Sakrale Zyklen von Sieger Köder und HAP Grieshaber

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 Bei der Ausstellung „Sieger Köder im Kontext mit HAP Grieshaber“ im Atelier Kurz von links: Generalvikar Werner Redies, der mal
Bei der Ausstellung „Sieger Köder im Kontext mit HAP Grieshaber“ im Atelier Kurz von links: Generalvikar Werner Redies, der malende Pfarrer und Freund Sieger Köders, Nikolaus Stark, Professor Arnold Nassenrath, Gastgeber Rudolf Kurz und der Vorsitzende der Stiftung Kunst und Kultur in Rosenberg, Hermann Sorg. Im Hintergrund Bilder aus dem Zyklus „Kreuzweg der Versöhnung“ von HAP Grieshaber. (Foto: Blankenhorn)
Jürgen Blankenhorn

Unter großem öffentlichen Interesse ist die Ausstellung „Sieger Köder im Kontext mit HAP Grieshaber“ im Atelier Kurz im Ellwanger Spitalhof eröffnet worden. Sieger Köder, der Rosenberger Malerpfarrer, und der kantige Älbler HAP Grieshaber – das ist nicht nur für Kunstkenner eine große Herausforderung.

Während man den mit lebenslang mit linken Gruppierungen sympathisierenden HAP Grieshaber mit großformatigen Holzschnitten in Verbindung bringt, gilt der Rosenberger Malerpfarrer Sieger Köder als kraftvoller und farbgewaltiger „Prediger mit Bildern“. Betrachtet man jedoch seine 1968 entstandenen Radierungen „Tübinger Bibel in Bildern“, entdeckt man einen anderen Sieger Köder. Reduziert auf Schwarz und Weiß, regen die Radierungen zum Nachdenken an und lassen oft erst auf den zweiten Blick erkennen, welches Bibelzitat gemeint ist.

Für seine Idee, diese beiden Künstler in einer Ausstellung gegenüberzustellen, hat Rudolf Kurz seinen Wunschredner Arnold Nesselrath gewonnen. Er war bis vor zwei Jahren Direktor der Abteilung für byzantinische, mittelalterliche und moderne Kunst der Vatikanischen Museen in Rom. Laut Nesselrath prägen expressive Techniken die Werke beider Künstler. So beschäftigt sich HAP Grieshaber in seiner Kunst mit seiner von der NS-Zeit geprägten Vergangenheit. Er hatte Malverbot und später versucht, diese Zeit aufzuarbeiten.

Dem gegenüber stehen die Werke von Sieger Köder, der den Krieg als Kind und Jugendlicher erlebt hat. Seine Malerei habe er aber in den Dienst der Verkündung und der Zukunft gestellt. Während Grieshabers „Kreuzweg der Versöhnung“ (1967) als Auftragsarbeit des Erzbischöflichen Ordinariats Freiburg war, schuf Köder seine „Tübinger Bibel“ (1968) während des Theologiestudiums als Reflexion der auf ihn einströmenden Eindrücke und Erkenntnisse. Ohne diesen Zyklus ließen sich Köders spätere Werke nur schwer erschließen, bildete er doch die Grundlage für seine Bilder.

Kritik an den heutigen Bildungsplänen

Hermann Sorg, Vorsitzender der Stiftung Kunst und Kultur in Rosenberg, kritisierte die heutigen Bildungspläne. Diese seien zu sehr dem Zeitgeist unterworfen. Sie richteten sich weniger auf musische Fächer und eine kulturelle Grundausbildung mit darstellenden Künsten, Literatur und Musik aus. Dafür stünden Internet, Tablet oder die Informationstechnologien zu sehr im Focus. Ein Kunsthandwerkermangel, den Nesselrath in Bezugnahme auf den Brand von Notre Dame befürchtete, sei die Folge und Konsequenz. Daher seien solche Veranstaltungen und ein lokales kulturelles Engagement wie das von Rudolf Kurz oder Kulturstiftungen sehr wichtig.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Tobias Stapf am Klavier und Cornelius Fauth am Cello.

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