Schwäbische Unplugged: Bolz & Knecht – Die Zwei mit den drei Instrumenten

Die beiden Berufsmusiker lassen sich von sehr persönlichen Dingen inspirieren, wie sie erzählen. Wie das klingt, hören Sie bei Schwäbische Unplugged.
Redakteur / Regio-Onliner Ostalb

Wo Menschen nicht zusammenkommen, entsteht auch kein Publikum. Wo kein Publikum ist, hat der Auftritt eines Künstlers für gewöhnlich nur wenig Sinn. Für Berufsmusiker, die hauptsächlich von ihren über das Jahr verteilten Konzerten leben, ist die Corona-Krise zum finanziellen Kraftakt geworden. Denn von ihren CD-Verkäufen allein können regionale Musiker nicht leben.

Der 43-jährige Wasseralfinger Christian Bolz und der 38-jährige Matzengehrer Tobias Knecht sind seit 2015 Bolz & Knecht. Die beiden Berufsmusiker von der Ostalb tingeln als Duo jährlich zu 50 bis 60 Auftritten im süddeutschen Raum. Rund 50 Prozent ihres Lebensunterhalts verdienen sie hiermit, erzählen sie. Der Rest kommt über Unterricht zustande.

Schwäbische.de trifft Bolz & Knecht für das eigens für die Zeit der Krise entwickelte Format „Schwäbische Unplugged“ in der Ellwanger Musikschule. Die beiden haben zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Kontaktbeschränkungen fünf Wochen nicht geprobt, halten auch hier genügend Abstand zueinander.

Hier geht's zur Webseite von Bolz & Knecht

Über Verstärker werden die Klänge ihrer Gitarren ohnehin vermischt. Das Saxophon hingegen braucht Raum, den es ausfüllen kann, erklärt Bolz. Die vier Songs, die sie für „Schwäbische Unplugged“ spielen, kommen vom neuen Album – Bolz & Knecht 3. „Es ist nicht nur das dritte Album“, erzählt Christian Bolz. „Es ist auch mit drei Instrumenten entstanden“, fügt er an. Zwei Gitarren, ein Saxophon.

Die neue Platte, mit 14 eigenen und zwei Fremdkompositionen im typischen „Bolz & Knecht-Sound“, ist bereits produziert. „Wir bezeichnen es so, da unsere Musik so klingt, wie wir es von keinem anderen Duo kennen“, erklärt Bolz. „Als Überbegriff könnte man es akustische Instrumentalmusik nennen“, fügt er an.

Das Cover des neuen Albums - Bolz & Knecht 3. Das dritte Album, drei Instrumente.
Das Cover des neuen Albums - Bolz & Knecht 3. Das dritte Album, drei Instrumente. (Foto: Bolz & Knecht)

14 eigene und persönliche Stücke, die auf besondere Menschen und Situationen gezielt komponiert worden sind. Ende Mai wollten sie die beiden beim Konzert im Ellwanger Speratushaus vorstellen. Dort in diesem Jahr zum ersten Mal, denn das Palais Adelmann, wo das Duo sonst spielte, ist sogar zu klein geworden.

Die positive Message dahinter soll überwiegen.

Christian Bolz

Bolz & Knecht hätte das Konzert in diesem Jahr vergrößert – „hinfällig“, sagt Gitarrist Knecht sichtlich betroffen. „Künstler wie wir verkaufen ihre CDs eigentlich ausschließlich auf Konzerten“, meint daraufhin Bolz. „Zum Geldverdienen sind die nicht“, ergänzt Knecht wiederum.

Eigentlich. Doch jetzt, in Zeiten der Krise, steckt nicht nur die Musik, sondern auch die Hoffnung in den Scheiben – müssen sie diese ungewohnte Aufgabe übernehmen. Die beiden Musiker bauen nun auf Vorbestellungen, um zumindest die Produktionskosten decken zu können. Dafür müssten sie rund 400 der 500 entstandenen CDs verkaufen. „Die Kosten liegen bei etwa 6000 Euro“, sagen sie.

Dass es sich dabei nicht um eine Spende handelt, ist den Musikern wichtig. „Man bekommt ja etwas für sein Geld und unterstützt uns gleichzeitig damit.“ Ihr einziges finanzielles Polster zurzeit sei der Unterricht, den sie aufgrund der Kontaktbeschränkungen via Skype geben. „Sonst wären wir in absehbarer Zeit auf Null.“

Dennoch sei ihnen eines besonders wichtig: „Wir wollen uns gar nicht beklagen. Wir wollen viel mehr den Leuten etwas geben, einen positiven Impuls setzen“, sagt Bolz. Mit ihrem Schaffen die Stimmung aufhellen. „Die positive Message dahinter soll überwiegen.“ Dafür stehe ihre Musik. Immer. Aber besonders jetzt.

 Der 43-jährige Christian Bolz hat unter anderem in Los Angeles (USA) Musik studiert.
Der 43-jährige Christian Bolz hat unter anderem in Los Angeles (USA) Musik studiert. (Foto: Michael Häußler)

Und diese Liebe zur Musik geben sie an ihre Schüler weiter. Wenn auch zurzeit auf eben diesem Kompromissweg. Als Übergangslösung sei Unterricht per Videotelefon super, meinen die studierten Musiker. Allerdings beschränkt auf Schüler, die sie bereits seit einer gewissen Zeit unterrichten würden. Bei Anfängern und Kindern sehe das anders aus. Die nötige Bindung fehlt, eingreifen und Handgriffe korrigieren könne man ebenfalls nicht.

Keine Dauerlösung also. „Es kommt allein schon auf die Internetverbindung an“, sagt Bolz. Knecht nickt zustimmend. „Du weißt nicht, ob der Schüler jetzt ein falsches Tempo spielt oder ob es einfach nur verzögert bei dir ankommt.“ Sie müssen lachen, erinnern sich an so manche erlebte Situation.

Musik wichtiger als Lamentieren

Die Heiterkeit verfliegt hingegen schnell, wenn sie an die nahe Zukunft denken. Auch wenn ihnen ihre Musik als solches wichtiger ist als das Lamentieren über die Krise. Dennoch: Bis Ende Juni brechen den beiden Berufsmusikern bereits bis zu 15 Auftritte weg, wie es danach weitergeht, kann bislang niemand abschätzen. Bis Menschen wieder zusammenkommen, um Publikum zu sein. Ein Publikum, das für diese Musiker so wichtig ist.

Was ist Schwäbische Unplugged?

Schwäbische Unplugged: Auch in der Corona-Krise gibt’s kleine Konzerte auf www.schwäbische.de. Ab Samstag, 2. Mai, spielen Musiker von der Ostalb online und unterstützen dabei die Helfer des DRK.

Viele Musiker müssen derzeit Auftritte aus dem Kalender streichen. Dennoch muss niemand verzichten. Auf www.schwäbische.de geben Musiker von der Ostalb Online-Konzerte – und das für den guten Zweck. Da niemand Eintritt bezahlen muss, kann für das Deutsche Rote Kreuz gespendet werden.

Denn die haupt- und ehrenamtlichen Helfer des DRK-Kreisverbands Aalen sind in der aktuellen Corona-Krise Tag und Nacht im Einsatz. Sie brauchen dringend Schutzausrüstung.

4000 Euro will das DRK über die Spendenplattform Gut für die Ostalb für Schutzmasken, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel sammeln. „Der Bedarf steigt von Tag zu Tag an“, sagt Ralf Nuding vom DRK-Kreisverband Aalen. Allein 2000 Euro braucht das DRK für Schutzmasken.

Insgesamt 1000 Stück zu je 2 Euro sind bestellt. „Das ist ein fairer Preis“, sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Matthias Wagner. Weitere rund 1000 Euro brauchen die Helfer für Desinfektionsmittel und Schutzkleidung.Angeschafft wird Kleidung, die gewaschen und mehrmals verwendet werden kann.

„Sonst produzieren wir ja Müllberge.“ Jeder, der sich ein Online-Konzert anschaut und spendet, hilft dem DRK im Kampf gegen Corona. „Der große Vorteil ist, dass die Leute auf Gut für die Ostalb einfach und transparent spenden können“, sagt Wagner.

Mit dabei bei den Online-Konzerten sind unter anderem I am Korny, Simon Fürst und Jonas Esslinger. Los geht’s mit dem Konzert von Bolz & Knecht.

Da der Eintritt also frei ist, kann auf der Spendenplattform Gut für die Ostalb für das DRK gespendet werden: Hier klicken. (tv)

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