„Plötzlich ist der Bürgersteig ein Hindernis“

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 Beschäftigte der Christophorus-Werkstatt und das Projekt Ellwangen Inklusiv haben Schülern des Peutinger-Gymnasiums (PG) die Tü
Beschäftigte der Christophorus-Werkstatt und das Projekt Ellwangen Inklusiv haben Schülern des Peutinger-Gymnasiums (PG) die Tücken im Umgang mit dem Rollstuhl im Straßenverkehr gezeigt. Anlass war das Sozialpraktikum an der Schule. (Foto: PG)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Beschäftigte der Christophorus-Werkstatt und das Projekt Ellwangen Inklusiv haben Schülern des Peutinger-Gymnasiums (PG) die Tücken im Umgang mit dem Rollstuhl im Straßenverkehr gezeigt. Anlass war das Sozialpraktikum an der Schule.

Das Sozialpraktikum bringt zum einen den behinderten Menschen und ihren betreuenden Einrichtungen ein bisschen zusätzliche Hilfe. Zum anderen dient es der Persönlichkeitsentwicklung der Schüler am PG. Im Kontakt mit Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, können sie Erfahrungen für ihre Lebenseinstellung machen.

Das Sozialpraktikum wird in der Klassenstufe 10 an über 30 regionalen Einrichtungen durchgeführt. Es findet im Rahmen des Ethik- und Religionsunterrichts statt und wird durch den Fachunterricht vorbereitet und dort im Anschluss gemeinsam reflektiert.

Im Zuge dieser Vorbereitung besuchte auch das Projekt „Ellwangen Inklusiv“ zweimal den Unterricht. Insgesamt 97 Schüler stellten sich zunächst in einem Vortrag von Monika Kreher die Frage: Was bedeutet Inklusion eigentlich? Die Aktion Mensch, von der das Projekt gefördert wird, stellt zur Beantwortung dieser Frage verschiedene Materialien, unter anderem auch kurze Filme, zur Verfügung. „Inklusion ist, wenn jeder mitmacht, Barrieren abzubauen“, heißt es dort sinngemäß.

Nach der theoretischen Einführung wurden die Schülergruppen zweigeteilt und nahmen im Wechsel an einer praktischen Übung und an einer Fragerunde teil.

Eine Gruppe stellte sich in Begleitung von Daniel Bauer (Werkstattrat und Rollstuhlfahrer) und Monika Kreher (Begleitender Dienst der Christophorus-Werkstatt) der Herausforderung, einmal als Rollstuhlfahrer oder mit einer simulierten Sehbehinderung das Schulgelände zu begehen.

Schnell stellte sich heraus: Selbst ein abgeflachter Bürgersteig kann plötzlich zur Barriere werden. „Man muss schon Schwung holen“, wies Daniel Bauer die Schüler während der Fahrt ein, „oder es hilft jemand beim Schieben, aber da muss man schon fragen“.

Nicht nur im Rollstuhl, sondern auch mit einer Sehbehinderung trifft man plötzlich auf Barrieren. Mit Brillen, die eine Restsehkraft von zehn Prozent simulieren (zur Verfügung gestellt vom Blinden- und Sehbehindertenverband) erkennt man ja wenigstens noch Umrisse. Anders jedoch sind die Erfahrungen bei völliger Blindheit: „Das Problem ist nicht das, was unmittelbar vor einem auf dem Boden liegt. Dazu gibt es Blindenstöcke. Zum Problem werden die Dinge, die auf Brust- oder Kopfhöhe in die Straße ragen.“

Matthias Kümpflein (ebenfalls Rollstuhlfahrer) und Philipp Schneider (Projektkoordination Ellwangen Inklusiv) stellten sich zeitgleich den Fragen der sehr interessierten Schüler der anderen Gruppenhälfte. „Ein Aufzug im Gebäude ist ein sehr guter Anfang. Er bringt aber leider nichts, wenn der Eingang nicht breit genug für den Rollstuhl ist“, so Kümpflein auf die Frage einer Schülerin.

„Es passiert schon sehr viel in Sachen Inklusion in Ellwangen. Viele Institutionen und Einrichtungen kooperieren schon seit Jahren, um auf bestehende Barrieren aufmerksam zu machen und diese zu beseitigen“, sagte Philipp Schneider und wies damit auf die schon länger bestehende und „sehr angenehme und fruchtbare“ Zusammenarbeit mit dem Peutinger-Gymnasium hin.

Es war naheliegend, auch für das Projekt der Aktion Mensch eine Kooperationsvereinbarung abzuschließen, welche die Zusammenarbeit regelt.

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