In Ellwangen entsteht Zukunftstechnologie

Lesedauer: 7 Min

Batterien sind zentrale Bestandteile für viele Geräte des täglichen Lebens. In Zukunft gilt das noch mehr als heute. Davon ist Herbert Schein, der Vorstandsvorsitzende der Varta AG, überzeugt. Denn die Miniaturisierung der Geräte schreitet voran. Daraus folgt: „Es gibt einen ganz großen Trend zu kleinen Batterien“, sagt Herbert Schein. „Und genau das ist unser Kerngeschäft.“

Zum Beispiel Mikrobatterien für Hörgeräte. Das Ellwanger Varta-Werk produziert jedes Jahr eine Milliarde Hörgerätebatterien. Und die Anwendungsgebiete für die kleinen Kraftspender nehmen zu. Das Zauberwort heißt Wearables. Gemeint sind kleine und Kleinstgeräte, die am Körper getragen werden und mit dem Smartphone kommunizieren können. Als größten Bereich dieser Wearables sieht der Varta-Vorstandsvorsitzende die schnurlosen Kopfhörer.

Schnurlose Kopfhörer sind Trendsetter

Aber auch andere Anwendungsgebiete sind im Kommen, etwa Sensoren in Babywindeln, die eine Nachricht aufs Smartphone senden, wenn die Windel feucht ist und gewechselt werden muss. Weitere Anwendungen sind intelligente Sportgeräte wie etwa Golfschläger, die mit Sensoren ausgestattet sind und es erlauben, die komplette Bewegungsbahn des Schlägers aufzuzeichnen und am Smartphone auszuwerten.

Die technische Entwicklung bei den Kopfhörern sieht Schein deshalb als entscheidend an, weil sich dort derzeit ein rasanter Wandel vollzieht: „Vor wenigen Jahren hatten die Headsets in der Regel noch ein Kabel. Und da findet derzeit die Umstellung auf schnurlos statt. Und deshalb sind die Headsets heute die Treiber für die Technologie der kleinen Batterien.“

Ein weiterer Trend: Die Batterien werden zunehmend fest in den Geräten verbaut, können also nicht mehr gewechselt werden. Dem Ellwanger Hersteller von Mikrobatterien komme dies sehr entgegen, sagt Herbert Schein: „Wenn die Batterie fest ins Gerät eingebaut ist, kommt es mehr auf hohe Qualität und Zuverlässigkeit an.“

Dies sei ein Vorteil für den traditionsreichen Ellwanger Batteriehersteller, denn die Werte Qualität und Zuverlässigkeit seien über 130 Jahre Unternehmensgeschichte fest in der Firmenphilosophie verankert. Die Qualitätssicherung beginnt für Herbert Schein bereits beim Einkauf. Schon beim Lieferanten werde die Güte der Waren kontrolliert. Alle Produktionsprozesse werden überwacht, um die Qualität der Fertigung sicherzustellen. Die alte Methode – erst fertigen und dann testen – gehört aus Sicht des Varta-Vorstandsvorsitzenden der Vergangenheit an. Der Qualitätsanspruch geht so weit, dass das Unternehmen sogar die Maschinen für die wichtigen Produktionsprozesse selbst entwickelt und zum Teil auch herstellt.

„Batterieexperten müssen wir selbst ausbilden“

Mit den internationalen Herstellern, die die Geräte der Zukunft entwickeln und fertigen, arbeitet das Ellwanger Unternehmen eng zusammen. „An solchen Technologien mitzuarbeiten, mit Unternehmen aus Asien und den USA, das macht den Mitarbeitern schon viel Spaß“, weiß Herbert Schein. Wer sich für eine Tätigkeit bei dem Batteriehersteller interessiert, hat viele Möglichkeiten, etwa in Forschung und Entwicklung, in der Produktion und im Maschinenbau, in der Logistik, in Marketing und Vertrieb oder in der Verwaltung.

Der Ellwanger Batteriehersteller setzt auf eine breite Ausbildung, denn „Batterieexperten wachsen nicht auf Bäumen“, wie Herbert Schein sagt: „Die werden nicht auf der Schule oder auf der Hochschule ausgebildet. Die müssen wir schon hier ausbilden.“ Aufstiegschancen gebe es in allen Bereichen. Auch in der Produktion sind spannende Karrierechancen möglich, was von vielen unterschätzt wird.

Verwurzelt in der Region

Dabei gilt: Die Varta AG ist in Ellwangen und der Region verwurzelt, aber rund um den Globus zuhause. Mit Standorten unter anderem in den USA, Japan und China haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Chance, auch im Ausland für das Unternehmen tätig zu sein, um dann später eventuell in die Zentrale nach Ellwangen zurückzukehren.

Derzeit beschäftigt der Konzern am Standort Ellwangen rund 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im gesamten Unternehmen sind etwa 2000 Menschen tätig. Für Herbert Schein steht fest, dass Ellwangen auch in Zukunft die Zentrale des Unternehmens bleiben wird. Das Kapital, das im vergangenen Jahr bei dem erfolgreichen Börsengang eingesammelt wurde, soll „definitiv“ zum allergrößten Teil in Deutschland investiert werden, sagt der Vorstandsvorsitzende: „Damit zementieren wir die Zukunft der deutschen Standorte, insbesondere im Stammwerk Ellwangen.“

An der Jagst soll die Produktion von kleinen Lithium-Ionen-Batterien massiv ausgebaut werden. Dadurch soll auch die Mitarbeiterzahl kontinuierlich steigen – mit nachhaltigen, zukunftssicheren Arbeitsplätzen. Auch hier bleibt der Konzern seiner über 130-jährigen Firmengeschichte treu. Denn regelmäßig ehrt der Batteriekonzern Kolleginnen und Kollegen, die lange oder sogar ihr ganzes Berufsleben bei dem Unternehmen verbracht haben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen