Hattler ist zurück – in Ellwangen und auf der Bühne

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Die Band heißt wie der Chef: Hattler. Unser Bild zeigt (von links) Torsten de Winkel, Fola Dada, Oli Rubow und Hellmut Hattler.
Die Band heißt wie der Chef: Hattler. Unser Bild zeigt (von links) Torsten de Winkel, Fola Dada, Oli Rubow und Hellmut Hattler. (Foto: rapp-Neumann)
Petra Rapp-Neumann

„Zweimal ist er bei mir in der Schlossschenke aufgetreten, und ich bin stolz, ihn wieder hier zu haben“, sagte Ex-Schlossschenkenwirt Tobias Brenner am Abend. Brenner Concerts ist es gelungen, den bekannten Jazz- und Rockbassisten und Komponisten Hellmut Hattler zum dritten Mal nach Ellwangen zu holen, diesmal in den brechend vollen TSV Ballroom zum Abschluss des Sommers in der Stadt.

Die Karriere der Basslegende begann Anfang der 1970er-Jahre mit der Kultband Kraan, die Jazz und Rock mit orientalischen und asiatischen Klängen mixte. Die Lust am Neuen entsprach dem Zeitgeist und hatte einen Namen: Krautrock. Hattlers aktuelles Bandprojekt heißt angemessen schlicht Hattler.

Ob Hellmut Hattler, Erfinder des Krautrock und Kopf des Duos Tab Two mit Jazztrompeter Joo Kraus, je wieder spielen würde, war lange ungewiss. Vor zwei Jahren erkrankte er schwer. Doch der lange Blonde kämpfte sich zurück, ins Leben und auf die Bühne: „Ihr ahnt gar nicht, wie ich diesen Abend herbeigesehnt habe“, gestand er seinen Fans im Ballroom. Kongenial begleitet wurde er von Sängerin Fola Dada, Drummer Oli Rubow und Torsten de Winkel an der Gitarre. Stilistisch vielfältig und hochkarätig, ist Hattlers Spezialität ein unwiderstehlicher Mix aus Soul, Funk, Pop, Nujazz und Clubsounds mit unnachahmlich psychedelischem Touch. Mit starken Titeln wie dem spacigen „Nachtstrom“ des 2003 veröffentlichten Album „Mallberry Moon“ spielte Hattler die Zuhörer in ekstatische Trance.

Auf dem Tonträger „The Big Flow“ von 2006 findet sich der spirituelle Titel „Waiting“ mit ausuferndem Groove, den die Band ebenso leidenschaftlich und mit majestätischen Soli zelebrierte wie „Mountain Bike“ und „Love and Freedom“ vom 2016 veröffentlichten Album „Warhol Holidays“. Der lyrische Song „Fine Days“ stammt vom Album „The Kite“ von 2013 und hat auch fünf Jahre später nichts von seiner Faszination verloren. Fola Dada erinnerte an Chaka Khan, während sich Torsten de Winkel als Alleskönner an der Gitarre mit sagenhaften Riffs zeigte und Rhythmusmacher Oli Rubow als „menschliche Schnittstelle von Analog und Digital“ (Hattler) akustisches Schlagzeug mit elektronischen Beats zu atemberaubender Synthese einte.

Nicht nur Hellmut Hattler selbst, auch seine Fans haben Auftritte wie diesen herbeigesehnt und wurden in einem einzigen langen, meditativen Set irdischer Mühsal entrückt. „Meine inneren Muster transportiere ich bewusst und skrupellos, weil Musik mein Lebensmittelpunkt ist“, hat Hattler mal gesagt. Und das ist gut so. Willkommen zurück.

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