Tag des offenen Denkmals: Warum die Elbgermanen Wirtschaftsflüchtlinge waren

Lesedauer: 4 Min

Jürgen Heinritz (links) berichtete im Alamannenmuseum über Wanderbewegungen vor 1500 Jahren.
Jürgen Heinritz (links) berichtete im Alamannenmuseum über Wanderbewegungen vor 1500 Jahren. (Foto: Josef Schneider)
Freier Mitarbeiter

„Geschichten von Alamannen und Franken – vor 1500 Jahren und heute.“ Unter diesem Motto haben das Alamannenmuseum und die Städtischen Museen Heilbronn am Wochenende zum Tag des offenen Denkmals geladen. Das Geschichtenwochenende war gleichzeitig ein Beitrag des Alamannenmuseums zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 unter dem Motto „Sharing Heritage“.

Das Thema Migration und Integration hat es früher schon gegeben. Denn vor über 1500 Jahren machten sich Menschen aus dem Norden auf den Weg in den Süden. In den dortigen Gräberfeldern und Siedlungen weisen die archäologischen Funde sowohl auf die Herkunft als auch auf die Integration in der neuen Heimat hin. Bevölkerungswachstum und Klimaveränderungen waren Ursache für diese Wanderbewegungen. Die Städtischen Museen Heilbronn hatten dazu im vergangenen Jahr eine Sonderausstellung gezeigt, mit dem Titel „Sie kamen und sie blieben / Alamannen und Franken im Südwesten / Zuwanderung damals und heute“.

Der Alamannendarsteller Jürgen Heinritz aus Pleidelsheim war dazu extra nach Ellwangen gekommen und hatte im Gepäck zwei Informationstafeln und eine Auswahl von Repliken aus einem alamannischen Mädchengrab um 300 nach Christus von Gundelsheim am Neckar. Dem Mädchen wurde eine exklusive Ausstattung mit ins Grab gegeben. „Das zeigt, dass die Eltern das kleine Mädchen sehr geliebt haben“, berichtete Heinritz von einer Bernsteinkette und einem Muschelanhänger als Grabbeigaben. „Es waren Elbgermanen“, ist sich Heinritz hinsichtlich der Herkunft dieser Menschen sicher, auch mit Blick auf den Bernstein: „Sie kamen von der Ostsee, sind runtergezogen in den Süden und haben sich dort niedergelassen. Es waren Wirtschaftsflüchtlinge. Man hat nicht mehr genug zu essen gehabt. Vielleicht kann man das eine oder andere aus der Geschichte lernen. Denn niemand verlässt seine Heimat freiwillig.“ Das Ganze zeige, dass diese Leute damals auch sehr mobil waren, Sie seien dann sesshaft geworden, hätten sich integriert und Wohlstand aufgebaut.

In seinem Outfit nach dem fränkischen Reitergrab von Klepsau und den alamannischen Funden von Trossingen vom Ende des 6. Jahrhunderts erzählte Heinritz, was archäologische Objekte aus der Völkerwanderungszeit verraten. Dabei schnitt er auch die weit reichenden Handelsbeziehungen an. Bei seiner Ausstellungstournee durch Süddeutschland war Ellwangen die erste Station. „Wir schicken das Museum zu den Leuten“, sagte Heinritz.

Das Leben der Vorfahren

Der Tag des offenen Denkmals stand dieses Mal unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“. Darauf wiesen der Leiter des Alamannenmuseums, Andreas Gut, und der Vorsitzende des Fördervereins Alamannenmuseum, Werner Kowarsch, am Sonntag beim öffentlichen Rundgang durch das Alamannenmuseum hin. Beim Rundgang erfuhren die Besucher Wissenswertes über den Bau der Grubenhäuser unserer Vorfahren, über ihre Ernährung mit Getreidebrei, Pilzen, Gemüse, Obst und wenig Fleisch, hauptsächlich Rindfleisch, und über das Holzhandwerk. „Das alemannische Zeitalter war das Holzzeitalter“, sagte Jürgen Heinritz, spielte auf einer Leier und sang das Hildebrandslied. Die Zahl der Teilnehmer an der Führung war mit sechs Besuchern allerdings ausgesprochen mager.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen