Panzergrenadierbataillon 302 hält Ellwangen die Treue

Lesedauer: 4 Min

Momcilo Ivanovic, seit 25 Jahren Vorsitzender des Freundes- und Kameradenkreises Panzergrenadierbataillon 302, mit einem Teller
Momcilo Ivanovic, seit 25 Jahren Vorsitzender des Freundes- und Kameradenkreises Panzergrenadierbataillon 302, mit einem Teller mit silbernem Rand und Ellwanger Stadtansicht, der für einen guten Zweck versteigert wurde. (Foto: Rapp-Neumann)
Petra Rapp-Neumann

25 Jahre Freundes- und Kameradenkreis Panzergrenadierbataillon 302: Mehr als 70 Mitglieder sind am Wochenende zur Jubiläumsfeier in der Reinhardt-Kaserne zusammengekommen.

Der langjährige Vorsitzende des Vereins, Hauptmann der Reserve Momcilo Jovanovic, begrüßte auch zwei ehemalige Kommandeure des Bataillons, Oberst a.D. Fritz Seifert und Oberstleutnant a.D. Eckhart Bruns, sowie eine Abordnung des österreichischen Bundesheers. Aus Berlin reiste CDU-Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter an, ehemaliger Generalstabsoffizier der Bundeswehr und bis 2016 Präsident des Reservistenverbands.

Beim Empfang in der „Traditionsecke“ in einem heute vom Sprachenzentrum Süd genutzten Gebäude wurden mit leiser Wehmut Erinnerungen an selige Zeiten ausgetauscht, als Ellwangen noch Garnisonstadt war. Am 1. Oktober 1958 wurde das Panzergrenadierbataillon 302 in Ellwangen aufgestellt. Die Umstrukturierung des Heeres führte zur Auflösung 1993. Damals gründete sich der Freundes- und Kameradenkreis mit aktuell 205 Mitgliedern. „Zehntausende junge Männer haben in unserem Bataillon Wehrdienst geleistet. Jede zweite Familie in der Region hatte einen Sohn bei uns“, sagte Ivanovic. Er bedauerte, dass die allgemeine Wehrpflicht als „Gesellschaftskitt“ entfalle und die Bundeswehr auch in Ellwangen nicht mehr wie früher in der Bevölkerung verankert sei.

Grab überbringt Glückwünsche der Stadt

Bürgermeister Volker Grab überbrachte die Glückwünsche der Stadt. In Ellwangen hätten Bundeswehrangehörige eine Heimat gefunden. Nicht zufällig ziere die Ellwanger Lilie das Wappen des Bataillons. Aus der Verwurzelung in Stadt und Region hätten sich Patenschaften im schwäbischen und fränkischen Raum entwickelt. Die Tradition werde fortgeführt, die Erinnerung aufrechterhalten. In der Schließung des Bundeswehr-Standorts Ellwangen und ersten Schritten der Konversion sah Grab aber auch eine Chance. Er nannte den im historischen Teil der Kaserne geplanten Bildungscampus mit dem Leuchtturmprojekt Europäische Ausbildungs- und Transferakademie und den vom Gemeinderat beschlossenen Bebauungsplan Karl-Stirner-Straße, der den Bereich der ehemaligen Standortverwaltung der Reinhardt-Kaserne umfasst. Hier soll ein attraktives Wohngebiet entstehen. Im ungenutzten Teil der Kaserne die Landeserstaufnahme LEA für Flüchtlinge einzurichten, sei eine „humanitäre Verpflichtung“ gewesen, so Grab weiter.

Ein Grußwort für die früheren Patengemeinden Dinkelsbühl, Herrieden, Bechhofen, Stimpfach und Oberrot sprach Oberrots ehemaliger Bürgermeister Günter Mayr. Zwar endeten die Patenschaften mit der Auflösung des Transportbataillons 465 vor vier Jahren, doch seien fruchtbare Beziehungen und persönliche Freundschaften durch den Verein erfolgreich belebt worden.

„25 Jahre Vorsitz: das sind auch 25 Jahre Ehrenamt“, sagte Roderich Kiesewetter und dankte Momcilo Ivanovic für sein Engagement. Die reduzierte Bundeswehr wieder aufzubauen, sei „Ausrüstung“, nicht „Aufrüstung.“ Man brauche wieder Vertrauen in die militärische Führung. „Die Welt hier ist zwar nicht in Ordnung“, so Kiesewetter, „aber es gibt ein Gespür für Ordnung.“

Mit festlicher Tafel im Casino Oase, Musik und Tanz ging der Abend zu Ende. Fünf wertvolle Erinnerungsstücke aus dem Vereinsbestand, darunter ein Teller mit Ellwanger Stadtansicht und silbernem Rand, wurden versteigert. Für welchen guten Zweck, entscheidet der Vorstand in Kürze.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen