Mehr bezahlbarer Wohnraum für Ellwangen

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 Noch sieht Ellwangens neues Baugebiet so aus. Im Technikbereich der alten Kaseren, wo früher die Lastwagen der Bundeswehr gewar
Noch sieht Ellwangens neues Baugebiet so aus. Im Technikbereich der alten Kaseren, wo früher die Lastwagen der Bundeswehr gewartet wurden, sollen langfristig Wohnungen entstehen. (Foto: Beate Gralla)
Redakteurin Ellwangen/stellv. Redaktionsleitung

Nicht nur in Großstädten, auch in Ellwangen fehlen Wohnungen, vor allem bezahlbare. Um das zu ändern, hat der Gemeinderat zwei entscheidende Weichen gestellt.

Zum einen geht es um die weitere Entwicklung des Kasernengeländes. Davon wird derzeit nur ein kleiner Teil genutzt. Im historischen Teil ist das Bundessprachenamt, am anderen Ende die LEA. Dazwischen wird gerade an der Eata gebaut. In den Sanitätsbereich soll die Gesundheitsakademie des Landkreises ziehen, deren Konzept im Juni vorgestellt wird. Der ganze Rest, endlose Reihen von Hallen, steht leer.

Das Stadtplanungsamt hat Szenarien ausgearbeitet, wie dieser Teil, auch der Bereich der LEA, künftig genutzt werden könnte. Vorgesehen sind ein kleinerer Bereich für Dienstleistungen und große Bereiche für Wohnen. Stadtnah, Süd-West-Lage, gute Verkehrsanbindung an die Bahn in Schrezheim und die B 290, die Kaserne ist ein Filetstück, fand Oberbürgermeister Karl Hilsenbek. Teile des Technikbereichs ließen sich sofort entwickeln, der Rest, wenn der Vertrag für die LEA 2022 endet.

Weiteres Wohngebiet angedacht

Die Nutzungen sollen natürlich zusammenpassen, betonte Michael Bader vom Stadtplanungsamt. Deshalb ist unterhalb des Baugebiets Karl-Stirner-Straße, das gerade erschlossen wird, ein weiteres Wohngebiet angedacht. Nah an der Bundesstraße wäre dann Platz für Dienstleistungen, aber auch Wohnen. Allzu detailreich ist das alles noch nicht ausgearbeitet, als nächstes kommt ein Strukturkonzept, auf dem dann die Bebauungspläne entwickelt werden, kündigte Bader an.

Der Technikbereich soll zuerst überplant werden

Jetzt gehe es erst einmal um die Schwerpunktbildung mit Bildung (Eata, Gesundheitsakademie), Wohnen und Dienstleistung und um die Überlegung, was zusammenpasst, sagte der OB. Ansonsten wolle man offen bleiben, schließlich wisse man noch nicht, welche Anfragen kämen.

Von jetzt auf nachher wird das alles nicht umgesetzt. Losgehen könnte die Planung im Technikbereich von Nord nach Süd. Die Stadt müsse die Flächen aber noch mit dem Bund und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), ihr gehören alle Grundstücke des Bundes, entwickeln.

Im Rat war die Erleichterung groß, dass die Konversion des Bundeswehrgeländes nun Gestalt annimmt, auch weil das neue Baugebiet keine landwirtschaftlichen Flächen verbraucht. Fragen, wie der Verkehr geregelt wird, damit die Bundesstraße und die Dalkinger Straße nicht über Gebühr belastet werden oder wie flexibel die verschiedenen Nutzungen gehandhabt werden, sollen in den nächsten Bearbeitungsschritten beantwortet werden.

Förderprogramm soll Wohnungsbau vorantreiben

Der zweite Punkt, der den Wohnungsbau vorantreiben soll, ist das Wohnbauförderprogramm der Stadt. Das passe genau in die bundesweite Diskussion um bezahlbaren Wohnraum, sagte OB Hilsenbek. Das städtische Förderprogramm dockt dabei an das Landeswohnbauprogramm an, sprich gefördert werden nur Objekte, die auch vom Land bezuschusst werden. Folgende Vorgaben sollen gelten:

  • Die Voraussetzungen nach dem Landeswohnbauprogramm müssen eingehalten werden, dazu zählen Einkommensgrenzen, Wohnungsgrößen (Ein-Zimmer-Wohnung 23 bis 45 Quadratmeter, Fünf-Zimmer-Wohnung 76 bis 105 Quadratmeter) und Energiestandard.
  • Der Mietpreis darf die ortsübliche Vergleichsmiete abzüglich der festgesetzten Minderung durch das Förderprogramm nicht überschreiten. Diese Minderung liegt laut Wolfgang Baur vom Liegenschaftsamt zwischen 20 und 40 Prozent, die Mieten wären also um 20 bis 40 Prozent günstiger als die Vergleichsmieten. Wie die Vergleichsmiete ermittelt wird, ist laut Baur noch offen. Ellwangen hat keinen Mietspiegel.
  • Der Käufer muss nachweisen, dass die Wohnung 15 Jahre lang nur an Mieter mit Wohnberechtigungsschein vermietet wird.
  • Pro Quadratmeter mietpreisgebundenem Wohnraum bezahlt die Stadt einen Zuschuss von 150, maximal 15 000 Euro. Der Höchstzuschuss pro Gebäude liegt bei 45 000 Euro.
  • Die Förderung wird über eine Grundschuld abgesichert. Bei vorzeitiger Fehlbelegung ist der städtische Zuschuss ganz oder anteilig zurückzuzahlen.
  • Der Antrag auf Förderung muss vor Fertigstellung der Wohnung und deren erstem Bezug gestellt werden.

Wir brauchen Ein-Familien-Grundstücke und bezahlbare Wohnungen. Das dient den Bürgern. Rolf Merz, Gemeinderat (CDU)

Rolf Merz (CDU) nannte das Wohnbauförderprogramm wichtig und richtig: „Wir brauchen Ein-Familien-Grundstücke und bezahlbare Wohnungen. Das dient den Bürgern.“ Auch die SPD unterstütze das Programm, sagte Herbert Hieber (SPD). Gerade auch in Verbindung mit den Wohnungsbauplänen in der Kaserne. Schließlich gebe es eine Ankündigung des Finanzausschusses des Bundestags und der Bima, bundeseigenes Gelände wie die Kaserne für sozialen Wohnungsbau preisgünstig abzugeben.

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