Joachim Koch will ein politischer Kämmerer sein

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Ellwangens Kämmerer Joachim Koch vor dem Tresor der Stadtkasse. Dort liegt aber nicht das Geld der Stadt, hier werden wichtige
Ellwangens Kämmerer Joachim Koch vor dem Tresor der Stadtkasse. Dort liegt aber nicht das Geld der Stadt, hier werden wichtige Urkunden verwahrt (Foto: gr)
Redakteurin Ellwangen/stellv. Redaktionsleitung

Er möchte ein politischer Kämmerer sein, einer, der den Finger hebt, wenn’s seiner Ansicht nach in die falsche Richtung geht. Das sagt Joachim Koch. Vor 100 Tagen hat er sein Amt in der Ellwanger Stadtverwaltung angetreten. Die aktuelle Finanzlage bewertet er als solide und robust.

Dennoch, das Investitionsprogramm ist ambitioniert, räumt Koch ein. Er habe aber auch den Eindruck, das werde vom Gewerbe und den Einwohnern erwartet. Ganz oben auf der Liste steht die Landesgartenschau, mit geschätzten Kosten von 30 Millionen Euro, wobei der Entscheid des Gemeinderats noch aussteht. Er muss den Zuschlag noch per Mehrheitsbeschluss akzeptieren. Der Breitbrandausbau kostet rund 5,5 Millionen Euro (davon gehen noch Zuschüsse ab), für den Ausbau von Radwegen und Spielflächen will die Stadt jährlich je 250 000 Euro lockermachen. In der Kinderbetreuung müssen dank der vielen Geburten neue Plätze geschaffen werden. Die Bevölkerung erwarte, dass diese Aufgaben verantwortungsbewusst erledigt werden, sagt Koch.

Investitionen für die nachfolgenden Generationen

Investitionen seien gerechtfertigt, wenn auch die nachfolgenden Generationen davon profitieren, sagt der Kämmerer. Dazu zählt er Investitionen in die Infrastruktur oder in städtebauliche Maßnahmen wie die Konversion, also die neue Nutzung des Kasernenareals, die Landesgartenschau, den Breitbandausbau oder die Ausgaben für Bildung. Parallel dazu müssten aber auch der Haushalt konsolidiert und Schulden abgebaut werden.

In diesem Jahr gelingt das wohl. Die Stadt muss, anders als geplant, keine neuen Schulden aufnehmen und kann sogar eine Million Euro Schulden abbauen. Zum Jahresende 2017 lag die Verschuldung bei rund 22 Millionen Euro, macht pro Kopf 900 Euro. Damit liegt Ellwangen aber über dem Durchschnitt des Ostalbkreises (645 Euro) und des Landes (550 Euro). Zählt man die Eigenbetriebe mit, sind es sogar 2000 Euro pro Kopf (Kreis: 1095 Euro, Land: 1175 Euro). Andererseits habe die Stadt auch ein Vermögen von rund 200 Millionen Euro auf der Habenseite.

Zu verdanken ist das der guten Konjunktur. Zum zweiten Mal in Folge hat Ellwangen deutlich höhere Gewerbesteuereinnahmen als geplant, 2017 waren es rund 4,4 Millionen Euro mehr, 2018 werden es wohl 6,5 Millionen Euro mehr sein. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Zwei Jahre später steigen die entsprechenden Umlagen und fressen einen Teil der Mehreinnahmen wieder auf.

Die gute Konjunktur dürfe einen nicht dazu verleiten, sich jetzt alle Wünsche erfüllen zu wollen. Man dürfe auch in guten Zeiten den Haushalt nicht über Gebühr strapazieren, warnt Koch. Das gehe bei einer Stadt so wenig wie zu Hause in der Familie. Bei der Stadt hat zudem noch die Rechtsaufsicht den Daumen drauf. Sie prüft immer, ob die Kommune auch langfristig in der Lage ist, ihre Zinsen und Tilgungen aus eigener Kraft zu bedienen. Ist das nicht möglich, darf eine Stadt keine neuen Kredite aufnehmen.

Für Koch ist das nachhaltige Finanzierung. Und das heißt für ihn auch, im Haushalt 2019 Prioritäten zu setzen. Nachhaltig soll auch sein Engagement bei der Stadt sein. Sich wie seine Vorgängerin Sabine Heidrich als Bürgermeister zu bewerben, schließt der 46-Jährige zumindest für die nächsten Jahre aus.

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