Schüler wollen einen Georg-Elser-Weg

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Schwäbische Zeitung
Josef Schneider

Zum 17. Mal hat Ellwangen gestern den Nationalen Gedenktag begangen, an dem bundesweit der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 und aller Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Die Feierstunde war dieses Mal in der Mensa des Peutinger-Gymnasiums.

„Die Verbrechen haben auch hier, mitten in unserer Heimatstadt Ellwangen und unserem Umkreis stattgefunden“, ging Oberbürgermeister Karl Hilsenbek auf die unsäglichen Verbrechen der Nationalsozialisten, die Millionen von Opfer und die Spur von Zerstörung und Vernichtung ein, die die terroristische Politik der Nationalsozialisten durch Deutschland und quer durch ganz Europa gelegt habe. Der OB forderte auf, sich scharf vom nationalsozialistischen Gedankengut abzugrenzen.

Schülerinnen und Schüler der Eugen-Bolz-Realschule, der Buchenberg- und der Mittelhofschule, der Sankt Gertrudis sowie des Hariolf- und des Peutinger-Gymnasiums stellten die Ergebnisse vor, die sie in vier Workshops erarbeitet hatten. So präsentierten sie unter dem Motto „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ eindrucksvoll das Gedicht „Die Todesfuge“ von Paul Celan, der den Lageralltag in einem Konzentrationslager literarisch verarbeitet hat. War der Autor doch selbst Häftling in einem Arbeitslager, seine Eltern kamen in einem KZ ums Leben.

Unter dem Titel „Stolpersteine“ befassten sich die Schüler in einem zweiten Workshop mit den Themen Judenverfolgung und Euthanasie, und zwar ganz konkret an drei Einzelschicksalen. Da war zum einen die 1871 geborene Fanny Kahn, die in Aalen einen Korbhandel betrieb und sich als Klavierlehrerin engagierte, die Jüdin wurde1942 in das Konzentrationslager nach Minsk deportiert. Emma Dapp, Jahrgang 1894, und der Junge Dieter Neumaier wurden in Grafeneck ermordet, Erstere wegen Schwachsinns, Letzterer wegen eines Sprachfehlers. Thematisiert wurde auch die Fluchthilfe von Luise Meier und Josef Höfler, die 28 Juden vom Bodensee über die Grenze in die Schweiz schleusten. Und natürlich das Hitlerattentat des Königsbronner Einzelkämpfers Georg Elser am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbrau-Kellers. Die Schüler fänden es gut, wenn es in Ellwangen einen Georg-Elser-Weg geben würde, zur Erinnerung an den am 9. April 1945 ermordeten Widerstandskämpfers.

Der Leiter des Peutinger-Gymnasiums, Oberstudiendirektor Dr. Hermann Rieger, erinnerte an das „große Grauen des 20. Jahrhunderts“, an die 55 Millionen Toten des Zweiten Weltkriegs: „55 Millionen Einzelschicksale“. Der Schulleiter kritisierte das nationalsozialistische Unrecht und setzte sich für Demokratie und Menschenrechte, für den Rechtsstaat und die Würde des Menschen ein. Vor 80 Jahren habe die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft begonnen, vor 70 Jahren war die Tragödie von Stalingrad, mit über 700 000 Toten.

Die Gedenkfeier, die in der Hauptverantwortung von Dr. Michael Hoffmann, Fachsprechers des Fachs Geschichte am Peutinger-Gymnasium, mit vier anderen Kollegen vorbereitet wurde, wurde vom Kammerorchester unter Leitung von Ulla Klee musikalisch gestaltet. Im Anschluss bestand Gelegenheit, die Ausstellung „Was heißt hier Frieden?!“ des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge im Foyer der Schule zu besichtigen.

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