Offen sein für Menschen mit Behinderung

Lesedauer: 6 Min

Die Seelsorgeeinheit Ellwangen möchte in einer Fragebogen-Aktion herausfinden, wie die Situation von Menschen mit Behinderung i
(Foto: Shutterstock)
Beate Gralla

Alle Menschen sollen so leben können, wie sie wollen. Das ist das Ziel von Inklusion, also dem Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen. Wie es damit bestellt ist, untersucht der Inklusions-Check der Caritas in der Seelsorgeeinheit Ellwangen. Die 5500 Haushalte finden dazu am Wochenende einen Fragebogen in ihrem Briefkasten. Außerdem wird am Sonntag, 21. September, im Gottesdienst darauf aufmerksam gemacht.

Das Ergebnis der Fragebogenaktion soll im November vorgestellt werden. Dann wird es auch ein Handlungsleitfaden geben, den alle Kirchengemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart nutzen können. Gefördert wird der Inklusions-Check vom Sozialministerium in Baden-Württemberg.

Situation erfassen

Beim Fragebogen, den die Ellwanger Projektgruppe zusammen mit der Dualen Hochschule Heidenheim ausgearbeitet hat, geht es darum herauszufinden, wie die Situation derzeit ist. Dazu werden die Gemeindemitglieder gefragt, ob sie in ihrem nahen Umfeld Menschen mit Behinderungen begegnen, wie sie deren Situation in der Kirchengemeinde einschätzen, ob Menschen mit Behinderungen akzeptiert sind, ob sie in die Gestaltung von Angeboten einbezogen werden und ob sie beispielsweise im Kirchengemeinderat sein sollten. Für die Seelsorgeeinheit Ellwangen ist Inklusion schon deshalb ein Thema, weil hier mit Rabenhof, Christophorus-Werkstatt und diversen Wohnprojekten viele Menschen mit Behinderung leben.

Eine Art Vorläuferumfrage hat es in Heilig Geist gegeben. Das war im Juni. Damals waren nach dem Gottesdienst 227 Fragebogen verteilt worden, 15 Prozent sind ausgefüllt abgegeben worden. Ein Drittel waren Betroffene, ein Drittel deren Angehörigen oder Mitarbeiter entsprechender Einrichtungen und ein Drittel Kirchgänger ohne Behinderung oder persönliche Betroffenheit. Der Rücklauf, als gut gelten 25 bis 30 Prozent, war nicht umwerfend, sagt Anita Beck von der Caritas. Sie betreut das Projekt Inklusions-Check in Ellwangen. Das Fazit: Menschen mit Behinderung werden nicht abgelehnt. Sie fühlen sich auch nicht ausgeschlossen, wenn Begegnungen stattfinden, zum Beispiel bei Gemeindefesten. Aber solche Begegnungen kommen eben zu selten vor.

„Wir müssen schon früher an Menschen mit Behinderung denken und sie in die Planung mit einbeziehen“, findet Beck. Beispiel Vesperkirche: Da werde schon bei der Vorbereitung nachgedacht, wen man einbinden könne. Wie das gehen kann, darüber tauscht sich eine so genannte Kerngruppe aus, in der Menschen mit Behinderung, Eltern mit behinderten Kindern, Vertreter der entsprechenden Einrichtung, der Caritas und der Kirchengemeinde sitzen.

Mehr möglich machen

„Am Anfang hatten wir das Gefühl, alles ist in Ordnung. Jetzt merken wir, wir sollten mehr möglich machen.“ Viele Wünsche würden erst im Gespräch geäußert, sagt Beck und erzählt von dem Mann, der gern zum festen Lektorenkreis seiner Gemeinde gehören möchte. Das muss man erst mal wissen.

Es gibt auch positive Beispiele von Inklusion, wie den Bewohner des Rabenhofs, der seit Jahren im Kirchenchor mitsingt. Wobei hier deutlich wird, dass Behinderung nicht gleich Behinderung ist. Ein Mensch mit körperlicher Behinderung scheitert an den Treppen zur Empore. Allen alles zu ermöglichen, wird wohl ein frommer Wunsch bleiben: Teilhabe heißt auch zu erkennen, wo die Grenzen sind, sagt Beck.

Zum Miteinander gehört für Pfarrer Michael Windisch, die Informationen zur nächsten Kirchengemeinderatswahl so zu formulieren, dass jeder versteht, worum es geht. Oder die Basilika für alle zugänglich zu machen und davon auch das Denkmalamt zu überzeugen. Der Eingang hat zwar keine Stufen, dafür ist die Tür so schwer, dass ein Rollstuhlfahrer sie ohne Hilfe nicht aufbekommt. Bei einem elektrischen Türöffner am historischen Gebäude hätte wieder das Denkmalamt mitzureden. „Wir müssen die eingefahrenen Dinge hinterfragen“, sind sich Windisch und Beck einig.

Der Fragebogen „Wie inklusiv ist unsere Kirchengemeinde“ wird am Wochenende an alle 5500 Haushalte der Seelsorgeeinheit Ellwangen verteilt. Er kann bis 5. Oktober zurückgegeben werden. Dazu stehen Boxen in der Basilika und in den Kirchen Heilig Geist, Sankt Wolfgang, Sankt Patrizius und Neunheim. Er kann in den Pfarrbüros und bei der Caritas in der Badgasse 4 abgegeben werden oder per Post zurückgeschickt werden. Dafür liegt ein Umschlag bei.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen