Der Freundeskreis Schönenberg ist nach 90 Jahren aufgelöst. Zum Abschlussessen trafen sich die Mitglieder mit ihren Frauen im G
Der Freundeskreis Schönenberg ist nach 90 Jahren aufgelöst. Zum Abschlussessen trafen sich die Mitglieder mit ihren Frauen im Grünen Baum in Stocken. Auf dem Bild fehlt Josef Wagner aus Rindelbach. (Foto: Freundeskreis)
Freier Mitarbeiter

„Wenn ich einmal reich wär’“, haben sich wohl sieben gestandene Männer vom Schönenberg und Mittelhof gedacht, als sie am 20. April 1929 die „Losgesellschaft Frühling“ gründeten. Seitdem wurde fleißig in der Klassenlotterie gespielt. Reich an Geld sind die Mitglieder nicht geworden, reich an Freundschaft wohl. Jetzt, nach fast 90 Jahren, hat sich der Verein, der sich ab den 1990er Jahren „Freundeskreis Schönenberg“ nannte, aus Alters- und Krankheitsgründen aufgelöst – mit einem Essen im Grünen Baum in Stocken.

Zehn Mitglieder zählte der Freundeskreis Schönenberg zuletzt. „Wir haben ein Durchschnittsalter von 73,6 Jahren“, sagt Alwin Wolf aus Eigenzell, der die Geschicke des Freundeskreises seit 2011 führte. Alwin Wolf stammt aus der Schönenbergstraße, und schon sein Vater und sein Großvater, Josef Haag, waren Mitglieder der Spielgemeinschaft. „Mein Vater war zweiter Vorsitzender.“

Über die Intention des Vereins darf spekuliert werden

Gegründet wurde die „Losgesellschaft Frühling“ Ende April 1929 im damaligen Gasthaus „Sankt Josef“ in der Schönenbergstraße, das liebevoll „Josefle“ genannt wurde. Georg Brückner war der Vorsitzende, Michael Raible der Kassierer. Was die sieben Gründungsmitglieder Brückner, Schäfer, Raible, Engelhard, Hegele, Ladenburger und Nagler damals bewogen hat, einen nicht eingetragenen Verein ins Leben zu rufen, ist laut Protokollbuch nicht nachvollziehbar. Es kann nur spekuliert werden: War es Freundschaft, die Geselligkeit, die Verbundenheit mit dem Schönenberg oder der Wunsch, einmal im Monat ohne Ehefrau unter Männern zu sein? Einerlei. Ab der Gründung trafen sich die Männer am ersten Sonntag im Monat im „Josefle“. Neben der Geselligkeit war das Spiel in der Deutschen Klassenlotterie Vereinszweck. So konnte man bis 1945 ansehnliche Gewinne verbuchen. Das erste Erfolgserlebnis war am 11. April 1931, als auf jedes Mitglied 6,66 Mark entfielen. Doch im April 1945 brannte das Reichslotteriegebäude ab, es gab keine Auszahlungen mehr. Deshalb löste sich auch die „Losgesellschaft Frühling“ auf.

Sieben Jahre später, 1952, wurde die Gesellschaft durch Josef Bribesnecker neu gegründet. Gespielt wurde in der Süddeutschen Klassenlotterie, dazwischen nahm man auch an Lotto, Toto sowie am VR-Bank-Gewinnsparen Ostalb teil. Nach Schließung des „Josefle“ musste sich die Spielgemeinschaft nach neuen Lokalen umschauen. Bei den monatlichen Treffen gab der Vorsitzende bekannt, wer Geburts- oder Namenstag hatte. Der musste einen Obolus in die „Freudige Ereigniskasse“ entrichten. Der Kassierer sagte, ob gewonnen wurde. „Immer wieder hat ein Los gewonnen“, so Alwin Wolf: „Größere Beträge nie.“ Im Mai 1980 erzielten sie immerhin 237 Mark – bei einem Einsatz von 873 Mark.

Die Losgesellschaft veranstaltete auch Frühjahrswanderungen, Jahresausflüge und Weihnachtsfeiern, zu denen auch Frauen und Kinder eingeladen waren. Die Geselligkeit spielte eine große Rolle. So gab es bei den Monatstreffen nach dem offiziellen Treffen Skat- oder Binokelrunden. Auch eine „Schnitzelbank der Schönenbergstraße“ gab es mehrere Jahre lang. Zu seinen besten Zeiten hatte der Verein bis zu 25 Mitglieder.

Bei der Auflösung des Freundeskreises ehrte der Vorsitzende Alwin Wolf den Kassierer Josef Ilg und den stellvertretenden Vorsitzenden Albert Sekler für 25-jährige Mitgliedschaft. Hans Mack war 55 Jahre Mitglied und damit am längsten dabei.

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