„Muss i denn zum Städtele hinaus“

Lesedauer: 5 Min
Freier Mitarbeiter

Dass man Chorgesang und Stadtgeschichte wunderbar kombinieren kann, haben der Ellwanger Chor Intonata unter der Leitung von Anke Renschler und Stadtführerin Ruth Julius auf eindrucksvolle und amüsante Weise bewiesen. Bei der eineinhalbstündigen musikalischen Stadtführung durch Ellwangen wurde so manches musikalische Bonbon und historische Schmankerl kredenzt.

Gekommen sind 35 Gäste, doppelt so viele hätten gerne teilgenommen. Deshalb wird überlegt, im nächsten Jahr zwei solche Stadtführungen anzubieten. Die Lieder und historischen Informationen waren perfekt aufeinander abgestimmt. An der Adler-Apotheke, dem ehemaligen Gasthaus Schwarzer Adler mit Poststation, ging Ruth Julius auf die berühmtesten Gäste ein, Johann Wolfgang von Goethe und Wolfgang Amadeus Mozart. Was passt dazu besser als die A-cappella-Version von Mozarts „Kleiner Nachtmusik“. Mit dem Hit „I am walking“ gelangten die Spaziergänger zum Stadttürmle der 1756 erstmals und 1958 wiedergegründeten Bürgergarde. „Nur ein Zimmerchen irgendwo“ war dort zu hören.

Eine Zentaurin in Dessous

„Weit weit weg“ sangen die gut 30 Frauen und Männer dann mehrstimmig im lauschigen Innenhof von Juwelier Hunke. Denn Ruth Julius erzählte von dem früheren Besitzer des Häuschens, einem Gerber, der an der Galerie seine Felle zum Trocknen aufgehängt hatte, die nicht gut gerochen haben.

Mit „Alta trinita beata“ wurde es am Portal der Marienkirche, bis 1818 zweite Pfarrkirche der Stadt, fronleichnamsmäßig feierlich. Und da in unmittelbarer Nähe von 2000 bis 2006 das rote Pferd von der Pferdeaktion „Schwing die Hufe“ stand, erinnerte der Chor mit dem selbst verfassten Lied „Dessous“ von Anke Renschler an das Schicksal dieser Zentaurin, einem Wesen mit weiblichem Oberkörper und Pferdeleib. Das Pferd war in den Augen vieler Kirchgänger ein Schandfleck und sollte zur Fronleichnamsprozession weichen. Dann jedoch kam es anders, die nackte Dame trug zum kirchlichen Hochfest gesittet Slip und BH. Die Teilnehmer der Stadtführung konnten auch einen Blick auf die Grabstätte des Pferdes werfen.

Am Stadtturm an der Straße An der Mauer, der in Privatbesitz ist und als Ferienappartement vermietet wird, amüsierte Ruth Julius ihre Zuhörer mit einem Erlebnis bei einer anderen Stadtführung: Da blickte die 30-köpfige reine Frauengruppe neugierig durch das Fenster auf den Fernseher. Der Grund: Der junge Mieter schaute sich gerade einen Porno an.

„Freude schöner Götterfunken“ im Barockgarten

Im Barockgarten des Palais Adelmann erklang „Freude schöner Götterfunken“, am Zollwärterhäuschen das bekannte Volkslied „Muss i denn zum Städtele hinaus“. Ruth Julius berichtete wegen des Schriftzugs Horex von der Leidenschaft des Hausbesitzers, alte Horex-Motorräder zu sammeln, und vom gleichnamigen Bad Homburger Motorradproduzenten, der auch Rex-Einmachgläser fabrizierte.

In der Adelmanngasse erzählte Julius von der alten Wagnerei und dem späteren Hausbesitzer Fritz Köder, der sein ganzes Vermögen der Bürgergarde vermachte. Auf der Freitreppe des Palais Adelmann erklang „Daydream Lullaby“ und auf dem Marktplatz mit Blick auf Basilika und Stifstherrenhäuser „What a wonderful world“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen