OB Hilsenbek trägt seine Absetzung mit Fassung

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Schwäbische Zeitung

Ach, es ist ein Abschied mit Wehmut gewesen, den die Narrenpolizei beim Sturm aufs Rathaus vom Ellwanger Stadtoberhaupt genommen hat. Stattlich hat er ausgesehen, König Karl I. Hilsenbek, im roten Hermelin (oder so ähnlich), die kinnlange Haarpracht geschmückt mit Funkelndem, auch wenn Napo-Chef Joschi Ziegler die Krone „ein bissle arg üppig“ fand. Überhaupt machte die Rathaus-Crew nach dem Motto „Adel verpflichtet“ was her. Doch Ziegler kannte kein Erbarmen: „Eure prunkvollen Kostüme haben beim Pranger kein Gewicht, Napo, schnappt euch den OB und Abmarsch zum Fuchseck zum Narrengericht.“

Und weil’s das letzte Mal war und König Karl altgedient ist, trug ihn die Napo in einer Sänfte zum Fuchseck. Noblesse oblige. Da sind ihm fast die Tränen gekommen „Ab jetzt gehört Ellwangen den Narren“, verkündete Seine Majestät. Doch bevor er dem Joschi den Schlüssel zum Rathaus „bis morgen“ überreichte, rockte er zum Hit der Napo-Band „Schmiedstroß“, wie es sich für den „Ober-Karle“ gehört.

Napo, Virngrundkrähen und Feuerteufel machten aus der Sänfte einen Helikopter und ruckelten und schuckelten den Karle so heftig durch, dass einem beim bloßen Zusehen Hören und Sehen verging: Doch in 16 Amtsjahren gestählt, entstieg er dem wackligen Gefährt nicht nur unbeschadet, sondern antwortete Ziegler in wohlgesetzten Reimen: „Zum letzten Mal steh‘ ich heut‘ hier, sag Lebewohl der Napo und auch dir.“

Auch Bürgermeister Grab kann dem Spott nicht entkommen

Seine Regierung könne so schlecht nicht gewesen sein, wenn man ihn in einer Sänfte trage: „Doch Schluss damit, es ist vorbei, ab Juli bin ich frank und frei.“ Und weil’s im Rathaus an Frauen fehle, überreichte der Ober-Karle Zepter und Reichsapfel kurzerhand dem Spitalgoischtle Maria Ohrnberger: „So rat‘ ich euch, schaut hin und macht sie zu eurer Königin. Maria die Erste ist unter den Frauen nicht die Verkehrteste.“

Auch Volker Grab entging Spott und Pranger nicht: „Den Napo-Besen in der Herbsteszeit, den umging er wieder meilenweit. Statt sich hier im Hause einzufindien, reist der Kerle ab nach Indien.“ Zur Strafe muss er den schweren Bembel um den Hals tragen. Tröstlich: „Wir hoffen, er bleibt uns als erster Bürgermeister erhalten, wir lassen uns gerne von ihm verwalten.“

An den Pranger, pardon, in die Sänfte mussten auch Ex-Ordnungsamtsleiter Harry Irtenkauf, der in der Napo den Hilfspolizisten geben darf, FCV-Ehrenpräsident Dieter Groß, der „Skoda-Schlangenfanger“ Kersten Borst und Polizeichef Stephan Schlotz. Ihm versprach die Napo Schutz und Geleit.

„Man wird’s schon sehn, ob es wohl wieder wird so schön“, reimte Joschi Ziegler zum Abschied. „Ein letztes Mal am Prangerloch, OB Hilsenbek, er lebe hoch.“ Der so Geehrte ließ Golddukaten auf seine Untertanen regnen. Ein dreifach donnerndes „NaNa PoPo“ auf König Karl I. und ein dreifach donnerndes „Schlaft gut“ aufs Rathaus!

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