Steinewerfer zu 9 1/2 Jahren Gefängnis verurteilt

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Der Autobahn-Steinewerfer ist wegen versuchten Mordes zu neuneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.
Steinewerferprozess am Landgericht Ellwangen: Oberstaatsanwalt Staudenmaier beantragt 12 Jahre und neun Monate wegen vierfachen versuchten Mordes und unerlaubten Waffenbesitzes. (Foto: Thomas Siedler)

Mit überregionaler Medienpräsenz ist der Prozess gegen Jörg B., den Steinewerfer von Giengen, am Dienstag im Ellwanger Landgericht zu Ende gegangen. Das Schwurgericht hat sein Urteil gefällt: neun Jahre und sechs Monate Gefängnis wegen vierfachen versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerer und gefährlicher Körperverletzung. Hinzu kommen vorsätzlicher Eingriff in den Straßenverkehr und unerlaubter Waffenbesitz. Die Kammer ordnete die weitere Unterbringung des psychisch kranken Angeklagten in der geschlossenen Psychiatrie an. Der 37-Jährige hörte das Urteil ohne äußere Gefühlsregung.

In der Urteilsbegründung ging der Vorsitzende Richter Gerhard Ilg auf die Ereignisse in der Nacht des 25. September 2016 ein. „In einer Mischung aus Wut, Verzweiflung und Hass“ habe der seit seinem elften Lebensjahr psychisch auffällige Angeklagte den Stein, der der Laupheimer Familie Öztürk zum Verhängnis wurde, von der Brücke auf die A7 geworfen. Trotz seiner psychischen Verfassung und womöglich Stunden zuvor getrunkenen Alkohols sei B. „Herr seiner Sinne“ gewesen. Er habe auch ohne Führerschein einschätzen können, dass die Folge seines Handelns Unfälle mit tödlichem Ausgang sein könnten. Dass er den Stein von der Autobahn holen wollte und am Brückenzaun gescheitert sei, nahm ihm die Kammer nicht ab. Ein kräftiger Mann wie er, ein „Meister im Survival“, so Ilg, der Tunnelsysteme und Autobahnunterquerungen kenne, hätte den Zaun mühelos überwinden können. Wenn er es wirklich gewollt hätte.

Die Folgen sind katastrophal

Es sei, so Ilg weiter, fast ein Wunder, dass die Kinder des Ehepaars nur leicht verletzt wurden. Die Folgen für die Familie seien dennoch katastrophal. Auch wenn sich das Unfallgeschehen nicht mit letzter Sicherheit feststellen lasse, treffe Serdal Öztürk, der am Steuer saß, keine Schuld. Verantwortlich sei „zu 100 Prozent“ der Angeklagte. Der Richter räumte auch mit dem von der Verteidigung ins Spiel gebrachten Vorwurf auf, die Rettungsbemühungen hätten die Verletzungen von Deniz Öztürk vielleicht verschlimmert. Diese „gewagte Behauptung“ verstelle die Sicht auf den wahren Schuldigen.

Dessen strafrechtliche Verantwortlichkeit habe, so Ilg, der Kammer „nicht wenig Kopfzerbrechen“ bereitet. Ilg berief sich auf das dreistündige Gutachten des Tübinger Psychiaters Peter Winckler und fünf Vor-Gutachten, die dem schon als Kind auffälligen Mann Schizophrenie attestierten. Die Kammer folgte Wincklers Auffassung einer schizotypen Persönlichkeitsstörung und entschied sich auch deshalb für eine Strafmilderung, die unter dem Antrag von Oberstaatsanwalt Peter Staudenmaier zurückblieb. Staudenmaier hatte zwölf Jahre und neun Monate gefordert. Einen Teil der Strafe sollte der Steinewerfer in der Haft verbüßen und erst dann in die Psychiatrie eingewiesen werden.

Im oberen Bereich des Strafrahmens

Nichts, so Ilg wörtlich, wäre dem Täter lieber, als ins Gefängnis zu gehen. Denn ein Merkmal seiner Krankheit sei, Behandlung und Medikamente zu verweigern. Ein weiterer Grund für die mildere Strafe sei der nur bedingte Tötungsvorsatz. Dennoch bewege sich das Urteil im oberen Bereich des Strafrahmens. Das Geständnis im Ermittlungsverfahren falle nicht strafmildernd ins Gewicht, weil es der Angeklagte durch seine Aussageverweigerung in der Hauptverhandlung widerrufen habe.

Die Kammer geht von einer negativen Prognose hinsichtlich des Gefährlichkeitspotenzials des Heidenheimer „Waldläufers“ aus und ordnete seine Unterbringung in der Psychiatrie an. Der Mann ist für das Schwurgericht kein Unbekannter. Ilg machte keinen Hehl daraus, dass die Kammer in einem Verfahren 2013 schon einmal vor der Entscheidung stand, ihn in die „Geschlossene“ einzuweisen. Man habe sich dagegen entschieden, weil keine Gewaltdelikte bekannt waren und er gegenüber Polizisten von schussbereiten Waffen keinen Gebrauch gemacht hatte. Dennoch könne man dem Gericht vorwerfen, dass der Unfall nicht passiert wäre, hätte man sich damals anders entschieden. Jetzt sei der 37-Jährige nicht nur verbal, sondern auch durch sein Tun gefährlich für die Allgemeinheit. Und behandlungsbedürftig: „Wir können ihn nicht in den Strafvollzug wegsperren.“

Über Anträge der Nebenklage auf Schmerzensgeld entschied die Kammer nur insofern, als sie den Streitwert bei Deniz Öztürk auf 200 000 Euro und bei Serdal Öztürk auf 70 000 Euro festsetzte. Die Ansprüche seien gerechtfertigt, doch es brauche Zeit, im Detail zu entscheiden. Der verurteilte Steinewerfer trägt alle durch den Unfall entstandenen und künftigen materiellen und immateriellen Kosten, soweit sie nicht durch Sozialversicherungsträger abgedeckt sind, die Kosten der Nebenklagen und des Verfahrens.

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Angeklagt ist ein 37-Jähriger, der seit dem Vorfall in einem Psychatrie-Zentrum untergebracht ist. Im Gerichtssaal lieferte er sich ein Wortgefecht mit dem Unfallopfer.

Der 37-Jährige der im vergangenen September einen Stein auf die A7 bei Giengen geworfen, und damit einen schweren Unfall ausgelöst haben soll, steht ab morgen vor Gericht. In Ellwangen muss er sich vor dem Landgericht wegen versuchten Mordes verantworten.

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Der Steinewerfer von der A 7 muss ab 16.März vor Gericht

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