Lustvolle Szenen einer Noch-Nicht-Ehe

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 Lust am frivolen Spiel haben Sophie Schneider als Louise und Klaus Ellmer als Alexander in der Beziehungskomödie „Glück“.
Lust am frivolen Spiel haben Sophie Schneider als Louise und Klaus Ellmer als Alexander in der Beziehungskomödie „Glück“. (Foto: Rapp-Neumann)

Stürmisch ist es gewesen am Sonntagabend, als im gut besuchten Speratushaus die Beziehungskomödie „Glück“ von Eric Assous über die Bühne ging.

Stürmisch draußen wie drinnen, denn Kinderbuchautorin Louise und Platzhirsch Alexander haben sich nichts geschenkt bei hitzigen Wortgefechten darüber, was glücklich macht. Die von Jana Kirsch quicklebendig in Szene gesetzte Aufführung des Tournee-Theaters Stuttgart sorgte für kurzweilige anderthalb Stunden.

Eine Frau, ein Mann, ein Bett, ein Tischchen mit Spiegel. Mehr braucht es nicht zum Glück. Oder doch? Nach einem heißen One-Night-Stand beginnen die Probleme beim Frühstück. Alexander, jovialer Chef des Restaurants „Provenzalischer Hirsch“ und mit herrlicher Macho-Attitüde verkörpert von Klaus Ellmer, mag so früh keinen Toast, auch nicht in Herzform, und will eigentlich gehen. Doch Louise, die Sophie Schneider ebenso kratzbürstig-eigensinnig wie naiv-liebenswert gibt, hat ihn eingeschlossen. Er hat drei Töchter und lebt in Scheidung, sie war mal Miss Hertie und ist auf der Suche nach Mister Right: „Sehen wir uns wieder?“, fragt sie bang und hat zugleich etwas gegen Männer, die „reinschneien, konsumieren und wieder abhauen“.

Er sieht das naturgemäß nüchterner: „Man muss nicht gleich die ganze Herde wegen ein paar schwarzer Schafe ausrotten.“ Im Monatstakt erleben die Zuschauer lustvolle Szenen einer Noch-Nicht-Ehe. Das ist mal Idylle, wenn er ihr die Fußnägel lackiert, mal Sturm und Drang, weil sie sich mit seinem Kellner einlässt. Mal will sie mehr, mal er, denn: „In unserem Alter fahren die Züge seltener. Wir haben mehr hinter uns, als wir vor uns haben. Da darf man nicht wählerisch sein.“

Schneider und Ellmer, Gründer und Intendant des Stuttgarter Tournee-Theaters, überzeugen mit Lust am frivolen Spiel und Wandlungsfähigkeit. Das Stück hat witzige, nicht allzu tiefschürfende Dialoge und eine prägnante Kürze. Am Ende heiraten die beiden. Dass Alexanders Ex-Frau von ihm schwanger ist, trübt das junge Glück nur kurz. Dann sagt Louise: „Glück kann jeder erreichen. Wir werden glücklich sein. Du wirst schon sehen.“ Wie‘s weitergeht, bleibt Spekulation. Der Vorhang breitet den barmherzigen Mantel des Schweigens über die Schlussszene.

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