„Ich habe Hähnchen verkauft, kein Rauschgift“

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 Am Freitag hat die Erste Große Strafkammer des Ellwanger Landgerichts die Hauptverhandlung gegen fünf mutmaßliche Drogendealer
Am Freitag hat die Erste Große Strafkammer des Ellwanger Landgerichts die Hauptverhandlung gegen fünf mutmaßliche Drogendealer fortgesetzt (wir berichteten). Drei Angeklagte brachen ihr Schweigen und äußerten sich über ihre Anwälte zu den Vorwürfen „im Sinne eines Geständnisses“. (Foto: Frank Rumpenhorst)

Am Freitag hat die Erste Große Strafkammer des Ellwanger Landgerichts die Hauptverhandlung gegen fünf mutmaßliche Drogendealer fortgesetzt (wir berichteten). Drei Angeklagte brachen ihr Schweigen und äußerten sich über ihre Anwälte zu den Vorwürfen „im Sinne eines Geständnisses“. Mitglieder einer Bande von Rauschgifthändlern wollen sie jedoch nicht gewesen sein. Es habe keine „Drogenschiene“ zwischen Aalen und Nürtingen gegeben.

Der Gmünder Rechtsanwalt Martin Lang gab für seinen Mandanten eine Erklärung ab. Fast 26 Jahre habe er straffrei in Italien gelebt. 2015 sei er in der Hoffnung nach Deutschland gekommen, als Bauarbeiter bessere Arbeitsmöglichkeiten zu finden. „Aalen war Neuland für ihn“, so Lang. Beim Kartenspielen in einem Aalener Café habe er Landsleute getroffen. Ihnen sei er „freundschaftlich verbunden“, mehr aber auch nicht. Um seine schwer kranke Mutter finanziell zu unterstützen, habe er es mit Rauschgifthandel versucht, einmal Kokain verkauft und in der von ihm angemieteten Bunkerwohnung Betäubungsmittel gelagert, aber: „Ich bin kein Dealer im großen Stil.“ Sein Mandant, so Lang, sei „überrascht“, dass die Polizei von einer „Aalen-Nürtingen-Drogenschiene“ spreche. Davon könne keine Rede sein.

„Im Sinne der Anklage“ in den Handel verstrickt

Der Stuttgarter Rechtsanwalt Jörg Ahrens ergänzte das Geständnis seines Mandanten, das der Kammer bereits schriftlich vorliegt. Damit habe er ermöglicht, den „Aalener Drogensumpf trockenzulegen.“ Er selbst sei „im Sinne der Anklage“ in den Handel verstrickt gewesen. Mit einer Einschränkung: Er sei nicht Teil einer Bande gewesen, sondern habe eigene Kunden gehabt und im eigenen Interesse gehandelt. Für seinen mitangeklagten Landsmann – beide gelten als Köpfe der fünfköpfigen Bande – habe er „Gefälligkeiten“ übernommen, wenn dieser im Ausland gewesen sei. Seinen eigenen Kokainkonsum habe er finanziert, indem er zwei bis drei Gramm Kokain gestreckt und als fünf Gramm verkauft habe.

Der mutmaßliche Kurierfahrer ist mit 46 Jahren der Älteste auf der Anklagebank. Er lebt seit 1993 in Deutschland. Für ihn erklärte Rechtsanwalt Hans-Christian Arnsperger, er habe seinen Landsleuten geholfen bei Wohnungssuche, Autokauf und Umzug und für sie übersetzt. Zu keinem Zeitpunkt habe er als Mitglied einer Bande Drogen beschafft, verkauft oder sei auf Anweisung von Mitangeklagten nach Nürtingen gefahren. Mit seinem Imbisswagen habe er viele Orte in Baden-Württemberg angefahren und „Hähnchen verkauft, keine Drogen“. Nur einmal habe er von einem der Hauptangeklagten eine größere Menge Marihuana erhalten und vorübergehend gelagert: „Er hat meine Hilfsbereitschaft ausgenutzt.“ Es tue ihm Leid, dass er so zum Drogenhandel beigetragen habe. Die Polizei hatte das Rauschgift am Tag der Verhaftung im Keller der Wohnung des Mannes gefunden.

Die Kammer, so der Vorsitzende Richter Gerhard Ilg, behalte sich vor, sich eine eigene Meinung zu bilden: „Wir haben die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen weiter streng im Auge.“ Die Verhandlung wird am 26. Oktober fortgesetzt.

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