Urteil: Ehemaliges United Tribuns-Mitglied muss ins Gefängnis

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Der Angeklagte muss für vier Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Das hat das Landgericht Ellwangen entschieden.
Der Angeklagte muss für vier Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Das hat das Landgericht Ellwangen entschieden. (Foto: Archiv: Michael Häußler)
Redakteur Digitales

Die Erste Große Strafkammer des Ellwanger Landgerichts hat ein ehemaliges United Tribuns-Mitglied aus Heidenheim am vierten Verhandlungstag zu einer Haftstrafe verurteilt. Der 30-jährige Angeklagte muss wegen Rauschgifthandels in nicht geringer Menge und Geldfälschung für vier Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Zudem trägt der Angeklagte die Kosten des Verfahrens. Auch 3500 Euro werden eingezogen: die Summe eines Drogengeschäfts. So nachdrücklich wie in der Urteilsbegründung haben die Prozessbeteiligten den Vorsitzenden Richter Gerhard Ilg in der Verhandlung bisher nicht erlebt. „Schön und recht das Geständnis“, sagte er zum Angeklagten, der am vierten Prozesstag sein Schweigen gebrochen hatte. Für Ilg, seine beiden weiteren Berufs- und zwei Schöffenrichter, aber zu spät.

Da hatten auch die Ausführungen und das letzte Wort des 30-Jährigen nichts mehr bewirken können. „Ich stehe zu meinen Straftaten. Ich bitte das Gericht aber, mir eine Perspektive zu geben“, sagte er. Auch, um für seinen kleinen Sohn da sein zu können. Deswegen hatte sich die Verteidigung im Schlussplädoyer für einen offenen Vollzug in Nordrhein-Westfalen ausgesprochen. „Damit er zurück ins bürgerliche Leben kann“, so der Anwalt.

Angeklagter floh bei anderer Verhandlung ins Ausland

Ein solches habe es bislang nie gegeben, erwiderte Ilg später. Die Haft werde in Baden-Württemberg vollstreckt – auch wenn die Forderung des Anwalts legitim gewesen sei. „Ich hätte nicht mehr in den Spiegel schauen können“, begründete der Richter die Entscheidung des Gerichts. Außerdem bestehe Fluchtgefahr. Der 30-Jährige war bereits bei einer anderen Verhandlung geflohen, wurde später in Großbritannien verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert.

Auch glaube das Gericht nicht, dass der Angeklagte, der einschlägig vorbestraft ist und mehrfach in Haft saß, seit seiner jüngsten Inhaftierung so geläutert sei, ein harmonisches Familienleben führen zu wollen. Und in Sachen (Teil-)Geständnis: „Wer reinen Tisch machen will, macht das bei seiner Aussage bei der Polizei“, so der Richter mit eindringlicher Stimme weiter.

Bei Gericht sei es dann schon fast zu spät. „Und wenn, dann am ersten Verhandlungstag.“ Der 30-jährige Heidenheimer gab zu, bei einem Rauschgiftgeschäft mit 70 Gramm Kokain beteiligt gewesen zu sein – lediglich aber als Vermittler. „Es war die Etablierung eines Handelsplatzes in Heidenheim“, so Ilg. Er habe eine zentrale Rolle bei diesem Geschäft gespielt, das ohne ihn nicht stattgefunden hätte. Auch, dass er Falschgeld in Umlauf gebracht hatte. Seine Version der Beschaffung – für den Richter „offensichtlich an den Haaren herbeigezogen“.

Falschgeld spontan in einer Seitengasse bekommen

Schnell und undeutlich verlas der 30-Jährige zu Beginn des vierten Prozesstags seine Aussage: Zufällig habe er zwei Männer in einem Spielcasino getroffen, sie angesprochen und kurz darauf für 2500 Euro 25 000 Euro Falschgeld in einer Seitengasse erhalten. „Sie können als Angeklagter erzählen, was Sie wollen. Aber glauben, müssen wir es nicht“, so Ilg später in seiner Begründung. Es sei frei erfunden.

Und bewerten könne das Gericht ausschließlich, was durch Beweismittel belegt werden könne. Deswegen hat sich die Strafkammer hauptsächlich auf eine sehr umfassende Telefonüberwachung gestützt, bei der die Polizei mehr als 300 000 Dateien zusammengetragen hatte – hauptsächlich Telefongespräche und Textnachrichten zwischen Mitgliedern der rockerähnlichen Gruppierung und anderen ihnen nahestehenden Beteiligten.

Anders als bei den anderen Prozesstagen, die ebenfalls stark von Polizei und Justizbeamten abgesichert wurden, durften drei Angehörige während einer Verhandlungspause – auf Abstand – mit dem Angeklagten sprechen. Immer wieder kämpfte dieser mit den Tränen. Nachdem die Sitzung geschlossen war, sprach Ilg ein letztes Machtwort, als der Angeklagte von dessen Bruder umarmt wurde. „Keinen Körperkontakt“, rief der Richter. „Für niemanden.“

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