Goldener Elch für „Crowdfunding“

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 So sehen Sieger aus: Kai Leiter (ganz links) und seine Filmcrew mit dem Goldenen Elch für „Crowdfunding“. Leiter wurde außerdem
So sehen Sieger aus: Kai Leiter (ganz links) und seine Filmcrew mit dem Goldenen Elch für „Crowdfunding“. Leiter wurde außerdem mit einem Silbernen Elch als bester Darsteller ausgezeichnet. (Foto: Fotos: Rapp-Neumann)
Petra Rapp-Neumann

Glitter, Glanz und Glamour, die Damen in eleganter Abendrobe, die Herren im Smoking: Samstagnacht ist mehr als nur ein Hauch von Hollywood durch Ellwangen geweht. Zur Preisverleihung des zweiten Ellwanger Filmdichfestivals, der Elchinale, im Regina 2000 haben sich die Reichen, Schönen und Prominenten zum Schaulaufen auf dem roten Teppich getroffen. Die Elchinale Late Night Band mit Norbert Botschek und Klaus Dietrich begleitete mit erstklassiger Livemusik.

Bayern 3-Moderator Jo Schweizer moderierte die sensationelle Show. Und als es hieß: „And the Winner is…“, ging ein Aufschrei durch den Saal und der Trommelwirbel fast unter „Crowdfunding“ von und mit Kai Leiter hatte es ganz nach oben auf dem Treppchen geschafft.

Kai Leiter war der Mann des Abends. Aus Joel Schumachers Film „Falling Down“ hatte er die Szene ausgesucht, in der die von Michael Doug-las gespielte Hauptfigur sein im Stau feststeckendes Auto verlässt und sich auf einen zunehmend gewalttätigen Fußmarsch durch Los Angeles macht. In der Produktion von Leiters „K.lashnikov agitation & propaganda“-Studios wartet der entnervte Held inmitten einer endlos langen Schlange von 13 lautstarken Jugendlichen an der Flaschenrückgabe. Schauplatz des Dramas ist Edeka Schnell. Nichts geht, nichts vor und nichts zurück. Nahaufnahme Leiter: Man kann förmlich zusehen, wie ihm der Kamm schwillt und der Kragen platzt. Schließlich überlässt er die Pfandflaschen den Jugendlichen, dreht sich um und geht: „Ich gehe nach Hause“, verkündet Leiter ebenso staubtrocken wie einst Michael Douglas „I’m going home.“ Großartig. Die unheilschwangere Musik stammt von Andreas Hunke, dem „Ennio Morricone“ Ellwangens (Schweizer). Holger Leiter ist der Mann an der Kamera. Fortsetzung 2019, verspricht der Abspann.

Eine Elchin kommt selten allein

Lisa Eberhard, Elchinale-Gewinnerin 2017, wurde mit einem Silbernen Elch für die beste Ausstattung und das beste Kostüm ausgezeichnet. Eberhards „Super Mario – Short Film“ entstand in den „Irrelefant Productions“ und begeisterte mit coolen Special Effects. Den Preis überreichte ihr Eva Gentner. Die Ellwanger Künstlerin hat die Elchinale-Trophäen neu designt und gendergerecht in „Elchinnen“ umgetauft, denn: „Auch männliche Elche werfen im Winter ihr Geweih ab“, so Gentner. Die Elchin für den besten Schnitt und die beste Kamera ging an Martin Rauch für seinen Film „Ride“ nach einer Szene aus „Drive“ mit Ryan Gosling. Sogar Goslings berühmte Bomberjacke mit Skorpion-Logo fehlte nicht. Laudator war Journalist Peter Schwarz.

Die Schalte nach Berlin zu Schauspieler Horst Günter Marx klappte: nur leicht verpixelt öffnete Marx den geheimnisvollen Umschlag und verkündete gleich zwei beste Darsteller: Kai Leiter in „Crowdfunding“ und Axel Nagel. Nagel lief in seinem „Fitzcarroldo“-Remake zur Höchstform auf und grinste mindestens so irre wie Klaus Kinski in Werner Herzogs Kultfilm. Die Trophäe überreichten die Elchinale-Macher Jürgen „Grüni“ Grünauer und Bernd Schmidt.

Aus den Händen von Ellwangens Grande Dame der Mode Inge Rieger erhielt Marlene Rieger die Silberne Elchin für die beste Umsetzung des Originals. Riegers „Wildes Hühnerleben“ entstand in den „Lovely Chicken Studios“ und ist urkomisch. Vorlage ist eine Szene aus Andreas Kielings „Wildes Deutschland.“ Tragisch: nach den Aufnahmen fiel ein Huhn einem Sperber zum Opfer. Bei der Preisverleihung warb Marlene Rieger für das Federvieh: „Hühner sind ganz tolle Tiere.“

Dann der Höhepunkt der rauschenden Nacht der Elche: Die Goldene Elchin für „Crowdfunding.“ Jeanine Lang, Vorjahres-Preisträgerin eines Silbernen Elchs und U20-Landesmeisterin im Poetry Slam 2018, überreichte Kai Leiter und seiner Filmcrew die verdiente Trophäe.

Acht Filme von großartigen Hobbyfilmern waren ins Rennen gegangen, alle kreativ und geistreich, alle nah am Original und einem der begehrten Elche. Hollywood war gestern. Ellwangen ist die Filmmetropole der Zukunft. Die Elchinale ist auf Erfolgskurs. Die After-Show-Party stieg im Punto, mit DJ und Büfett.

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