Schöner Abschluss der Ellwanger Schlosskonzerte mit dem Bartholdy Quintett

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Das Bartholdy Quintett hat beim letzten Schlosskonzert der Saison das Publikum im ausverkauften Thronsaal zu Bravorufen hingeri
Das Bartholdy Quintett hat beim letzten Schlosskonzert der Saison das Publikum im ausverkauften Thronsaal zu Bravorufen hingerissen. (Foto: Petra Rapp-Neumann)

Schmeichelnder, homogener Ensembleklang: das 2009 gegründete Bartholdy Quintett hat beim letzten Schlosskonzert der Saison das Publikum im ausverkauften Thronsaal zu Bravorufen hingerissen.

Ulf Schneider und Anke Dill, Violine, Volker Jacobsen und Barbara Westphal, Viola, sowie Quintett-Gründer Gustav Rivinius, Violoncello, haben Mozart, Dvorák und ein Werk des zeitgenössischen Komponisten Robert Krampe aufgeführt. Als fünftes Instrument erschloss Rivinius‘ Cello im Vergleich zum herkömmlichen Streichquartett interessante klangliche Möglichkeiten im harmonischen kammermusikalischen Spiel.

Das Bartholdy Quintett widmet sich der Bearbeitung und Präsentation selten aufgeführter Werke wie Mozarts Streichquintett c-Moll, einer Bearbeitung seiner düsteren Serenade „Nachtmusique“ für acht Bläser. Obwohl es Mozart hervorragend gelang, acht Bläser- auf fünf Streicherstimmen umzulegen, steht das technisch höchst anspruchsvolle c-Moll-Quintett im Schatten der großen Quintette C-Dur und g-Moll des Komponisten. Den kontrastreichen Klangfarben des in bitteren Seufzern und einem rebellischen Akkord schwelgenden Kopfsatzes spürten die Musiker ausdrucksstark nach. Zart fingen sie im zauberhaften Andante des zweiten Satzes die träumerische Serenaden-Atmosphäre eines nächtlichen Parks ein und steigerten in Menuett und Finale Verzweiflung und Trauer zum intensiven, fast unerträglichen Schmerz. Das Streichquintett endete, wie es begann, im melancholischen c-Moll ohne den Hauch eines versöhnlichen Dur.

Auch die Lust auf Neues eint die Musiker. Robert Krampe, Jahrgang 1980, komponierte 2011 „…mein Saitenspiel“ für das Bartholdy Quintett. „Mein Saitenspiel“ war Gustav Mahlers Kosename für seine Frau Alma. Neben Jean Cocteaus Film „Orphée“ zitiert Krampe Mahlers zehnte, unvollendete Sinfonie. Geübte Ohren hörten sogar das diffizile Scherzo aus Mahlers siebter Sinfonie heraus, das ein unheimliches, ja groteskes Bild der Nacht heraufbeschwört. Dennoch ist die Tonsprache des Werks zeitgenössisch in akzentuierten Verfremdungseffekten und absolut eigenständig.

Fast orchestrale, hymnische Klangfülle eroberte unter den strengen Mienen der Fürstpröpste den Thronsaal bei Antonin Dvoráks Streichquintett Es-Dur. Das bewegende Werk entstand 1893 im Städtchen Spillville im Mittleren Westen der USA und gibt sich ähnlich „amerikanisch“ wie Dvoráks berühmte Sinfonie „Aus der Neuen Welt.“ Beglückend, voller Elan und Leidenschaft formte das Bartholdy Quintett die verschwenderische Opulenz des Kammermusikstücks zur mitreißenden musikalischen Botschaft. Für den herzlichen Beifall der begeisterten Zuhörer dankten die Musiker mit dem Scherzo aus Mendelssohn Bartholdys Streichquintett A-Dur.

Für 2019 hat Schlosskonzerte-Intendant Hans-Ulrich Engel bereits namhafte Musiker verpflichtet.

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