Großer Bahnhof für die städtische Musikschule Ellwangen

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Petra Rapp-Neumann

50 Jahre städtische Musikschule Johann Melchior Dreyer: Das Jubiläum ist in der Stadthalle gebührend gefeiert worden. Neben wunderbaren und ausnahmslos hochkarätigen musikalischen Beiträgen von Musikschülern haben vor allem Appelle an das Land aufhorchen lassen. Die Festredner haben die Bedeutung musikalischer Bildung für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen betont. Das geht über das bloße Handwerk weit hinaus.

Mit 50 Jahren ist die nach dem Ellwanger Komponisten, Stiftsorganisten und Kantor Johann Melchior Dreyer benannte Ellwanger Musikschule eine der ältesten im Ostalbkreis. Am 1. April 1968 öffnete sie als 50. Musikschule des Landes Baden-Württemberg ihre Tore. In einem halben Jahrhundert gab es nur drei Leiter. Auf Monika Willand, Urgestein der ersten Stunde und 30 Jahre die Seele der Schule, folgte Ulrich Widdermann. Er hatte die Leitung 19 Jahre lang inne. Ihm folgte vor einem Jahr Moritz von Woellwarth. Und fühlt sich, wie er am Abend sagte, in diesem Amt sehr wohl.

Das Land trägt nur zehn Prozent des Musikschul-Etats

„Was wäre das Leben ohne Musik?“ In seinem Grußwort betonte Oberbürgermeister Karl Hilsenbek die Bedeutung der Musikschule für das kulturelle Leben der Stadt und dankte dem Lehrerkollegium für den unermüdlichen Einsatz. Die freiwillige kommunale Unterstützung der Schule sei dem, was sie leiste, nicht mehr angemessen, sagte er und regte ein beitragsfreies Musikschuljahr an. Damit sprach er vielen aus der Seele.

Wie Jutta Palzhoff, Vorsitzende des Landesmusikschulbeirats, ausführte, rekrutiert sich der Etat der 216 baden-württembergischen Musikschulen zu rund 54 Prozent aus Elternbeiträgen. Nur zehn Prozent trage das (reiche) Land. Der Rest obliege den Kommunen. „Der Schlüssel zu allem, was wir miteinander wollen, bleibt die Kultur.“ Moritz von Woellwarth zitierte aus Ulrike Gastmanns „Zeit“-Artikel „Die Welt braucht Lieder“. Musik sei ebenso intellektuell wie emotional. Sie verlange Hingabe und Wiederholung, also Üben, unabhängig vom Talent und vom Stück. Unter Beifall sprach er die Einladung zu einer Stunde offenen Übens jede Woche aus („Ich muss ja auch mal üben“) und dankte Kollegen, Eltern und dem Gemeinderat für ihr Engagement.

Den „drei großen W“ Willand, Widdermann, Woellwarth dankte Christa Vossschulte, Präsidentin des Landesverbands der Musikschulen. Als unentbehrliche städtische Institution fördere und fordere die Schule ihre Schüler und leiste Daseinsvorsorge im besten Sinne: „Sie sind gut beraten, sich ihrer freundlich anzunehmen und sie pfleglich zu behandeln“, appellierte Vossschulte an die Stadträte. „Sie ist ihren Preis wert.“ Bildung sei nicht wohlfeil über die Ladentheke zu haben. Früh zu beginnen, sei wichtig: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Leistungsfähigkeit zu erahnen, hervorzulocken und zu gestalten, verlange Augenmaß von den Lehrern und bringe den Schülern Respekt und Selbstvertrauen.

„Hört bitte nicht auf, Musik zu machen“

„Ich bin stolz auf die stattliche Jubilarin – und meine damit nicht mich selbst“, sagte Monika Willand humorvoll. 1967 habe sich die Musikschule als „exotisches Kind“ auf einen von Bürgermeister Karl Wöhr gegründeten und von Peter Sonnentag geleiteten Trägerverein gestützt. Sonnentag und ihren Kollegen dankte Willand mit den Worten: „Leider kann ich Orden nicht pulverisieren. Ihr hättet sie verdient.“

„Musik überwindet Sprachbarrieren und persönliche Tiefpunkte“, schilderte Barbara Kopp ihre Erfahrung als Musikschülerin. Sie wird vom stellvertretenden Schulleiter Gernot Stepper unterrichtet: „Hört bitte nicht auf, Musik zu machen“, so ihr Appell. „Das kann euch später keiner mehr nehmen.“

Beim Sektempfang im Foyer der Stadthalle wurden Erinnerungen an 50 ereignisreiche Jahre und gute Wünsche für die Zukunft der Johann-Melchior-Dreyer-Musikschule ausgetauscht.

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