Im Schafstall sind die Poeten los

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Josef Kurz, langjähriger Vorsitzender der Lauchheimer Bettelsack-Narra, hat sich beim Poetry Slam im Schafstall auf dem Schloss
Josef Kurz, langjähriger Vorsitzender der Lauchheimer Bettelsack-Narra, hat sich beim Poetry Slam im Schafstall auf dem Schloss mit der Kunst als Lebenselexier beschäftigt. (Foto: Peter Schlipf)
Petra Rapp-Neumann

Mit Selbstgereimtem und Prosaischem haben acht Slammer rund 600 Zuhörer im rappelvollen Schafstall des Schlosses unterhalten. Auch zwei Ellwanger mit Fastnachtserfahrung waren dabei: Josef Kurz und „Der Fritz“ (Widmann). Am Ende gab’s ein Unentschieden: Anna Teufel, Wortpoetin aus Karlsruhe, und der Kölner Slammer Marvin Ruppert ließen die Konkurrenten hinter sich. Launige Moderatoren des edlen Dichterwettstreits waren wieder die Slammer Hanz und Alexander Willrich.

Auch die zehnte Auflage der Wortgefechte organisierten die Stadtbibliothek und das Juze. Eröffnet wurde der Reigen von Josef Kurz, langjähriger Vorsitzender der Lauchheimer Bettelsack-Narra. Gut gereimt sinnierte er über Kunst als Lebenselixier. Als risikofreudiger Teilzeitvegetarier präsentierte sich Marvin Ruppert aus Köln: „Ich weiß nicht, was ich will, aber das ganz genau.“ Aus Offenbach kam Samuel Kramer, 2016 Hessenmeister im Poetry Slam, nach Ellwangen. In aberwitzigem Tempo spulte er einen Film über Züge und die Liebe ab: „Eh du dich versiehst, hast du dich verliebt.“ Im Kino. Wo sonst.

„Tägno“ und die Macht der Sprache

Jacqueline Lang aus Aalen begeisterte mit klugen Gedanken über die Macht der Sprache: „Wir reden, wir sprechen und versuchen die Stille zu brechen. Wenn wir nur mutig sind, dann werden wir uns trauen und Brücken bauen, Brücken aus Buchstaben und Worten.“ Den Ulmer Andreas Rebholz kennen Ellwanger Slamfans vom vergangenen Jahr. Dieses Mal schwäbelte er gekonnt als Bürgermeister von Dormettingen über das neue Metal-Festival: „Für ‚Tägno‘ braucht man einen DJ und eine Mehrfachsteckdose. Das Leben isch wie ein Teller Spaghetti: Unter Umständen ganz schön teigig.“

Der Zwei-Sekunden-Powerapplaus des Publikums katapultierte Rebholz und Ruppert ins Finale. Starke Konkurrenten waren die Dichter der zweiten Vorrunde. Anna Teufel schaffte es mit ihrem gescheiten Text über ein Spiel mit zwei Würfeln in die Endrunde. Spontan enterte „Der Fritz“ (Widmann) die Bühne. Mit Gereimtem über Kindergeburtstage und sonstige Katastrophen passte er prima in die erlauchte Runde. Wer genau hinhörte, erkannte Widmanns Büttenrede bei der FCV-Prunksitzung wieder. Macht nichts. Nur dafür wäre sie sowieso zu schade gewesen. Nik Salsflausen, Poet aus Esslingen, baute wortreich ein Haus, mit blauem Tor und vor Neid gelben Nachbarn. Doch es wurde nichts draus: Die Backsteine waren zu teuer.

Anna Teufel schaffte es mit ihrem bewegenden Text über ein „Kekskrümel“-Chromosom zu viel aufs Siegertreppchen, Marvin Ruppert mit seiner Reminiszenz an psychisch labile, axtbewaffnete Nachbarn. Zweiter wurde „Durchschnittstyp“ Rebholz mit „In vino veritas“: „Wenn die Wahrheit im Wein liegt, dann such’ doch dort mal weiter.“

Den Siegern winkten dieses Mal weder Tequila noch Cola oder Limette, sondern Merkwürdiges aus mehreren Beuteln, die die Zuhörer füllen konnten. Darin fanden sich ein einzelnes Puzzleteil und eine Murmel, aber immerhin auch Babysocken, Sonnencreme und Kleingeld. Eine von einer Zuhörerin bemalte Karte mit Aufnahme- und Abspielmodul des finalen Beifalls gab’s obendrauf

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