Sogar die Kanzlerin gibt sich im Spitalhof die Ehre

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Eine komödiantische Offenbarung: Eva Eiselt begeisterte am vergangenen Freitag im Spitalhof das Publikum.
Eine komödiantische Offenbarung: Eva Eiselt begeisterte am vergangenen Freitag im Spitalhof das Publikum.

Der Stiftsbund hat ein Händchen dafür, bekannte Namen des Kabaretts nach Ellwangen zu holen. Trotz dieses Gütesiegels sind Steigerungen möglich. Der Abend mit Eva Eiselt ist eine solche gewesen. Ein komödiantischer Leckerbissen mit Extra-Sahnehäubchen. Diese Frau ist eine Offenbarung in der männerdominierten Kleinkunstszene. In ihrem Soloprogramm „Neurosen und andere Blumen“ switcht sie frech und intelligent zwischen den Charakteren, dass es eine Wonne ist.

Eva Eiselt ist ein Multitalent. Das heißt, „die Eiselt“ tritt eigentlich gar nicht auf, sondern ihre verhuschte Assistentin Sigrid. Eva hat sich, lässt sie wissen, einem existenziellen Besäufnis hingegeben und schläft in den Kulissen des gleichfalls randvollen Ateliers Kurz ihren Rausch aus. Also muss die „goldische“ Sigrid den Abend stemmen. Das gelingt ihr gnadenlos gut mit „Brüller-Pointen“ wie „Trump?“ mit gefühlten zehn Fragezeichen. Wie findet frau in fünf Schritten ihren Traummann? Ganz easy, indem sie fünf Schritte auf den seriösen Herrn in der ersten Reihe zugeht und ihn fortan charmant umgarnt.

„I’m so funny“, wirbt sie in heftigem IT-Idiom für die Weltneuheit „Real Book.“ Der „wirrtuelle“ E-Reader war gestern. Jetzt gibt’s das reale Buch mit gutem Grip zum „Touchen“ und „Choosen“ zwischen Reading und Off-Reading, Auf- und Zuklappen. Seiten loadet man down, indem man sie herausreißt. Simply the best Produktplatzierung ever. Nächstes Mal Neuheiten wie Tablet(t) und Klappschlepp (Laptop).

Zwischendurch schopenhauert die Sigrid über die Welt als Wille und Vorstellung mit bahnbrechenden Erkenntnissen wie „Je größer der Dachschaden, desto besser der Ausblick zum Himmel.“ Quality Time ist im Angebot. Oder darf es gehacktes Mittelalter, Urlaubszeit to go, Rügener Kreidezeit, abgehangenes Klimakterium sein? Als überkandidelte Vernissagebesucherin kostet die Dame von Welt das Saumagen-Sorbet und schwärmt maliziös vom Bildhauer Rodin: „Der hat so toll gemalt.“ Man kennt sich aus in diesen Kreisen.

Die Sigrid ist wieder on Stage: „Was macht eine Frau, wenn ihr Mann zickzack durch den Garten läuft?“ „Nachladen“, tönt es aus dem Publikum, das längst hin und weg und aus dem Häuschen ist. Und dann kommt sie. Die Kanzlerin. Angie herself. Und plaudert mit – nein, nicht mit Trump. Sondern mit Barack: „I want you black“, Pardon, back, und schickt Grüße an seine „Maikelle“ auf die Reise. Leicht erschüttert ist Angie vom Volk aus Ellwangen, das ihr zu Füßen sitzt. Barack kennt Ellwangen nicht, aber Eggenrot vielleicht? Angie träumt sich auf die Vatikan-Loggia, nur mit Langlaufski bekleidet: Habemus Mamam. Die Sigrid aber entdeckt den lasziven Vamp in sich und strippt entfesselt zu Mireille Mathieus „Mon Dieu“: „Isch bin isch.“ Mein Gott, ist die gut, die Eva.

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