Hilfe muss bei den Kleinsten beginnen

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IPF- UND JAGST-ZEITUNG

„Vieles mag fremd klingen oder sogar bestialisch. Aber das ist die Wirklichkeit, in der die Menschen hier leben.“ Das schreibt Bruder Bernhard Hengl von den Comboni-Missionaren aus dem Südsudan. Die Hungersnot in dem ostafrikanischen Land und auch in Kenia und Malawi spitze sich zu. Um helfen zu können, bittet die katholische Ordensgemeinschaft, die in Ellwangen ein Haus für missionarische Bewusstseinsbildung hat, um Spenden.

„Oft fällt mir das Essen schwer, wenn ich an diese zerschundenen, blutigen Leiber von Menschen denke, die so Unsägliches durchmachen“, gesteht Bruder Bernhard. Er schildert als ein Beispiel für Dutzende, Hunderte von Müttern, denen die Combonis mithilfe von Spendengeldern helfen, das Schicksal einer jungen Frau: Grace. Sie sei bei einem nächtlichen Überfall ihres Dorfes zusammengeschlagen und vergewaltigt worden, ihre Verwandten ermordet. „Ich brachte sie ins Nachbarland nach Uganda in unser Missionskrankenhaus, sonst weiß ich nicht, was aus ihr und den Kindern geworden wäre“, so Bruder Bernhard. Doch habe Grace noch immer große Schmerzen, kein Einkommen und nicht die Kraft, die Kinder zu versorgen. Deshalb betont der Missionar: „Diese Frau und diese Kinder brauchen unsere Hilfe.“

Er verurteilt die Menschen im Südsudan nicht. Drei Generationen lang hätten sie nur Krieg erfahren, lebten „in einer Situation von Hunger, Angst, Unsicherheit, grausamster Brutalität“: „Was zählte, war überleben, mit allen Mitteln überleben.“ Ob dabei Menschen bestohlen oder gar umgebracht wurden, war nicht wichtig, so Bruder Bernhard. Kinder erlebten nichts anderes von ihren Eltern, erklärt er, Eltern von den Großeltern, Großeltern von ihren Urgroßeltern. Und so finde sich im Land eine Gesellschaft, die „in sich kaputt“ sei. Langfristige Änderung müsse „ganz unten“ beginnen, bei den Kleinsten mithilfe von Kindergärten, in denen Kinder ohne Angst auf Schläge und ohne zu hungern Liebe erfahren könnten. Doch gehe es bisher täglich ums Elementare: „Von morgens bis spät nachts kommen Menschen und flehen um Hilfe, um einen Teller mit Essen, um Medikamente, Wasser, eine Decke, um eine Plane über den Köpfen, die mithilfe von Ästen der ganzen Familie als Zuhause dient und vor der unbarmherzigen Sonne und den orkanartigen Winden und Regenfällen etwas schützt.“

Schlimm sieht es auch in Kenia aus, von wo der Bischof Dominic Kimengich die Welt aufruft, sich mit den Notleidenden zu solidarisieren: Es herrsche extreme Trockenheit, in der Menschen und Tiere gleichermaßen sterben müssten. Mosambik und Malawi wiederum, zwei der ärmsten Länder der Welt, wurden von Wirbelstürmen heimgesucht, deren Fluten viele Felder zerstörten. Hier berichtet Comboni-Missionar James Kasitomu: „Immer noch kommen jeden Tag Menschen in die Mission, die um Lebensmittel betteln.“ Er geht davon aus, dass 50 Prozent der Menschen in Malawi Nahrungshilfen brauchen.

„Ob Dürre oder übermäßiger Regen, die Gründe sind vielzählig, die Not ist dieselbe“, schließt Pater Hubert Grabmann, Missionsprokurator bei den Comboni-Missionaren in Ellwangen, aus diesen Beispielen, und bittet um Spenden für die Hilfe gegen den Hunger in Ostafrika.

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