Ort des Zuhörens sucht Mitstreiter

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 Seit fünf Jahren gibt es in Ellwangen den Ort des Zuhörens. Nun sucht das Team neue Mitstreiter. Von links: Pater Reinhold Baum
Seit fünf Jahren gibt es in Ellwangen den Ort des Zuhörens. Nun sucht das Team neue Mitstreiter. Von links: Pater Reinhold Baumann, Volker Pudör, Eva Wohlgemuth, Annemarie Lutz, Anita Beck und Dorothea Steidle. (Foto: gr)
Redakteurin Ellwangen/stellv. Redaktionsleitung

Manchmal hilft es, mit jemandem zu sprechen. Manchmal geht das einfacher mit Menschen, die man nicht kennt. Dafür gibt es die Orte des Zuhörens. Das sind ehrenamtliche Gesprächspartner, die zuhören, aber auch mit Informationen weiterhelfen. Vor fünf Jahren wurden der Ort des Zuhörens in Ellwangen gegründet. Jetzt sucht das Team neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Zwölf Männer und Frauen teilen sich den Dienst. Immer zu zweit sind sie mittwochs zwei Stunden in Tonis Ladencafé. Die Caritas, die das Projekt betreut, ist schräg gegenüber. Deren Büro steht für vertrauliche Gespräche zur Verfügung. Ratschläge geben die Ehrenamtlichen nicht. Sie hören zu und helfen, wenn gewünscht, weiter. Mit Adressen, Informationen oder Anrufen bei zuständigen Stellen. Sie verstehen sich als Lotsen und Türöffner. Zu ihnen kommen junge und alte Ellwanger und ihre Themen sind so verschieden wie die Menschen. Mal geht es um Ehe- oder Erziehungsprobleme, mal einfach nur ums Reden. Einsame Menschen gibt es auch hier genug.

Erpressung durch ein Inkassobüro

An diesem Mittwoch hatten es Pater Reinhold Baumann und Annemarie Utz mit einer Erpressung zu tun, einem Brief von einem Inkassobüro, das dem Empfänger mit Zwangsvollstreckung gedroht hat. „Das war eindeutig Betrugsabsicht“, sagt Volker Pudör, denn bei genauer Betrachtung hat nichts an dem Brief gestimmt. Er sollte Angst machen. Ein Fall mehr, warum der Ort des Zuhörens wichtig ist. Auch wenn nicht jeden Mittwoch jemand kommt, um zu reden. „Aber für die, die kommen, waren wir wichtig“, sagt Dorothea Steidle.

Sie und Anita Beck sind Mitarbeiterinnen der Caritas und betreuen den Ort des Zuhörens. Immer wieder überlegen sie mit den Ehrenamtlichen, an welchen Orten sie die Menschen erreichen. Die Basilika ist so ein Ort, um gut ins Gespräch zu kommen, aber leider zu kalt, wenn man wie die Ehrenamtlichen zwei Stunden bleibt. Auch bei der Vesperkirche bieten sie Gespräche an.

Wie oft sie mitmachen, entscheiden die Ehrenamtlichen selbst. Das kann einmal in der Woche, im Monat oder im Quartal sein. Die Ehrenamtliche arbeiten immer zu zweit als Tandem, aber nicht immer in der gleichen Zusammensetzung. So ergänzen sie sich, lernen immer wieder Neues, helfen sich gegenseitig weiter und wenn beide nicht weiterwissen, sind im Hintergrund Anita Beck und Dorothea Steidle zu erreichen, die mit ihrer Erfahrung weiterhelfen. Regelmäßig treffen sich alle, um Fragen zu besprechen. Manchmal werden auch Referenten geholt, einmal zum Beispiel zum Thema psychische Krankheiten.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich gezeigt, das Zuhören manchmal nicht reicht. Dann ist tatkräftigere Hilfe gefordert. Deshalb gibt es jetzt die Papiertiger. Immer donnerstags nach Anmeldung helfen Volker Pudör und die anderen beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen, beim Verstehen von Bescheiden. Im Jobcenter dürfen die Mitarbeiter zum Beispiel gar nicht helfen, Anträge auszufüllen, sagt Pudör, der sich als ehemaliger Betriebsrat und Schwerbehindertenbeauftragter gut auskennt und seine Gesprächspartner auch mal auf die Ämter begleitet. So verändern sich die Orte des Zuhörens immer wieder.

Sorgen, dass sie der Aufgabe nicht gewachsen wären, brauchen sich die Neuen nicht zu machen. Zum einen sind sie nie allein in den Gesprächen, zum anderen werden bei der Bedarf Schulungen angeboten. Und sollten sich ganz viele melden, was alle hoffen, dann würden Beck und Steidle wie zum Start vor fünf Jahren einen Einstiegskurs organisieren.

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