Wie eine zweite Haut passt Fritz Widmann (Mitte) die Rolle des liebenswerten Lehrers Bömmel.
Wie eine zweite Haut passt Fritz Widmann (Mitte) die Rolle des liebenswerten Lehrers Bömmel. (Foto: Schlipf)
Petra Rapp-Neumann

In der fast ausverkauften Sankt-Georg-Halle hat die gute alte Zeit, als es noch lausbübische Pennäler und wackere Pauker aus echtem Schrot und Korn gab, mit Aufführungen von Heinrich Spoerls „Feuerzangenbowle“ fröhliche Urständ‘ gefeiert. Unter der bewährten Regie von Karin Fuchs lässt die Theatergruppe des Gesangvereins Eintracht Schrezheim all jene Charaktere wieder auferstehen, die wir spätestens seit dem Kultfilm mit Heinz Rühmann kennen und lieben. Das Lokalkolorit tut das Seine dazu.

In der Ellwanger Weinstube Kanne schwelgt eine Runde würdiger Herren in Erinnerungen an die Schulzeit (Matthias Reuß, Uwe Grimmeisen, Bernd Frei, Hariolf Neukamm). Nur der leicht blasierte Johannes Pfeiffer kann nicht mitreden – er hatte einen Hauslehrer. Die Herren nehmen mehr als „nor einen wönzigen Schlock“ Feuerzangenbowle zu sich. Das beschleunigt den Entschluss, Versäumtes nachzuholen. Pfeiffer verabschiedet sich von Berlin und Braut Marion und begibt sich in die beschauliche Kleinstadt Babenberg. Was dann kommt, ist Literatur- und Filmgeschichte. Verschmitzt erobert Pfeiffer „mit drei f“ nicht nur die Oberprima, sondern auch das Herz der hübschen Eva.

Eine Reise in die gute alte Zeit um 1900

Was die kreativen Schrezheimer in Roland Schusters „Hillfield Studios“ (Schuster wohnt Im Bergfeld, daher der klingende Name) und seinen „Shoemaker Productions“ auf die Beine gestellt haben, ist aller Ehren wert. Bernd Klein gibt Hans Pfeiffer so gewitzt und authentisch, als habe er tatsächlich um die Jahrhundertwende (vom 19. zum 20., versteht sich) eine kleinstädtische höhere Lehranstalt besucht. Auch seine Mitschüler können sich sehen lassen: der lange Rosen (Florian Groß), Ackermann (Matthias Kucher), Melworm (Marco Mühleck), Husemann (Moritz Rauer), der kleine Luck (Valentin Löber) und Knebel (Johannes Kucher), der in sphärischer Trigonometrie versagt. Gerhard Löber glänzt als gravitätischer Professor Crey, genannt Schnauz. Löber tadelt seine „Schöler“ genauso herrlich näselnd wie einst Erich Ponto und findet es „erschötternd“, dass sie jegliche sittliche Reife vermissen lassen.

Fritz Widmann schlüpft in die Rolle von Lehrer Bömmel, der eigentlich ganz anders heißt, wie in eine zweite Haut und spricht die legendären Worte: „Wat is en Dampfmaschin? Da stelle mer uns janz dumm.“ Auch Joachim Vaas als Oberschulrat und Dieter Waschiczek als Schuldirektor Knauer alias Zeus machen eine prima Figur. Und mit niemandem singt die Oberprima das Loreley-Lied lieber als mit Eva, Zeus‘ liebreizender Tochter, anmutig dargestellt von Christina Kucher. Durchs Fenster des Klassenzimmers blinzeln Schönenberg und Schloss. Das gehört sich so, denn Ellwangens schmucke Silhouette taucht auch im Film als Panoramabild hinter den Scheiben auf. Als Witwe Windscheid, die an den Primaner Hans Pfeiffer ein Zimmer vermietet, hat Silke Schröder-Klein ihren großen Auftritt. Und selbst Anita Wiedenhöfer als seine Braut schafft es nicht, ihn auf den Pfad der Tugend zurückzuholen. Ein sehenswertes Vergnügen, abgerundet von einer Tombola mit tollen Preisen.

Angezogen werden die Darsteller vom Naturtheater Heidenheim und aus privatem Fundus, stilsicher geschminkt von den Maskenbildnerinnen Gabi Fuchs, Gisela Schiele, Johanna Rathgeb und Vera Maile. Weitere Aufführungen am Freitag, 11. Januar, und Samstag, 12. Januar, jeweils um 19.30 Uhr.

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