Schöffengericht verurteilt 44-jährigen Kinderschänder

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 Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 13 Fällen sowie wegen eines weiteren Missbrauchs und des Besitzes von kind
Seit er im Gefängnis sitze, lese er jeden Tag die Bibel. Das sagte der Angeklagte vor Gericht aus. (Foto: David Ebener)
Freier Mitarbeiter

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 13 Fällen sowie wegen eines weiteren Missbrauchs und des Besitzes von kinderpornografischen Schriften hat das Schöffengericht des Amtsgerichts Ellwangen am Mittwoch einen 44-jährigen Mann aus einer Virngrundgemeinde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die beiden Opfer waren zur Tatzeit zwischen sechs und zehn Jahre alt.

Der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Wegen seines umfassenden Geständnisses konnte auf die Vernehmung der Geschädigten vor Gericht verzichtet werden. „Anscheinend stehe ich auf Kinder, auf Jungs“, sagte der ehemalige Sonderschüler und gelernte Landwirt in seiner Einlassung. Einer der damaligen Jungs war sehr häufig über Nacht bei dem Angeklagten. Bei jeder Übernachtung sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen, war zu hören. Neben dem sexuellen Missbrauch in seiner Wohnung waren auf dem Computer des Angeklagten mindestens 300 Bilder abgespeichert, die nackte Kinder unter 14 Jahren zeigten.

Ich lese jeden Tag in der Bibel.“ Der Angeklagte über seine Zeit im Gefängnis

In der Hauptverhandlung kam auch zur Sprache, dass der Angeklagte in der Zeit von 1998 bis 2013 die Kinderkirche der evangelischen Gemeinde und von 2002 bis 2017 die Jungschar mitbetreute. Auch bei Konfirmandenausflügen und Konfirmandenwochenenden war er bis 2017 dabei. In dieser Zeit saßen mehrere Jungs bei ihm auf dem Schoß. Sein Glaube sei ihm Stütze im Gefängnis, sagte der Angeklagte: „Ich lese jeden Tag in der Bibel.“

Die Taten seien aufgrund des glaubhaften Geständnisses des Angeklagten nachgewiesen, sagte Staatsanwalt Tolga Akdemir in seinem Plädoyer. „Er hat diesen Namen selbst genannt“, verwies er auf den 13-maligen schweren Missbrauch eines heute 25-Jährigen in den Jahren 2000 bis 2004. Diese Taten liegen jetzt 14 bis 18 Jahre zurück. Akdemir forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Die Nebenklägervertreterin, Rechtsanwältin Ulrike Böckler aus Schwäbisch Gmünd, schloss sich den Ausführungen des Staatsanwaltes an. Das Kind werde traumatisiert sein, sagte sie über das von ihr vertretene, inzwischen sieben Jahre alte zweite Opfer. Gleichzeitig drückte sie ihre Hoffnung aus, dass bei dem Jungen nicht mehr passiert sei, als dass der Täter gesagt habe. Denn: „Sie schädigen die Kinder für ihr Leben.“ Der Angeklagte hatte gestanden, am Penis des schlafenden Jungen manipuliert zu haben. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Timo Fuchs aus Ellwangen, stellte die Höhe der Freiheitsstrafe in das Ermessen des Gerichts. Sein Mandant habe eine Perspektive, dass er seine Neigung in den Griff bekomme.

Ein Opfer ist wegen Suizidgedanken in der Psychiatrie

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Norbert Strecker verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Die sehr schweren Straftaten über sehr viele Jahre hätten aufgeklärt werden können, weil der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt habe, sagte Norbert Strecker in der Urteilsbegründung. Aber ein schwerer sexueller Missbrauch hinterlasse bei den Kindern immer schwere Folgen.

Die verurteilten Straftaten seien nur ein Ausschnitt von dem, was über viele Jahrzehnte passiert sei, so Strecker, denn im Haftbefehl vom 27. April 2018 seien „20 andere Taten drin“. So wurde der sexuelle Missbrauch am Neffen des 44-Jährigen wegen Verjährung nicht angeklagt. Der Neffe soll zur Tatzeit fünf bis zwölf Jahre alt gewesen sein. Er ist heute 36 Jahre alt, psychisch auffällig und zurzeit wegen Suizidgedanken in der Psychiatrie untergebracht. Strafmildernd berücksichtigte das Gericht, dass der Angeklagte seinen Laptop freiwillig zur Polizei gebracht hat.

„Sie beschäftigen sich bitte mit sich selber und mit den Taten“, gab ihm Strecker mit auf den Weg. Wegen Rechtsmittelverzichts ist das Urteil rechtskräftig.

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