Prügelei vor Disco: Gericht verhängt 50 Stunden Arbeit

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Wegen einer Prügelei vor einer Aalener Discothek ist ein 28-Jähriger verurteilt worden.
Wegen einer Prügelei vor einer Aalener Discothek ist ein 28-Jähriger verurteilt worden. (Foto: dpa)
Petra Rapp-Neumann

Im Ellwanger Amtsgericht hat sich am Montag ein 28-jähriger Asylbewerber wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen. Beide Vorfälle, die das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Dorothea Keck verhandelt hat, liegen Jahre zurück. Drei Mittäter wurden inzwischen rechtskräftig verurteilt. Weil der Angeklagte am 4. August 2009 Deutschland verlassen musste und sich erst seit November 2015 wieder hier aufhält, stand er erst jetzt vor Gericht.

Staatsanwalt Ulrich Karst legte den Angeklagten zur Last, am Morgen des 30. November 2008 nach dem Verlassen einer Aalener Diskothek ohne Grund auf einen Diskothekenbesucher eingeprügelt zu haben. Dieser litt wochenlang unter einem blutunterlaufenen Auge. Zeugen gaben an, der damals 20-Jährige sei schon vor der Schlägerei aggressiv gewesen und habe mit einem Stein in der Hand durchs Fenster ins Innere des Clubs geschaut. Der Beschuldigte räumte den Sachverhalt ein, wobei er angab, selbst von Freunden des Verletzten mit einem Holzbrett verletzt worden zu sein. Das bestätigte sich nicht.

Der zweite Vorfall ereignete sich in der Nacht des 22. März 2009 an einer Bushaltestelle in Fachsenfeld nach dem Besuch einer Blaulichtparty, an der der Angeklagte mit zwei Freunden teilnahm. Wie der Geschädigte angab, sei die Gruppe ohne jeden Anlass auf ihn losgegangen: „Ehe ich mich versah, hatte ich eine Faust im Gesicht.“ Als er am Boden lag, habe man weiter auf ihn eingetreten. Bis heute leide er an den Folgen seiner Verletzungen. Die Sehkraft seines linken Auges bleibe stark beeinträchtigt. Von 2009 bis 2015 sei er in psychotherapeutischer Behandlung gewesen. Der Angreifer sei ihm als „Straßenschläger“ bekannt gewesen und habe sich bis heute weder entschuldigt noch Schmerzensgeld gezahlt. Der Angeklagte erklärte, er habe nur versucht, die Streithähne zu trennen, und für den Verletzten einen Krankenwagen gerufen. Die in „epischer Breite“, so Karst, vernommenen Zeugen wiesen wie die damalige Freundin des Opfers, die ihre Aussage mehrfach änderte, erhebliche Erinnerungslücken auf.

Vom Vater häufig geschlagen

Der Angeklagte wurde mangels Beweisen in diesem Punkt freigesprochen. Für die lange zurückliegende Schlägerei im November 2008 verzichtete das Gericht auf eine Jugendstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung und folgte dem Vorschlag von Jugendgerichtshelfer Thomas Kröhl. Dieser schilderte die schwierige Kindheit des jungen Mannes, der mit seinem Vater, der ihn häufig schlug, in zwei unterschiedlichen Kulturen aufwuchs. Die Mutter verstarb bei der Geburt. Nach Weisung der Jugendgerichtshilfe muss der Asylbewerber binnen zwei Monaten 50 Stunden gemeinnützige Arbeit als erzieherische Maßnahme leisten. Tut er das nicht, folgen vier Wochen Jugendarrest. Das Urteil ist rechtskräftig.

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