Nazi-Schmierereien in Ellwanger Unterführung

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Schwäbische Zeitung
Redakteur Digitales

Hakenkreuze, Hassparolen und verhöhnende Schmierereien sind über die erst am vergangenen Freitag fertig gewordenenen Bilder von Schülern der Ellwanger Buchenbergschule gesprüht worden. Diese hat die Polizei am Dienstagmorgen in der Unterführung an der Hermann-Weller-Straße vorgefunden. Auch Oberbürgermeister Karl Hilsenbek hat die Schmierereien beim Joggen am Morgen entdeckt. Ein oder mehrere Unbekannte haben, vermutlich in der Nacht, die Wände verunstaltet.

„Schlimmer geht es nicht, was hier passiert ist“, sagt Oberbürgermeister Karl Hilsenbek sichtlich zornig, als er die Schmierereien begutachtet. „Einfach nur unterirdisch“, fügt der Pressesprecher der Stadt, Anselm Grupp, hinzu. Das ist eine riesen Sauerei und kriminell, so Hilsenbek mit Blick auf die Hakenkreuze und Parolen, die sich auch gegen Flüchtlinge richten.

Die Polizei habe den Fall bereits aufgenommen und den Staatsschutz des Polizeipräsidiums Aalen informiert. Diesem werden Fotos der Schmierereien übermittelt, die die Polizei vor Ort gemacht hat, so Bernhard Kohn vom Präsidium Aalen. „Es ist auch in unserem Interesse, dass diese Sudeleien so schnell wie möglich wegkommen“, sagt er.

Auch die Stadt Ellwangen will sich bemühen, die Wand schnellstmöglich von den Symbolen zu befreien. „Jeder Tag ist zu viel, an dem das zu sehen ist“, sagt Grupp.

Zweite Lackschutzschicht fehlte noch

Die Schmierereien sind nicht nur eine Schande für die Stadt, wie Hilsenbek sagt, sondern auch ein Schlag für die Schüler, die die Bilder gemalt haben. Verhöhnende Sprüche sind über oder deckend über die ganzen Zeichnungen gesprüht worden. Erst am Montag hat der Baubetriebshof eine schützende Lackschicht angebracht, am Dienstag hätte die zweite Schicht aufgetragen werden sollen.

„Dann hätte man die Schmierereien einfach abwaschen können. Die Bilder wären erhalten geblieben. Da die zweite Schicht noch fehlt, wissen wir nicht, ob es abgeht“, so Hilsenbek. Daher geht der Oberbürgermeister auch von einer gezielten und zeitlich abgepassten Tat aus. Die Schüler hatten ihr Kunstwerk erst am vergangenen Freitag beendet.

Der Bauhof werde trotzdem versuchen, die Schmierereien abzuwaschen. Wenn sie nicht abgehen, will die Stadt gemeinsam mit der Schule erneut an die Wände ran und den Schaden, so gut es geht, reparieren.

Die Schüler sind wütend und enttäuscht

Die Schüler, die die Unterführung verschönert hatten, waren am Dienstagmorgen bereits dort. „Die sind wütend und enttäuscht, dass die Arbeit jetzt kaputt ist“, sagt der Schulleiter der Buchenbergschule, Anton Bosanis. Die Zeichnungen seien ein riesen Zeitaufwand gewesen und aus einer AG heraus entstanden, die aus Schülern unterschiedlicher Klassen bestehe. „Was man auch sehen muss, ist, dass die Schüler dann wieder im Unterricht fehlen, wenn sie erneut die Arbeiten aufnehmen“, sagt Bosanis. „Wir wollen es aber wieder so hinbekommen, wie es war. Wäre ja schade drum.“

Ein paar hundert Meter weiter, an der Bahnunterführung in Richtung Mühlgraben, wurde ebenfalls ein Hakenkreuz mit dazugehöriger Parole gesprüht. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um den oder die gleichen Täter handelt. Die Anzeige, die bei der Polizei eingegangen ist, lautet auf Sachbeschädigung und Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole.

Die Täter festzustellen, ist schwer. „Tendenziell ist das jemand, der sich freut, dass er eine Büchse Farbe hat“, sagt Kohn vom Polizeipräsidium Aalen. Oftmals seien es Feiglinge, die sich nicht anders auszudrücken wissen, fügt er an.

Ob es sich dabei um einen rechtsradikalen Hintergrund oder „dummen Jungenstreich“ handelt, ist schwer zu ermitteln. „Selbst wenn wir einen Täter haben. Wir wissen ja nicht, was bei dem im Kopf abgeht“, sagt Kohn.

Wer etwas beobachtet hat, Hinweise zur Tat machen kann oder wem etwas in der Nacht von Montag auf Dienstag an oder in der Unterführung augefallen ist, meldet dies beim Polizeirevier Ellwangen unter der Telefonnummer 07961 / 9300.

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