Marktbeschicker: Krämermarkt sollte in die Marienstraße

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Anette und Dieter Schenk aus Matzenbach klagen an ihrem Sockenstand über abnehmende Krämermarktbesucher. Viele Händler wünschen
Anette und Dieter Schenk aus Matzenbach klagen an ihrem Sockenstand über abnehmende Krämermarktbesucher. Viele Händler wünschen sich den Krämermarkt in der Marienstraße. (Foto: Josef Schneider)
Josef Schneider

Wieder einmal tote Hose auf dem Ellwanger Krämermarkt, trotz sonnigem Wetter: Nur wenige Kaufwillige haben sich am Dienstag auf die Socken gemacht, um sich auf dem Marktplatz mit Bekleidung, Wolle, Kittelschürzen, Handtaschen, Gürteln, Schmuck, Gewürzen oder mit besagten Socken einzudecken. Und die Anzahl der Stände ließ auch zu wünschen übrig, es waren keine 20. Von Marktplatzbelebung also keine Spur. Viele Beschicker wünschen sich deshalb wieder einen Krämermarkt in der Marienstraße und am Fuchseck, wie in den Zeiten der Marktplatzumgestaltung.

„Ich finde es armselig, muss ich ganz ehrlich sagen. Da ist überhaupt nichts mehr los. Es ist wirklich schade“, meint eine Mittsechzigerin aus Ellwangen zu diesem „Trauerspiel“ auf dem Marktplatz. Die Rentnerin geht auf jeden der insgesamt sieben Krämermärkte in Ellwangen und holt Wolle, denn: „Ich stricke Socken Jahr und Tag.“ Der Markt liegt der gebürtigen Ellwangerin am Herzen. Aber jetzt gebe es nicht mal mehr eine Wurst zu kaufen, klagt sie: „Da verhungerst du auf dem Krämermarkt!“

„In der Fußgängerzone war es belebter“

Und ein Marktplatzanwohner bemängelt, dass kein Stand mit Haushaltswaren und kein Stand mit Süßigkeiten wie gebrannten Mandeln da ist und kommentiert mit Blick auf die wenigen Stände und die gähnende Leere den Krämermarkt in Form einer Frage: „Der stirbt aus – oder?“ Viele Leute kauften eben über das Internet ein, meint er.

„In der Fußgängerzone war es belebter“, vergleicht Petra Schönemann aus Blaufelden die Kundenfrequenz auf dem Marktplatz mit der in der Marienstraße. Mit den dortigen Cafés und Eisdielen zum Verweilen. Auf dem Marktplatz sei eben viel zu lange Baustelle gewesen, kritisiert die Wollehändlerin: „Es hat sich alles verlaufen. Leider. Aber trotzdem lassen wir uns nicht unterkriegen. Wir wenige, die da sind. Wir kommen trotzdem!“ Beim nächsten Markt, am 19. Juni, sei ja das Public Viewing zur Fußballweltmeisterschaft: „Da dürfen wir meistens in die Fußgängerzone. Aber mal schauen!“

Petra Schönemann kommt mit ihrer Strumpfwolle zu jedem Ellwanger Markt. Dass an diesem Dienstag so wenige Marktbeschicker da sind, begründet sie mit dem gleichzeitig stattfindenden, dreitägigen Schwäbisch Gmünder Markt. Sieben Märkte in Ellwangen findet sie zu viel, in anderen vergleichbaren Städten gebe es oft nur zwei. Petra Schönemann besucht viele Märkte. „Ich bin mindestens 250 Tage im Jahr unterwegs“, verrät sie.

Parkplätze spielen eine wichtige Rolle

„Wir werden die Einzigen sein, die immer da sind“, meint Manfred Schultes vom Stand gegenüber und stimmt in die Einschätzung von Petra Schönemann mit ein: „Ich finde, als der Markt unten in der Marienstraße war, da war es für uns alle besser. Wir hätten Laufkundschaft. Und oben (auf dem Marktplatz) hätten wir Parkplätze. Das spielt heute eine sehr wichtige Rolle.“ Manfred Schultes kommt aus Fichtenau, wo die meisten der Händler herkommen, und hat Strumpfwaren im Angebot. Damit kam schon seine Großmutter nach Ellwangen. Beim Kalten Markt sei die ganze Stadt voll mit Ständen, weiß Schultes: „Aber bei normalen Märkten wird es immer weniger. Heute sind es vielleicht zwölf Händler.“ Seine Forderung: Diejenigen, die am Kalten Markt Plätze wollen, müssen sich auch das Jahr über mal blicken lassen. „Die kommen einmal im Jahr her und kassieren ab. Das kann's ja nicht sein! Das ist nicht fair gegenüber uns, die ständig da sind.“

„Ellwangen hat schwer nachgelassen“, findet Iris Seitz von der Firma Kümmerle aus Wildenstein. Sie bietet Kindermode, Kinder-, Herren- und Damenstrickware und Arbeitsbekleidung an und zählt auf Stammkunden, hätte aber auch gern Spontankäufer: „Wir kommen ja schon Jahrzehnte.“ Es sei schade um die Märkte, meint Regine Weinschenk aus Fichtenau, die mit ihren Schürzen und Socken bei Wind und Wetter da ist. Dass es auf den Märkten allgemein ruhiger geworden ist und nicht mehr so viele Kunden wie früher kommen, spürt auch Anette Schenk aus Matzenbach an ihrem Sockenstand: „Das Gute ist, dass wir keine weite Anfahrt haben.“ Aber auch Ellwangen habe sich verändert: „Ich bin ganz enttäuscht. Es sind so viele Geschäfte zu. Das ist für Ellwangen nicht so gut. Alles kommt raus auf die Grüne Wiese.“

Lob, aber auch Kritik für die Verwaltung

Schenks Sohn, ein gelernter Mechatroniker, ist vor fünf Jahren in das elterliche Geschäft eingestiegen, das diese bereits von den Großeltern übernommen haben. Als OB Karl Hilsenbek vorbeischaut, spricht Anette Schenks Mann Dieter von einem „marktfreundlichen Oberbürgermeister“. Und der OB lobt das Angebot an Socken: „Der nächste Winter kann kommen.“ Und Hilsenbek freut's, dass ein Stand mit Flammkuchen da ist. Was er nicht hört, ist die Stimme einer Ellwanger Geschäftsfrau, die da sagt: „Die Stadt macht die Stadt mit Gewalt voll kaputt. Wir werden nicht mehr wahrgenommen von dieser Stadt.“

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