Integrationsbeauftragter: „Fußball schafft Teamgeist“

 Jürgen Schäfer, Integrationsbeauftragter der Stadt Ellwangen, im Weltmeistertrikot von 2014. Er tippt bei der EM auf Deutschlan
Jürgen Schäfer, Integrationsbeauftragter der Stadt Ellwangen, im Weltmeistertrikot von 2014. Er tippt bei der EM auf Deutschland. (Foto: privat)
Stellv. Redaktionsleiter / Redakteur Ellwangen

Am Freitag beginnt die Fußball-EM. Zum Auftakt treffen Italien und die Türkei aufeinander. Sowohl die italienischen als auch die türkischen Fans gelten als besonders leidenschaftlich. Darüber und über die integrative Kraft des Fußballs hat Redakteur Alexander Gässler mit dem Ellwanger Integrationsbeauftragten Jürgen Schäfer gesprochen.

Herr Schäfer, wie hoch ist das Fußball-Fieber in Ellwangen, besonders in der türkischen und italienischen „Community“?

Die Fußball-EM beginnt mit einem hochinteressanten Eröffnungsspiel im Olympiastadion in Rom. Italien und die Türkei haben zuletzt eine ziemliche Durststrecke durchlaufen. Der negative Höhepunkt beider Mannschaften war sicherlich das Verpassen der WM 2018. Und deshalb fiebern die türkischen und italienischen Anhänger umso mehr dem Anpfiff herbei.

Rechnet die Stadt mit einem Autokorso am ersten Tag? Und wäre das aktuell überhaupt erlaubt?

Es ist gut möglich, dass nach dem Auftaktspiel ein Autokorso in Ellwangen stattfindet. Autokorsos sind streng genommen nicht erlaubt, werden aber in der Regel – wie bei einer Fußball-EM – geduldet.

Ein Durchfahren der Innenstadtstraßen oder der Fußgängerzone werden wir aber unterbinden.

Was gilt im Auto?

Sofern sich Personen aus mehr als einem Haushalt im Auto aufhalten, muss eine Maske getragen werden. Geimpfte oder genesene Personen sowie Kinder bis 13 Jahre sind ausgenommen.

Auch bei einem Autokorso gilt die Straßenverkehrsordnung. Anschnallpflicht, Verkehrszeichen und Ampeln müssen unbedingt beachtet werden. Das Herauslehnen aus dem Fenster oder Schiebedach ist nicht nur verboten, sondern auch gefährlich.

Und wenn es zu spontanen Siegesfeiern auf den Straßen käme. . .

Siegesfeiern auf den Straßen sind nach den Vorschriften der aktuellen Corona-Verordnung möglich – also derzeit mit maximal zehn Personen aus bis zu drei Haushalten. Kinder der jeweiligen Haushalte bis 13 Jahre sowie geimpfte und genesene Personen werden nicht mitgezählt.

Was gilt für Gaststätten, die die Spiele zeigen?

Seit dem 9. Juni ist es aufgrund der sinkenden Inzidenzzahlen im Ost-albkreis erlaubt, dass Gaststätten bis 1 Uhr geöffnet haben. Somit können die EM-Spiele unter Einhaltung der Corona-Regeln bis zum Schluss verfolgt werden. Die Sperrzeit im Außenbereich muss allerdings eingehalten werden.

Wie viele Türken und Italiener leben eigentlich in Ellwangen?

In Ellwangen leben derzeit 199 türkische und 114 italienische Staatsangehörige. Ellwangen ist eine bunte Stadt, in der insgesamt 2540 Ausländer aus 94 Nationen leben. Fast alle EM-Mannschaften sind vertreten. Lediglich Finnland und Wales fehlen.

Was ist für Sie die integrative Kraft des Fußballs?

Die Stadt Ellwangen veranstaltet seit vielen Jahren ein Fußballspiel der Nationen. Wir setzen uns dabei für eine echte Willkommenskultur ein und sprechen uns damit auch gegen jede Art von Rassismus und Diskriminierung aus. Fußball hat eine verbindende Kraft.

Er grenzt niemanden aus, verbindet und schafft Teamgeist. Genau diesen Zusammenhalt möchten wir damit stärken – 1:0 für eine echte Willkommenskultur in Ellwangen.

Hand aufs Herz: Bringt der Fußball die Menschen wirklich zusammen oder bringt er sie nicht eher ausein-ander? Kaum ertönt der Anpfiff, beginnt doch der Kampf. Über 90 Minuten oder 120 bei Verlängerung . . .

Das Spiel mit dem Fußball schafft die vielleicht wichtigsten Begegnungsstätten für Ausländer, Migranten und Einheimische. Wer Fußball spielt, kommt in Kontakt: Oft wachsen Beziehungen und Freundschaften aber weit über das sportliche Miteinander hinaus.

Ihr Tipp fürs Auftaktspiel?

Mein Herz schlägt für beide Mannschaften und ich habe große Sympathien für die türkischen und italienischen Fangemeinden. Ich tippe 1:1.

Und wer wird Europameister?

Frankreich ist sicherlich der Favorit, aber ich tippe auf Deutschland.

Warum?

Es wäre an der Zeit, dass die Nationalmannschaft nach 1972, 1980 und 1996 zum vierten Mal Europameister wird. Mit Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal und Ungarn hat die DFB-Elf zwar die schwerste Gruppe dieser EM. Jedoch hat Kapitän Manuel Neuer angekündigt, dass die Nationalmannschaft die erfolgreiche Ära von Bundestrainer Jogi Löw mit einem tollen Abschluss krönen möchte, um ihm somit ein großes Geschenk zu machen.

Ein Traumfinale am 11. Juli im Wembley-Stadion wäre dann sicherlich Deutschland gegen die Les Bleus.

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