Friday for Future: „Jede Veränderung beginnt im Kleinen“

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Die „Fridays for Future“ sind in Ellwangen angekommen. Auf Anhieb haben am Freitagmittag auf dem Marktplatz rund 70 Schülerinnen und Schüler für besseren Klimaschutz demonstriert. „Und das ist erst der Anfang. Wir werden weiter kämpfen“, riefen die Organisatorinnen Amelie Fischer und Anna Klopfer unter Applaus. Allerdings nach Schulschluss.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ und „Hopp hopp hopp, Kohle stopp“ skandierten die Schüler vom Peutinger-Gymnasium, dem Sozialwissenschaftlichen Gymnasium und von Sankt Gertrudis, verstärkt um Jugendliche, die aus Aalen und dem Raum Schwäbisch Gmünd angereist waren, unter grauem Himmel. Viele reckten Plakate in die Höhe mit Slogans wie: „There is no planet B“ oder „Be part of the solution, not the pollution“.

Die Resonanz freute die Ellwanger Organisatorinnen. „Das war eine Sonntagnacht-Idee“, berichtete Amelie Fischer. „Uns liegt der Klimaschutz wahnsinnig am Herzen, und wir haben seit Wochen verfolgt, was Greta Thunberg macht“, erzählte sie. Anna Klopfer ergänzte: „Wir haben uns gefragt, warum hier bei uns niemand was macht, und festgestellt: Wir müssen der Jemand sein.“ Auch wenn ihre Initiative ursprünglich unabhängig von der in Aalen entstanden ist, finden sie es „genial, was am Morgen in Aalen abging“.

Dann stiegen Amelie Fischer und Anna Klopfer auf eine der Sitzbänke und ergriffen das Wort. Greta Thunberg zitieren sie, die jeden Freitag, statt in die Schule zu gehen, vor dem schwedischen Parlament für eine bessere Klimapolitik streikt und die der Ursprung der „Fridays for Future“-Bewegung ist. „Wir, genau wie Tausende andere Jugendliche in ganz Deutschland, haben uns von ihr inspirieren lassen“, rief Anna Klopfer. „Wir glauben, dass jede Veränderung im Kleinen beginnt, mit jedem von uns, und dass es immer noch tausendmal besser ist, nur ein wenig zu tun, als tatenlos zuzusehen.“ Es sei höchste Zeit.

Denn die Folgen der Erderwärmung um bisher ein Grad Celsius seien schon jetzt gravierend, beschrieb Amelie Fischer: Rückgang von Meer-eis und Gletschern, Anstieg der Meeresspiegel, Wetterextreme, gravierende Schäden am Ökosystem, Ausbreitung von Krankheiten. Und sie fragte: „Was können dann die von Forschern befürchteten drei oder vier Grad Erwärmung erst auslösen?“

Die Regierung forderten die Mädchen zu sofortigem Handeln auf. Bisher sehe es nicht danach aus. Die Klimaziele würden verfehlt, stattdessen steige der Ausstoß von CO durch den Verkehr, und es werde weiter Kohle abgebaut. Ein Schritt in die richtige Richtung sei ein Ausstieg aus der Braunkohle vor 2030. „Hört auf uns“, forderten die Rednerinnen, „denn wir sind die Zukunft dieses Landes und auch wir haben ein Mitspracherecht.“

Ebenso wandten sich Amelie Fischer und Anna Klopfer an die Bürger. „Jeder Einzelne kann mithelfen, um die drastischen Veränderungen zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen.“ Sie schlugen ganz praktische Schritte vor: weniger Fleisch zu essen, regionale und Fair-Trade-Produkte zu kaufen und dafür weniger „Fast Fashion“. Weniger Plastik zu verbrauchen, Strom zu sparen, weniger Auto zu fahren.

„Jeder noch so kleine Schritt zählt, jede Veränderung kann zu einer Verbesserung führen“, machten die beiden ihren Zuhörern Mut und forderten sie auf: „Hören wir auf, so schrecklich bequem zu sein, und erinnern uns selbst daran, dass wir alle nur Gäste auf diesem Planeten sind und es unser Selbstverständnis sein sollte, uns auch wie solche zu verhalten: respektvoll, umsichtig und sorgsam.“

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