen, habe sich dann aber hinreißen lassen. „Es ging alles so schnell“, so der Angeklagte. „Ich war total erregt. Als mir klar wurde, dass es falsch ist, habe ich ihr gesagt, sie solle aufhören, was sie dann auch tat.“

Einfühlsam von Jugendrichter Malte Becker befragt, schilderte die 15-Jährige den sexuellen Übergriff ganz anders: „Er legte seine Hand in meinen Nacken und hat mich geführt.“ Sie habe sich geschämt und zuerst ihrem Freund davon erzählt: „Sie hat stundenlang geweint“, sagte er. „Ich habe ihr alles aus der Nase ziehen müssen.“ Ihre Beziehung habe sich seitdem nicht verändert, aber seine Freundin sei ängstlicher als zuvor. Das bestätigte die Mutter des Mädchens, die ebenfalls in dem Betrieb arbeitet. Ihr sei zunächst nichts Ungewöhnliches an ihrer Tochter aufgefallen. Sie habe allerdings „wie ferngesteuert“ gewirkt und sofort nach der Arbeit geduscht. Vom Angeklagten habe man sich öfter sexuelle Anspielungen bei der Arbeit gefallen lassen müssen, dies aber nicht dem Chef gemeldet.

Polizei: Opfer hatte Tränen in den Augen

Sowohl Mutter, Freund als auch zwei Polizeibeamtinnen, die zwei Tage später die Anzeige aufnahmen und Vernehmungen durchführten, beschrieben die 15-Jährige als zurückhaltend und schüchtern: „Sie hatte Tränen in den Augen“, sagten die Beamtinnen.

Für Staatsanwalt Jens Weise war der Fall klar. Für das Mädchen gebe es kein Motiv, sich mit dem Angeklagten sexuell einzulassen, schon gar nicht mit der Mutter nebenan. Ihre Aussage sei detailliert, erlebnisorientiert und emotional. „Ich bin entsetzt über Ihre Geschichte“, so Weise zum Angeklagten. Dass ein erwachsener Mann eine 15-Jährige vom Opfer zur Täterin machen wolle, sei eine „dreiste Schutzbehauptung und mehr als niederträchtig“, so auch das Gericht. Weise beantragte drei Jahre und sechs Monate sowie eine DNA-Probe für künftige Strafverfahren. Das Jugendschutzgericht verurteilte den 41-Jährigen zu drei Jahren Haft. Er trägt die Kosten des Verfahrens und der Nebenklage.

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